Es ist später Vormittag, irgendwo zwischen Frühstück und Nichtstun in den Ferien. Ich sitze am Tisch, mein Handy liegt neben mir. Ohne nachzudenken greife ich danach, entsperre den Bildschirm – und bleibe kurz hängen.
Was wollte ich eigentlich machen? Mein Daumen schwebt über dem Display, aber da ist nichts. Kein Ziel, kein Gedanke. Nur diese Gewohnheit. Für einen Moment starre ich drauf und merke, wie leer sich das anfühlt. Dann lege ich es wieder weg. Keine zwei Minuten später mache ich genau das Gleiche nochmal.
Ich entsperre mein Handy – und weiß nicht warum
In den letzten drei Wochen haben wir in der Schule bei einem Handy-Projekt mitgemacht, das mit dem ORF zusammenhing. Da sollten wir genau solche Momente beobachten. Und jetzt, wo ich hier sitze, fällt es mir plötzlich dauernd auf. Wie automatisch das passiert. Als würde mein Kopf jede kleine Pause sofort füllen wollen. Ich denke mir kurz: „Das bringt mir grad gar nichts.“ Aber ich mache es trotzdem wieder.
Ein paar Tage davor, noch vor den Ferien, sitze ich im Klassenzimmer. Es ist laut, alle reden durcheinander, irgendwer fragt mich etwas von der Seite. Ich habe wenig geschlafen, meine Augen sind schwer, und ich merke schon, dass ich gereizt bin. „Nicht jetzt“, denke ich mir sofort. Jemand sagt noch etwas, eigentlich nichts Schlimmes, aber in mir zieht sich alles zusammen. Ich antworte knapper, als ich wollte. Fast genervt. Während ich spreche, merke ich schon, dass es zu viel ist. Dass ich gerade überreagiere. Aber ich kann es in dem Moment nicht stoppen.
Jetzt, in den Ferien, ist das anders. Ich merke, wie ruhig alles ist. Kein Stress, kein Druck. Und genau deshalb fällt mir erst auf, wie sehr mich die Schule manchmal beeinflusst. Wie schnell sich meine Stimmung verändert, wenn ich müde bin und alles gleichzeitig passiert.
Ich verlerne zuzuhören
Am Nachmittag treffe ich mich mit jemandem. Wir reden, eigentlich ein ganz normales Gespräch. Ich nicke, schaue die Person an, höre zu – zumindest glaube ich das. Aber während sie noch spricht, bin ich in meinem Kopf schon woanders. „Was sage ich jetzt?“, denke ich. „Ich könnte das erzählen… oder das…“ Ich baue meine Antwort schon zusammen, bevor die andere Person fertig ist.
Und dann ist kurz Stille. Ich merke, dass ich nicht alles mitbekommen habe. Ein kleiner Moment, in dem ich unsicher bin. Habe ich etwas Wichtiges verpasst? Ich lächle kurz, sage trotzdem etwas – aber es fühlt sich nicht ganz richtig an. Nicht ganz ehrlich, weil ich nicht wirklich da war.
Diese Momente sind klein. Fast unsichtbar. Aber sie passieren jeden Tag. Und je genauer ich hinschaue, desto mehr merke ich, wie viel sie eigentlich über mich erzählen.
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