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Ich habe meinen Freund gegoogelt und war überrascht, was das Internet über ihn weiß

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
22.08.2026
5 Min.

Wie viel lässt sich eigentlich über einen Menschen herausfinden, wenn nur sein Name bekannt ist? Ich habe es gemeinsam mit meinem Freund Elias ausprobiert. Innerhalb weniger Minuten fanden wir alte Fußballspiele, Artikel und andere Spuren aus seinem Leben, manche davon hatte er längst vergessen.

Alles, was wir online machen, hinterlässt Spuren. Und was wir offline machen, wird auch schon längst online erfasst. (Foto: shutterstock)

Elias sitzt neben mir vor seinem Laptop. Wir sind bei ihm zu Hause und wollen ausprobieren, was jemand über ihn herausfinden kann, der nur seinen vollständigen Namen kennt. Elias ist 17, wir kennen uns aus der Schule und sind befreundet. Instagram, TikTok, Snapchat und YouTube nutzt er ungefähr seit seinem 12. oder 13. Lebensjahr. Bevor wir anfangen, frage ich ihn, was wir wohl finden werden. „Nicht besonders viel. Vielleicht mein Instagram und irgendwas vom Fußball.“

Wir geben seinen Namen in die Suchmaschine ein. Schon nach kurzer Zeit finden wir sein öffentliches ÖFB-Spielerprofil. Als Elias das alte Foto von sich sieht, muss er lachen. Wir klicken weiter und finden alte Spiele, Ergebnisse und Leistungen. Bei manchen Einträgen bleibt er hängen und erinnert sich an seine Zeit beim Fußball. „Ich finde es schon Wahnsinn, wie genau das alles dokumentiert ist“, sagt er. Viele dieser Informationen hat Elias nie selbst ins Internet gestellt.

Elias hat gespielt, das Internet hat mitgeschrieben

Elias spielte beim Teco7 FC. Noch heute lassen sich über seinen Namen Spuren aus dieser Zeit finden: alte Spielberichte, Ergebnisse und sportliche Leistungen. 2025 wurde er etwa bei Ligaportal in einer Auswahl der besten Spieler einer Runde der Wiener 1. Klasse B geführt. „Dass es mein Fußballprofil gibt, wusste ich schon. Aber ich hätte nicht gedacht, dass man einzelne alte Spiele und Tore so leicht findet“, sagt Elias. Unangenehm ist ihm das nicht: „Beim Fußball eigentlich nicht. Da steht ja nichts, was mir peinlich wäre.“

Trotzdem findet er einen Gedanken daran seltsam: „Wenn jemand nur meinen Namen kennt, kann er herausfinden, wo ich Fußball gespielt habe und wie ich bei irgendwelchen Spielen abgeschnitten habe.“ Auch solche Informationen gehören zu seinem digitalen Fußabdruck. Matthias Jax, Projektleiter bei Saferinternet.at, beschreibt diesen als die Summe der Spuren, die wir im digitalen Raum hinterlassen. Dazu zählen nicht nur Fotos oder Videos, die wir selbst hochladen. Auch Informationen, die bei der Nutzung digitaler Dienste oder durch andere entstehen, können Teil davon werden. In einem Interview mit dem österreichischen Portal Onlinesicherheit sagt Jax: „Ich bin nie zu 100 Prozent anonym.“

Ein privates Instagram reicht nicht

Elias hat sich Gedanken darüber gemacht, wer sein Leben im Internet sehen darf. Sein Instagram-Profil ist privat. „Weil nicht jeder sehen muss, was ich poste oder mit wem ich unterwegs bin“, sagt er. TikTok verwendet er hauptsächlich zum Anschauen von Videos, Snapchat vor allem zur Kommunikation mit Freunden.

Bei unserer Suche merken wir allerdings schnell: Ein privates Instagram-Profil bedeutet nicht, dass auch alle anderen Informationen über eine Person geschützt sind. Neben dem Fußball finden wir Elias' Artikel bei Campus A College. Plötzlich stehen verschiedene Teile seines Lebens in denselben Suchergebnissen: Fußball, journalistische Beiträge und seine Social-Media-Präsenz.

Bei den Artikeln findet Elias die Öffentlichkeit völlig in Ordnung. „Die habe ich ja bewusst veröffentlicht und mein Name soll dort stehen.“ Beim Fußball war das anders: „Beim Artikel wusste ich, dass jeder ihn lesen kann. Beim Fußball habe ich einfach gespielt. Ich habe damals nicht darüber nachgedacht, dass dadurch gleichzeitig Informationen über mich im Internet landen.“

Keines dieser Suchergebnisse verrät für sich besonders viel über Elias. Zusammen entsteht trotzdem innerhalb weniger Minuten ein überraschend konkretes Bild. Das fällt auch ihm auf: „Wie viele verschiedene Sachen zusammenkommen, überrascht mich. Fußball, alte Spiele, Artikel. Für mich sind das komplett verschiedene Teile meines Lebens, aber bei einer Suche steht alles nebeneinander.“

Was wir mit 13 noch nicht bedenken

Dass Jugendliche überhaupt nicht über ihre Privatsphäre nachdenken, stimmt so nicht. Forschende der Universität Wien untersuchten für eine 2025 veröffentlichte Studie in 18 Fokusgruppen mit 116 Kindern und Jugendlichen in Wien, wie junge Menschen Privatsphäre auf Social Media verstehen. Die Untersuchung zeigt, dass sie durchaus ein Bewusstsein für ihre Privatsphäre besitzen. Gleichzeitig können die Strukturen digitaler Plattformen ihre tatsächliche Kontrolle erschweren.

Wie früh das Thema relevant wird, zeigen aktuelle Zahlen aus Österreich. Laut Jugend-Internet-Monitor 2026 nutzen 65 Prozent der 11- bis 17-Jährigen Snapchat, jeweils 64 Prozent Instagram und TikTok. Für die repräsentative Erhebung von Saferinternet.at wurden 500 Jugendliche aus ganz Österreich befragt.

Bei Elias zeigt sich noch ein anderes Problem: die Zeit. Heute weiß er, warum sein Instagram privat ist, und überlegt, wer seine Inhalte sehen soll. Mit 13 dachte er anders über Veröffentlichungen nach. „Wenn ich etwas gepostet habe, habe ich darüber nachgedacht, wer es in dem Moment sieht. Nicht, ob jemand es vier Jahre später findet.“ Heute sagt er: „Mit 13 denkt man viel weniger darüber nach, wer etwas später noch sehen könnte.“

Saferinternet.at empfiehlt Jugendlichen deshalb unter anderem, regelmäßig die eigenen Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen und sich vor einer Veröffentlichung zu überlegen, welchen Eindruck ein Inhalt später hinterlassen könnte. Einmal verbreitete Inhalte können sich nur schwer vollständig aus dem Internet entfernen lassen.

Was sieht ein zukünftiger Arbeitgeber?

Wir finden bei unserer Suche nichts Peinliches. Keine problematischen Posts und nichts, was Elias sofort löschen möchte. Gerade das macht unseren Versuch interessant. Ein digitaler Fußabdruck muss nicht aus einem peinlichen Partyfoto oder einem alten Kommentar bestehen. Bei Elias sind es größtenteils harmlose Informationen. Trotzdem kann ein Fremder nach wenigen Minuten einiges über einen 17-Jährigen erfahren, den er noch nie getroffen hat.

Ich frage Elias, was er davon halten würde, wenn ein zukünftiger Arbeitgeber dieselbe Suche durchführt. „Bei den Sachen, die wir gefunden haben, wäre es mir nicht unangenehm. Die Artikel wären wahrscheinlich sogar positiv“, sagt er. „Aber es ist schon komisch, dass ich nicht weiß, was bis dahin noch alles dazukommt.“

Von unseren Suchergebnissen möchte er nichts löschen. Trotzdem würde er gerne selbst darüber bestimmen können: „Ich würde schon gerne selbst entscheiden können, was über mich auffindbar bleibt.“

Vor allem bei Informationen aus der Kindheit findet er das wichtig. Auf die Frage, ob das Internet irgendwann vergessen sollte, antwortet er: „Bei manchen Sachen schon. Vor allem bei Dingen, die man als Kind gemacht hat.“

Fünf Minuten reichen für ein erstes Bild

Am Ende frage ich Elias, was jemand nach unserer Suche wohl über ihn denkt. „Wahrscheinlich ein Schüler aus Wien, der Fußball spielt und Artikel schreibt. Das stimmt ja sogar. Aber natürlich kennt die Person mich deshalb trotzdem überhaupt nicht.“

Vor wenigen Minuten hat Elias noch über sein altes Fußballfoto gelacht. Inzwischen haben wir verschiedene Abschnitte seines bisherigen Lebens auf einem Bildschirm nebeneinander gesehen. Einige dieser Spuren hat er bewusst veröffentlicht. Andere entstanden, während er einfach Fußball spielte.

Zum Schluss frage ich ihn: Wem gehört eigentlich dein digitaler Fußabdruck? „Eigentlich mir. Aber nach der Suche fühlt es sich nicht so an, als hätte ich komplett die Kontrolle darüber.“

Manche der alten Spiele hat Elias längst vergessen. Das Internet nicht.

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