„Wir sind hier!“, schallt es aus dem Mikrofon. Neben mir stehen Jugendliche mit selbst gemalten Schildern, manche sind mit Freunden aus der Schule gekommen. Hinter uns gehen immer wieder Menschen vorbei. Ich schaue ihnen nach und frage mich, ob sie überhaupt mitbekommen, warum wir hier stehen. Ich selbst bin bei der Klimademo dabei und merke in diesem Moment: Politik passiert nicht nur im Parlament.
Wenn ich morgens mein Handy aufmache, denke ich aber nicht unbedingt als Erstes an Politik. Ich schaue Nachrichten, Instagram oder TikTok. Trotzdem dauert es meistens nicht lange, bis mir ein politisches Thema begegnet. Ein Video über einen Krieg, ein Beitrag zum Klimawandel oder eine Diskussion über eine Wahl kann innerhalb von Sekunden auf meinem Bildschirm auftauchen.
Genau solche Momente zeigen mir, dass Politik für Jugendliche nicht nur etwas ist, das im Parlament passiert. Sie findet auch auf der Straße, in unseren Feeds und in Gesprächen mit Freunden statt.
Jugendliche interessieren sich für die Zukunft
Manchmal höre ich von Erwachsenen, dass sich Jugendliche nicht genug für Politik interessieren. Die Ö3-Jugendstudie 2025 zeichnet allerdings ein anderes Bild: 77 Prozent der befragten 16- bis 25-Jährigen interessieren sich für Politik und politische Prozesse. Gleichzeitig fühlen sich nur 22 Prozent von der Politik vertreten. (oe3.ORF.at)
Das finde ich interessant. Es bedeutet nämlich nicht, dass wir Politik egal finden. Vielleicht haben viele eher das Gefühl, dass ihre Meinung zwar gehört werden soll, aber am Ende nicht unbedingt etwas verändert.
Auch bei mir ist das so: Ich informiere mich über Themen, die mich betreffen, diskutiere mit Freunden und versuche herauszufinden, welche Informationen stimmen. Trotzdem bleibt manchmal die Frage, was danach passiert.
Mit 16 schon wählen
Ein ziemlich konkreter Weg, Einfluss zu nehmen, ist das Wahlrecht. In Österreich dürfen österreichische Staatsbürger seit 2007 bereits ab 16 Jahren wählen. Das gilt unter anderem für Nationalrats-, Bundespräsidenten-, EU-, Landtags- und Gemeinderatswahlen. (Parlament Österreich)
Das bedeutet: Jugendliche können nicht nur über Politik diskutieren, sondern tatsächlich ihre Stimme abgeben.
Trotzdem fühlt sich eine einzelne Stimme manchmal klein an. Ich gehe wählen, mache mein Kreuz und danach entscheiden viele andere Menschen ebenfalls mit. Gerade deshalb finde ich es wichtig, mich vorher wirklich zu informieren und nicht einfach das zu wählen, was ich gerade am häufigsten auf Social Media gesehen habe.
Von Likes zu echten Gesprächen
Social Media macht politische Themen für uns leicht zugänglich. Ein Video kann innerhalb kurzer Zeit sehr viele Menschen erreichen. Das kann hilfreich sein, gerade wenn ein Thema sonst kaum Aufmerksamkeit bekommt. Aber ein Like verändert noch kein Gesetz.
Für mich beginnt politisches Engagement deshalb nicht unbedingt mit einer großen Demonstration. Es kann auch damit anfangen, einen Beitrag nicht sofort weiterzuschicken, sondern zu überprüfen. Oder mit Freunden über ein Thema zu reden und dabei auch eine andere Meinung auszuhalten. Und manchmal bedeutet es eben, selbst auf eine Demo zu gehen.
Unsere Zukunft ist nicht egal
Natürlich können Jugendliche nicht jedes politische Problem lösen. Kriege, Klimakrise oder steigende Preise sind komplizierte Themen, bei denen viele Interessen aufeinandertreffen.
Aber wir sind von politischen Entscheidungen betroffen. Wir gehen zur Schule, suchen später Wohnungen, werden arbeiten und müssen mit den Folgen heutiger Entscheidungen leben.
Deshalb möchte ich nicht, dass unsere Generation nur als „die Jugendlichen“ gesehen wird, über die Erwachsene sprechen. Wir sind schon Teil dieser Gesellschaft. Wir können uns informieren, diskutieren, demonstrieren und wählen. Ob daraus tatsächlich Veränderungen entstehen, hängt nicht von einem einzelnen TikTok oder einer einzelnen Stimme ab.
Wenn ich an die Klimademo zurückdenke, denke ich auch an all die Menschen, die dort gemeinsam standen. Vielleicht ist genau das der Anfang: nicht nur darüber zu reden, dass unsere Stimme gehört werden soll, sondern sie auch zu benutzen.
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