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Im April Pflicht, im August verschwunden: Wo sind die Shrinkflation-Warnungen?

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
27.08.2026
4 Min.

Vier Monate nach Einführung des Anti-Mogelpackungs-Gesetzes suche ich in fünf Wiener Supermärkten nach den angekündigten Warnschildern. Ich finde kein einziges. Nicht bei Chips, Schokolade, Milchprodukten, Eiscreme oder Geschirrspülmitteln. Selbst Produkte, die BILLA aktuell als Shrinkflation-Fälle nennt, stehen ohne sichtbaren Hinweis im Regal.

Weniger Produkt fürs gleiche Geld: Die Gesetze gegen Shrinkflation greifen nicht (Foto: Shutterstock)

Ich gehe vom Chipsregal weiter zur Schokolade, öffne die Tiefkühltruhen und kontrolliere schließlich die Geschirrspültabs. Überall sehe ich Preise, Grundpreise und Füllmengen. Nirgendwo steht, ob eine Packung geschrumpft ist. Die neue Regel, die versteckte Preiserhöhungen sichtbar machen sollte, hinterlässt in diesen Filialen keine sichtbare Spur.

Seit 1. April 2026 müssen große Handelsketten betroffene Waren am Produkt, am Regal oder unmittelbar daneben kennzeichnen. Die Pflicht greift, wenn die Menge sinkt, die Packung weiter wie das bekannte Produkt wirkt und der Grundpreis um mindestens drei Prozent steigt. Knapp fünf Monate später, am 27. August, fand ich in fünf Wiener Filialen keine Spur solcher Warnungen. Der Hinweis muss ab dem ersten Verkauf der kleineren Packung in der jeweiligen Filiale 60 Tage sichtbar bleiben, erklärt das Sozialministerium.

Maxi, 17, aus meiner Parallelklasse, ist das Problem schon länger aufgefallen. „Die Packungen werden kleiner oder fühlen sich leichter an und werden gleichzeitig teurer. Egal ob Schokolade, Chips oder Kakaopulver, alles wird weniger. Das ist doch eine Frechheit.“

Fünf Filialen, null Warnungen

Für diesen Beitrag besuchte ich am 27. August 2026 den BILLA PLUS im Gerngross auf der Mariahilfer Straße, den SPAR in der Mayerhofgasse, den BILLA an der Kreuzung Jura-Soyfer-Gasse und Ada-Christen-Gasse, den Lidl in der S-Bahn-Station Rennweg und den INTERSPAR Pronto in Wien Mitte.

Ein Supermarktregal

Volle Regale, zahlreiche Preise und auffällige Aktionsschilder, aber keine Warnung vor weniger Inhalt: Dieses Regal fotografierte ich am 27. August in einer der fünf untersuchten Wiener Filialen.Elias Pell


Ich suchte an den Packungen, auf den normalen Regalschildern und unmittelbar daneben. In keiner Abteilung fand ich einen Hinweis wie „Achtung: Weniger Inhalt, höherer Preis“. Stattdessen standen dort nur der heutige Verkaufspreis, der aktuelle Grundpreis und die momentane Füllmenge. Keine dieser Zahlen zeigt, was sich verändert hat.

Meinem ehemaligen Schulkollegen Felix zeigte ich ein Regalfoto. Er fand darauf ebenfalls keinen Hinweis. Simon, 17, entdeckte auf der Rückseite zwar die aktuelle Füllmenge, konnte daraus aber nicht erkennen, ob früher mehr enthalten war. Der Befund aus den Filialen setzte sich auf den Fotos fort: Die Information, die das Gesetz sichtbar machen sollte, kam bei beiden nicht an.

Von der großen Ankündigung blieb nichts übrig

Auf der am 27. August abgerufenen BILLA-Liste stehen Marbo Chipsy Sour Cream mit 145 Gramm und Verkaufsstart am 20. Juli sowie Mevgal Schafmilchjoghurt mit 150 Gramm seit 15. Juli. BILLA nennt außerdem vier Mövenpick-Eissorten und Packungen von Finish- und Claro-Geschirrspültabs. Das Unternehmen verspricht, betroffene Markenartikel 90 Tage am Regal zu kennzeichnen.

Diese Produkte waren in den beiden besuchten BILLA-Filialen vorhanden. Keines trug einen Hinweis auf eine Mengen- oder Preisänderung. Auch unmittelbar daneben hing kein Zusatzschild. Bei Marbo und Mevgal waren seit dem von BILLA veröffentlichten Verkaufsstart noch nicht einmal die gesetzlich vorgesehenen 60 Tage vergangen.

Damit geht die Beobachtung über alte Fälle hinaus, deren Hinweise längst entfernt werden durften. Ausgerechnet bei Produkten, die BILLA selbst als aktuell betroffen führt, war am 27. August keine Warnung zu sehen. Was im April als neue Transparenzregel angekündigt wurde, spielte beim Einkauf vier Monate später keine erkennbare Rolle mehr.

Der Befund ist eindeutig: In fünf Filialen von vier großen Ketten, in mehreren Abteilungen und selbst bei aktuell betroffenen Produkten hing keine einzige Warnung. Die im April eingeführte Kennzeichnungspflicht war bei meiner Recherche im August weder an einem Produkt noch an einem Regal sichtbar.

Was die heutigen Zahlen verschweigen

Eine Packung kann 145 Gramm enthalten und 2,49 Euro kosten. Beide Angaben können korrekt sein. Ohne die frühere Menge und den alten Preis lässt sich trotzdem nicht erkennen, ob das Produkt geschrumpft oder teurer geworden ist.

Die Rückseite einer Chipspackung

150 Gramm stehen auf der Rückseite. Ob früher mehr in derselben Packung steckte, lässt sich weder dort noch am Regal erkennen.Elias Pell


Das Gesetz löst dieses Problem nur teilweise. Laut Gesetzestext genügt 60 Tage lang eine allgemeine Angabe über die Verringerung. Alte und neue Füllmenge, früherer Preis und genaue Verteuerung müssen Händler nicht nennen. Danach darf der Hinweis verschwinden, während die kleinere Packung dauerhaft bleibt.

Wie teuer weniger Inhalt wird, zeigt der Iglo Atlantik Lachs. Iglo Austria verringerte die Menge 2023 von 250 auf 220 Gramm, während der Preis gleich blieb. Dadurch stieg der Preis pro Gramm rechnerisch um 13,6 Prozent. Das Handelsgericht Wien und das Oberlandesgericht Wien beurteilten das Vorgehen als irreführend. Das Sozialministerium bezeichnet die Entscheidung als Österreichs erstes rechtskräftiges Urteil zu Shrinkflation.

Auch aktuelle Fälle dokumentiert der Verein für Konsumenteninformation. Bei Haribo Goldbären sank der Inhalt 2026 von 200 auf 175 Gramm. Rama verringerte die Margarine zuerst von 500 auf 450 und später auf 400 Gramm, obwohl der Becher gleich groß blieb.

Simon beobachtet das Prinzip selbst beim Imbiss neben der Schule. Eine Pizzaschnitte kostete seiner Erinnerung nach vor vier Jahren 1,50 Euro, heute 2,50 Euro und sei zugleich kleiner geworden. Unter das Gesetz fällt sie nicht. Das Gefühl, mehr zu bezahlen und weniger zu bekommen, bleibt dasselbe.

Was nützt uns ein Gesetz gegen versteckte Preiserhöhungen, wenn selbst auf der Rückseite nur steht, was heute drin ist?



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