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Wenn die Schule endet, bleiben die Freunde? Leicht wird's für mich nicht

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
2 Kommentare
10.09.2026
4 Min.

Mit der Matura endet nicht nur ein gemeinsamer Schulalltag. Studium, Zivildienst und Arbeit werden unsere Freundschaften verändern. Manche Treffen werden schwieriger, neue Menschen kommen dazu. Ich frage mich, wie wir es schaffen können, Menschen, die uns wichtig sind, trotzdem nicht aus den Augen zu verlieren.

Gemeinsame Zeit kann auch ein Spaziergang sein. Nach der Schule müssen Treffen zwischen unterschiedlichen Tagesabläufen Platz finden. Symbolbild. (Foto: Altitonantis / Wikimedia Commons)

Auf dem Heimweg spreche ich mit meiner Freundin Nicole über unsere Wochenendpläne. Solche Absprachen gehören für mich zum Schulalltag, auch in den Pausen mit meinen anderen Freunden. Im Mai steht meine Matura an. Danach freue ich mich erst einmal auf die Maturareise.

Der Gedanke an das Schulende macht mir Freude. Gleichzeitig bedeutet es, dass sich etwas verändern wird. Viele meiner engsten Freundschaften sind in der Schule entstanden, manche reichen sogar bis in die Volksschule oder den Kindergarten zurück. Wir sehen uns regelmäßig auch außerhalb des Unterrichts. Bei Studium und Zivildienst haben einige von uns ähnliche Pläne. Für mich spricht deshalb vieles dafür, dass wir auch später noch gemeinsam unterwegs sein werden.

Aber was passiert mit Freundschaften, wenn unser gemeinsamer Schulalltag plötzlich wegfällt? Genau darüber habe ich in den vergangenen Wochen nachgedacht. Denn vom 10. September bis zum 10. Oktober läuft in Österreich der Aktionsmonat „Yellow September“. Die Gesundheit Österreich stellt heuer das Thema Einsamkeit in den Mittelpunkt. Für mich ist das ein Anlass, genauer auf die Freundschaften zu schauen, die uns durch Veränderungen wie Matura, Studium, Zivildienst oder den Beruf begleiten.

Unser Sommer hat schon funktioniert

Die Ferien haben mir dafür ein gutes Beispiel geliefert. Obwohl ich einen Sommerjob hatte, sahen meine Freunde und ich uns genauso oft wie während der Schulzeit. Wir schrieben einander und verabredeten uns. Häufig treffen wir uns bei Alex zu Hause, manchmal gehen wir gemeinsam aus. Auch für einen Abend in einer Bar fanden wir zuletzt problemlos einen Termin.

Trotzdem kenne ich Freunde, mit denen solche Treffen schwieriger geworden sind. Einige haben die Matura bereits hinter sich. Wir schreiben regelmäßig, doch beim Verabreden passt einmal der eine Tag für jemanden, dann der andere. Nach früheren Schulwechseln habe ich außerdem zu mehreren Menschen den Kontakt verloren.

Wie sich unser Umfeld beim Übergang in Studium oder Arbeit verändert, untersuchte ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Oxford. Für eine 2014 veröffentlichte Studie begleiteten die Forschenden 24 junge Menschen in Großbritannien über 18 Monate und werteten Befragungen sowie Telefonverbindungsdaten aus. Ein großer Teil der Anrufe konzentrierte sich auf wenige enge Kontakte. Wer zu diesem Kreis gehörte, konnte sich verändern.

„Unsere Fähigkeit, emotional enge Beziehungen aufrechtzuerhalten, scheint begrenzt zu sein“, erklärte Mitautor Felix Reed-Tsochas damals, aus dem Englischen übersetzt. Die kleine Studie erlaubt keine Vorhersage über unsere einzelnen Freundschaften. Sie wirft aber eine interessante Frage auf: Wem schenken wir Aufmerksamkeit, wenn neue Menschen in unser Leben kommen?

Leo hat nur das Wochenende

Mein guter Freund Leo ist 19 und macht seine Grundausbildung beim Bundesheer in Horn. Während der Woche ist er dort, zu Hause ist er nur am Wochenende. Nach meinem Eindruck belastet dieser Rhythmus den Kontakt zu seinen Freunden. Er ist müde und möchte sich vor der nächsten Woche erholen.

Ich kann gut verstehen, wenn ihm ein entspannter Tag wichtiger ist als ein langer Abend unterwegs. Während ich Nicole nach der Schule treffe, muss Leo seine freie Zeit auf wenige Tage verteilen. Ein gemeinsames Wochenende bedeutet für uns also Unterschiedliches: Ich habe Lust auf Unternehmungen, er braucht womöglich erst einmal Ruhe.

Bei Freunden mit einem anderen Alltag möchte ich deshalb besser unterscheiden: Hat jemand wenig Interesse an einem Treffen oder einfach wenig Zeit und Energie dafür? Eine Absage allein beantwortet diese Frage kaum. Zwischen Studium, Zivildienst und Arbeit müssen wir künftig womöglich auch Schicht- und Nachtdienste berücksichtigen.

Weniger Treffen sind noch keine Einsamkeit

In der Erhebung „So geht’s uns heute“ von Statistik Austria gaben im zweiten Quartal 2025 rund zwölf Prozent der 18- bis 34-Jährigen an, während der vorherigen vier Wochen meistens oder immer einsam gewesen zu sein. Die gesamte Befragung umfasste 3.847 Personen zwischen 18 und 74 Jahren.

Die zwölf Prozent beziehen sich auf die jüngere Altersgruppe, keineswegs speziell auf Menschen nach der Matura. Die Zahl beschreibt, wie verbreitet häufige Einsamkeit unter jungen Erwachsenen ist. Sie erklärt weder meine Freundschaften noch Leos Befinden.

Das österreichische Gesundheitsportal unterscheidet zwischen freiwilligem Alleinsein und belastender Einsamkeit. Wer sich zurückzieht, um zu entspannen, kann diese Zeit genießen. Einsamkeit beschreibt dagegen eine schmerzhafte Lücke zwischen den gewünschten und den vorhandenen Beziehungen. Das Portal nennt auch Schulwechsel und den Abschluss einer Ausbildung als mögliche Risikosituationen.

Freunde bleiben mit anderen Plänen

Neue Menschen kennenzulernen fällt mir leicht. Umso wichtiger finde ich es, auch für bestehende Freundschaften Platz zu lassen. Bei Leo könnte das bedeuten, gemeinsam etwas Ruhiges zu unternehmen. Ein Treffen muss für mich künftig auch einmal kürzer ausfallen dürfen, statt auf den Abend zu warten, an dem alle stundenlang Zeit haben.

Auf den Heimwegen mit Nicole reichen unsere Pläne oft bis zum nächsten Wochenende. Nach der Matura werden wir auch für unseren gemeinsamen Weg eine Verabredung brauchen. Ich würde ihn dann gern weitergehen, selbst wenn niemand von uns mehr aus der Schule kommt.


Kommentare

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    am 12.09.2026 Johanna Wagmeier
    Du wirst feststellen, dass sich Freundschaften verändern, manche werden loser, andere kommen dazu und im Endeffekt passt aber für dich. Ein richtiger Einschnitt wird es, falls du Kinder bekommst. Da ist dann die Zeit plötzlich richtig knapp. Aber auch das geht.
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    am 15.09.2026 Tobias Urban
    Gut gemacht, bitte mehr davon