Ich glaube, ein Mülleimer hat mit mir gesprochen

Nach unserer Unterhaltung war er wieder stumm wie alle Mülleimer, egal, was ich versuchte. Doch meine Mathe-Arbeit wurde eine Zwei. (Foto: Shutterstock)

Manchmal passieren Dinge, die eigentlich unmöglich sind. Dinge, die einem niemand glauben würde. So etwas ist mir an einem Abend passiert, als ich auf meinen Bus gewartet habe.


Ich saß allein an der Haltestelle und scrollte auf meinem Handy rum. Es war schon dunkel und der Bus hatte mal wieder Verspätung.

Neben der Haltestelle stand ein alter, verrosteter Mülleimer. Irgendwann hörte ich plötzlich eine Stimme.

„Ganz schön langweilig hier, oder?“

Ich schaute mich um. Niemand da.

„Hier unten.“

Ich blickte zum Mülleimer.

„Nein“, sagte ich.

„Doch.“

„Mülleimer können nicht reden.“

„Und trotzdem rede ich gerade mit dir.“

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder wegrennen sollte.

„Warum redest du überhaupt mit mir?“

„Weil du aussiehst, als hättest du einen miesen Tag.“

Leider hatte er recht. Ich hatte eine Mathearbeit zurückbekommen. Eine Fünf. Zuhause würde das richtig Stress geben.

„Ach, wird schon“, sagte der Mülleimer.

„Leicht gesagt.“

„Nicht wirklich. Ich bin ein Mülleimer. Mein ganzes Leben besteht aus altem Kaugummi und leeren Dosen.“

Da musste ich lachen.

Wir redeten noch ein bisschen. Eigentlich redete hauptsächlich der Mülleimer. Er hatte überraschend gute Witze.

Dann kam endlich mein Bus.

„Mach's gut“, sagte ich.

„Du auch. Und lern für Mathe.“

Ich stieg ein und fuhr nach Hause.

Am nächsten Tag ging ich extra nochmal an der Haltestelle vorbei.

Der Mülleimer stand noch da.

Aber egal, was ich sagte – er antwortete nicht.

Bis heute weiß ich nicht, ob ich mir das alles nur eingebildet habe. Aber die Mathearbeit danach war eine Zwei.




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