„Gehst du auf eine Beerdigung?“, „Das sieht ja traurig aus, bring mehr Farbe in dein Leben!“, „Bist du depressiv?“ – Alles schon gehört. Warum? Weil ich ganz einfach nur Schwarz trage. Das scheint der Gesellschaft wohl nicht zu gefallen.
Die sogenannte unbunte Farbe begleitet mich nun schon seit mehreren Jahren. Sie gefällt mir eben am besten, deshalb drücke ich mich mit ihr aus. In meinem Kleiderschrank gibt es schon lange keine Farben mehr. Und ich bin auch ohne pinke oder gelbe Klamotten glücklich und nicht auf dem Weg, einem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.
Ich als Person
Auf den ersten Blick würde ich mich nicht wirklich als super „außergewöhnlich“ beschreiben. Mein Außenbild besteht aus schwarzen Jeans und Accessoires, Bandmerch und viel Schmuck, oft auch mit Fledermäusen, Raben oder einem Ankh. Meine brünetten Haare haben einige schwarze Akzente, und Kajal, Mascara sowie Eyeliner schmücken meine Augen. Nichts komplett Besonderes – und doch für manche zu „anders“.
Verwandte, Bekannte, sogar Lehrer – überall höre ich das Gleiche: „Trägst du immer nur Schwarz? Wie düster.“ Die Fragen selbst stören mich nicht, viel eher die Einstellung der Leute dazu. Nämlich, dass es nicht normal ist, nichts Buntes zu tragen oder in der Schule alles kunterbunt zu formatieren. Genau das bringt mich immer wieder zu der Frage:
Wer hat eigentlich „normal“ erfunden?
Meiner Meinung nach die Gesellschaft – und jeder, der diese Vorstellung weiterträgt. Familie, Schule, Politik und soziale Medien legen einem tagtäglich Normen und gesellschaftliche Erwartungen auf den Tisch.
Hast du viele Tattoos, bist du kriminell. Kritisierst du etwas, bist du rechts. Oh nein, sie mag Metal – sie ist eine Satanistin! Man liest und hört immer wieder denselben Blödsinn. Aber warum?
Wie viel Individualität hält die Gesellschaft aus?
So viel, wie man noch kontrollieren kann, würde ich behaupten. Wie eben schon genannt, werden oft schon Kleinigkeiten ins Politische gezogen und Menschen in eine Schublade gesteckt. Wenn die Mehrheit kritisiert wird, möchte sie das Problem beiseiteschieben. Das kann sich in Mobbing, Ausgrenzung und jeder Menge Vorurteilen zeigen.
Ich bewundere jeden, der sich individuell ausdrückt, egal auf welche Weise. Persönlich zeige ich das durch Musik, Kleidung und meine eigenen Einstellungen gegenüber zahlreichen Themen wie Gesellschaft, Wirtschaft und Politik.
Zuerst hat es mich gestört, dass ich aufgrund dessen verurteilt wurde. Heute genieße ich es sogar ein wenig. Bei freundlichen Leuten erkläre ich gerne Einzelheiten, respektlose Persönlichkeiten kosten mich inzwischen aber nur noch ein Lächeln. Denn ich stehe hinter all meinen Besonderheiten und ändere mich nicht, nur weil es vielen nicht passt.
Am Ende des Tages sollten wir vor allem uns selbst gefallen wollen und jeden so leben lassen, wie er oder sie möchte.
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