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"Ich glaube nicht an Horoskope. Trotzdem lese ich sie"

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
28.08.2026
4 Min.

Sternzeichen sind aus unseren Gesprächen kaum noch wegzudenken. Apps schicken jeden Morgen das Tageshoroskop, auf TikTok erklären Astro-Influencer die nächste Sonnenfinsternis. Laut einer Umfrage glauben 61 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an einen Zusammenhang zwischen Sternzeichen und Persönlichkeit, bei den über 55-Jährigen nur halb so viele. Ein alter Aberglaube, der bei jungen Leuten so lebendig ist wie lange nicht.

„Typisch Waage": Für viele junge Leute gehören Sternzeichen und Tageshoroskop längst zum Alltag. Fachleute sehen den Grund dafür weniger in den Sternen als in unserer unsicheren Zeit. (Foto: shutterstock)

Laura ist 17 und geht in Wien zur Schule. An Astrologie glaubt sie nicht wirklich. Ihr Horoskop liest sie trotzdem regelmäßig. Und manchmal, sagt sie, passe es verblüffend gut.

Ein Abend bei ihr daheim zeigte, wie das läuft. Zwei Freundinnen waren zu Besuch, eine von ihnen hatte am nächsten Tag ein Date und war nervös. „Irgendwann hat sie ihr Handy genommen und ihr Horoskop aufgerufen, weil sie wissen wollte, ob der Tag irgendwie gut ausschaut“, erzählt Laura.

Die drei lasen gemeinsam. An einer Stelle stutzte die Freundin: Der Text traf ihre Lage vor dem Date. „Okay, das passt schon verdächtig gut“, sagte sie. Gleich darauf checkten die drei, welches Sternzeichen der Bursche hat.

Laura selbst blieb skeptisch. „Ich find's eigentlich lustig, weil ich schon weiß, dass das jetzt nicht wissenschaftlich beweist, wie mein Tag wird. Trotzdem schau ich nach. Wenn da irgendwas steht, das gerade zu meiner Situation passt, denk ich mir schon kurz: Vielleicht stimmt's ja doch“, sagt sie. So geht es vielen jungen Menschen.

So verbreitet wie lange nicht

Die Zahlen geben ihr recht. Laut einer YouGov-Umfrage glauben 61 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an einen Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Sternzeichen. Bei den über 55-Jährigen sind es 30 Prozent.

In Österreich glaubt laut der ORF-Sendung Dok 1 rund ein Drittel der Menschen an den Einfluss des eigenen Geburtshoroskops auf das Leben.

Sogar beim Dating sind die Sterne angekommen. Schon 2022 fügten laut der Dating-App Tinder mehr Nutzer ihr Sternzeichen zum Profil hinzu als Angaben zu Rauchen, Haustieren oder Ernährung.

Eine wichtige Rolle spielt dabei TikTok. Dort sammeln Astro-Influencer mit dramatischen Vorhersagen Millionen Klicks.

Warum ausgerechnet jetzt

Warum ausgerechnet jetzt, wo unsere Generation mehr über Wissenschaft weiß als jede vor ihr? Fachleute suchen die Antwort in unserer Zeit.

Die Welt wirkt unsicher: Klimakrise, Kriege, Zukunftsängste. Da sehnen sich viele nach Halt.

Gerade in unsicheren Zeiten „haben wir einen starken Anstieg an Bedarf nach spiritueller Unterstützung“, sagt die Wirtschaftspsychologin Lisa Schleker gegenüber Radio Bremen.

Ein Horoskop gibt ein gutes Gefühl. Es verspricht einen Sinn hinter allem und ein baldiges Ende der schwierigen Phase.

Das kennt auch Laura. „Es tut einfach gut, wenn da steht, dass bald irgendwas Gutes passiert. Gerade wenn man einen schlechten Tag hat, liest man sowas und fühlt sich kurz besser“, sagt sie.

Ein Kompass in unsicheren Zeiten

Auch wer beruflich mit Astrologie zu tun hat, merkt den Zulauf. „Astrologie kann dabei wie ein persönlicher Kompass wirken“, sagt die österreichische Astrologin Daniela Hruschka gegenüber dem Magazin profil.

Die Themen, mit denen junge Leute zu ihr kommen, klingen bodenständig: Welchen Beruf soll ich wählen? Passt diese Beziehung? Wo ist mein Platz im Leben?

Das sind Fragen, die viele in diesem Alter beschäftigen. Echte Antworten liefern die Sterne darauf nicht. Sie schaffen einen Rahmen, in dem junge Leute über sich selbst nachdenken.

Was die Wissenschaft sagt

So schön das klingt, so klar ist die Faktenlage. Ein wissenschaftlich belegter Zusammenhang zwischen Sternzeichen und Charakter oder Zukunft existiert nicht.

Trotzdem fühlt sich ein Horoskop oft erstaunlich passend an. Der Grund dafür ist einfach. Fachleute nennen ihn den Barnum-Effekt: Aussagen sind so allgemein gehalten, dass sich fast jeder darin wiedererkennt.

„Du wirkst nach außen stark, brauchst manchmal aber Bestätigung“ passt eben auf fast alle Menschen. Der Trick: Das Horoskop fühlt sich wie eine persönliche Botschaft an, obwohl es für Millionen gleichzeitig geschrieben wurde.

Wer das weiß, liest sein Tageshoroskop mit einem anderen Blick.

Ernst gemeint oder einfach nur Spaß?

Das Interessante: Die meisten von uns wissen das längst. Für viele ist Astrologie vor allem ein Spiel.

Ein „typisch Zwilling“, wenn ein Freund mal wieder zu spät kommt. Ein gemeinsames Thema, über das wir lachen und uns austauschen. Für manche ist es eine moderne Alternative zur Religion, etwas Spirituelles zum Selbstaussuchen.

Manchmal reicht das Spiel aber in echte Urteile hinein. „Bei Leuten achte ich schon manchmal auf das Sternzeichen. Wenn mir jemand sagt, er ist zum Beispiel Skorpion, hab ich schon irgendeine Vorstellung davon, wie die Person sein könnte“, sagt Laura.

Problematisch wird es, wenn wichtige Entscheidungen an den Sternen hängen: wenn jemand einen Menschen wegen seines Sternzeichens abschreibt oder einen Beruf danach wählt.

An dem Abend bei Laura beweist keiner der Sprüche irgendwas. Am nächsten Tag schaut sie trotzdem wieder nach. „Ich glaub, genau das ist irgendwie der Reiz. Man weiß, dass es wahrscheinlich Zufall ist, aber wenn man gerade einen schlechten Tag hat oder wegen irgendwas unsicher ist, liest man es trotzdem gern. Es gibt einem zumindest kurz das Gefühl, dass vielleicht alles gut wird“, sagt sie.

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