Als ich mich in der vierten Klasse Gymnasium für eine HTL anmeldete, war ich spät dran. Ich hatte mich erst kurz zuvor mit dieser Möglichkeit beschäftigt – zu spät, um den Wechsel so vorzubereiten, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Ich kam auf die Warteliste und blieb schließlich an meiner AHS.
Dabei hatte mich an der HTL einiges interessiert. Ich mochte Technik und wollte mit meinen Händen arbeiten. Besonders gefiel mir die Vorstellung, nach dem Abschluss einen Beruf ausüben zu können, ohne dafür erst ein langes Studium absolvieren zu müssen. Erst als ich mich selbst erkundigte, wurde dieser Bildungsweg für mich zu einer konkreten Möglichkeit.
Arbeiten können, studieren dürfen
Mein damaliger Wunsch passt zum Angebot einer berufsbildenden höheren Schule. „Berufsbildende höhere Schulen bieten sowohl qualifizierte berufliche Ausbildung als auch Zugang zu tertiärer Bildung“, erklärte Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria, in einer Aussendung vom Dezember 2025. Mit tertiärer Bildung sind etwa Universitäten und Fachhochschulen gemeint. Auch nach einer HTL hätten mir diese Wege offengestanden.
Wie unterschiedlich Absolventinnen und Absolventen diese Möglichkeiten nutzen, zeigt das Bildungsbezogene Erwerbskarrierenmonitoring von Statistik Austria. Von den BHS-Absolventinnen und -Absolventen des Schuljahres 2021/22 waren 18 Monate nach ihrem Abschluss 48 Prozent im Berufsleben, 39,2 Prozent studierten. Die Auswertung verknüpft Verwaltungsdaten und umfasst verschiedene berufsbildende höhere Schulen, darunter HTL und HAK.
Für unsere Schulwahl bedeutet das: Eine berufliche Ausbildung kann uns den Einstieg in einen Job ermöglichen und zugleich die Entscheidung für ein Studium offenhalten.
Für mich kam die Beschäftigung mit diesen Möglichkeiten spät. Ich hätte früher nachfragen können. Gleichzeitig wünsche ich mir bei einer Entscheidung dieser Größe Unterstützung, bevor wir selbst wissen, welche Fragen wir überhaupt stellen müssen: Was lerne ich dort? Wie sieht der Unterricht aus? Und bis wann muss ich mich anmelden?
Ein Gespräch beim Schulabgang
Seit September 2026 gibt es für bestimmte Schulabgänge eine neue Verpflichtung: Perspektivengespräche. Laut Bildungsministerium müssen Schülerinnen und Schüler ab der neunten Schulstufe einer mittleren oder höheren Schule daran teilnehmen, wenn sie sich schriftlich abmelden oder rechtskräftig von der Schule ausgeschlossen werden. Eine vertraute Lehrperson führt das Gespräch. Bei Minderjährigen muss zumindest ein Elternteil beziehungsweise eine erziehungsberechtigte Person dabei sein.
Dabei sollen die Beteiligten die Gründe für den Schulabgang besprechen und weitere Bildungswege sowie Unterstützungsmöglichkeiten klären. Das kann hilfreich sein: Wer die bisherige Schule verlässt, braucht einen Plan für die Zeit danach. Eine passende andere Ausbildung kann ebenso ein gutes Ergebnis sein wie ein Weg, Schwierigkeiten zu bewältigen.
Meine damalige Situation lag früher. In der vierten Klasse AHS, also der achten Schulstufe, wollte ich meine Ausbildung an einer anderen Schule fortsetzen. Die neue Gesprächspflicht ab der neunten Schulstufe betrifft daher eine andere Ausgangslage. Freiwillige Perspektivengespräche können laut Ministerium auch früher stattfinden.
Für meine Schulwahl wäre vor allem entscheidend gewesen, rechtzeitig vor der Anmeldung über meine Möglichkeiten zu sprechen.
Beratung gibt es schon. Sie muss uns aber erreichen
Anlaufstellen für solche Fragen bestehen bereits. Die Schulpsychologie des Bildungsministeriums nennt die Schüler- und Bildungsberatung an der eigenen Schule als erste Adresse bei Bildungsentscheidungen. Hinzu kommen schulpsychologische Beratungsstellen und Berufsinformationszentren. Wer zwischen AHS, HTL, HAK oder einer anderen Ausbildung schwankt, kann sich dort Unterstützung holen.
Aus meiner verspäteten Anmeldung lässt sich deshalb kein Urteil über die gesamte Bildungsberatung ableiten. Sie zeigt aber, was ich damals gebraucht hätte: jemanden, mit dem ich meine Interessen, die möglichen Schulen und die Anmeldetermine früh genug durchgehe.
Zu wissen, wo es Informationen gibt, ist für uns nur ein Teil der Entscheidung. Wir müssen auch verstehen, welche davon für den eigenen nächsten Schritt wichtig sind.
Meine Freunde blieben an der AHS
Fürs Bleiben sprach außerdem etwas, das in keiner Beschreibung eines Schulzweigs steht: meine Freunde. Einige kannte ich seit dem Kindergarten oder der Volksschule. Wir waren gemeinsam älter geworden und gingen weiter auf dieselbe Schule. An einer HTL hätte ich mir ein neues Umfeld aufbauen müssen. Diese vertrauten Menschen waren für mich ein wichtiger Grund, an der AHS zu bleiben.
Heute bin ich mit meinem Weg glücklich. Meine Studienpläne haben sich verändert, und die AHS passt zu mir. Mit meinen Freunden weiter aufzuwachsen, bedeutet mir viel.
Hätte ich alle Möglichkeiten früher gekannt, wäre meine Entscheidung vielleicht genauso ausgefallen. Ich hätte sie nur gern getroffen, bevor die Warteliste mitentschied.
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