Ich stehe auf einer Straußenfarm und halte ein Ei in der Hand, das sich eher wie ein kleiner Stein anfühlt. „Das soll wirklich ein Ei sein?“, denke ich. Bevor wir ins Burgenland gefahren sind, hatte ich ehrlich gesagt eine ziemlich klare Vorstellung: flach, ein bisschen Wein, fertig. Ich lag falsch.
Direkt am ersten Tag unserer Reise sind wir auf die Straußenfarm Wimmer gefahren. Ja, Strauße, mitten im Burgenland. Das hat mich schon bei der Ankunft komplett verwirrt. Der Bauer drückte uns ein Straußenei in die Hand. Und ehrlich: Das Ding ist schwerer, als man denkt. Ich habe es fast fallen lassen. Auch das Aufschlagen war eine Challenge für sich. Als wir dann das daraus gewonnene Rührei probierten, war ich überrascht, wie cremig es schmeckt – fast schon zu viel für ein Frühstücksei. Ein einziges Ei reicht angeblich für eine ganze Familie.
Aber der eigentliche Moment kam abends. Wir sind am Ufer entlang zu einem Steg neben einem Leuchtturm spaziert und haben zugeschaut, wie die Sonne über dem See untergegangen ist. Ich habe ewig kein Foto gemacht, sondern einfach nur geschaut, weil es so kitschig-schön war, dass ich Angst hatte, das Handy würde den Moment kaputtmachen. Der Neusiedler See ist ja eigentlich gar kein „richtiger“ See. Er ist kaum tiefer als zwei Meter, dafür wahnsinnig weitläufig, mit diesem endlosen Schilfgürtel rundherum. Vielleicht klingt das jetzt too much, aber in diesem Moment hatte ich wirklich das Gefühl, dass gerade nichts anderes zählt als dieser Himmel und das Wasser.
Warum das Burgenland kulinarisch unterschätzt wird
Was viele nicht wissen: Das Burgenland ist eines der wichtigsten Weinbaugebiete Österreichs. Rund um den Neusiedler See sorgt das besondere Mikroklima für warme, trockene Sommer, gleichzeitig gibt es durch den See genug Feuchtigkeit für die berühmten edelsüßen Prädikatsweine. Wer den Namen Uhudler noch nie gehört hat: Das ist eine burgenländische Rebsorten-Spezialität mit einem Geschmack, der zwischen Traube und Walderdbeere liegt. Schmeckt ungewöhnlich, klingt ungewöhnlich, ist aber einen Versuch wert.
Und dann ist da noch das Essen abseits vom Wein. Kürbiskernöl, das hier praktisch überall dazugehört, geräucherter Fisch aus dem See und deftige Gerichte mit pannonischem Einschlag. Dazu kommt eine Mischung aus österreichischer, ungarischer und kroatischer Küche, die man so in Österreich nicht oft findet.
Warum es mehr Leute wissen sollten
Das Burgenland wird oft übersehen. Zu unspektakulär, zu flach, kein Gebirge, kein Gletscher, nichts, worüber man auf Insta groß posten könnte. Aber genau da liegt der Fehler. Es muss nicht immer spektakulär sein. Manchmal reicht ein Straußenei, das man nie erwartet hätte zu probieren, und ein Himmel, der einen für zehn Minuten komplett ruhig werden lässt.
Ich will jedenfalls wieder hin. Und falls ihr das Burgenland bisher für ein Bundesland gehalten habt, das man eher nicht besucht, fahrt einfach mal hin und lasst euch überraschen.
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