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Ich bin ein Spotify-Fan. Würde ich aber auch Spotify-Aktien kaufen?

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
10.08.2026
4 Min.

Fast jeder von uns hat Spotify auf dem Handy. 777 Millionen Menschen nutzen den Dienst jeden Monat. Trotzdem hat die Firma jahrelang nur Verluste gemacht. Erst seit Kurzem verdient sie richtig Geld: aus einem Minus von 86 Millionen Euro wurde zuletzt ein Plus von rund einer halben Milliarde. An der Börse schwankt die Aktie aber weiter stark. Warum ein beliebtes Produkt nicht automatisch eine gute Aktie ist.

777 Millionen Menschen hören jeden Monat Spotify, trotzdem schrieb die Firma lange Verluste. (Foto: shutterstock)

Im Bus auf dem Weg nach Hause öffne ich mein Spotify-Wrapped. Meistgehörter Song, meistgehörter Künstler, die Gesamtzahl der Stunden, alles fein säuberlich aufbereitet, in bunten Grafiken. Genau in diesem Moment dachte ich mir zum ersten Mal: Bei so vielen Nutzern wie mir muss die Aktie doch super laufen. Ein Blick auf den Kurs zeigt aber: Ganz so einfach ist das nicht.

Was Spotify ist

Spotify ist der größte Musik-Streaming-Dienst der Welt. Die Firma kommt aus Schweden und bietet Musik, Podcasts und seit einiger Zeit auch Hörbücher an. Es gibt eine Gratis-Version mit Werbung und ein Abo, das etwas kostet, dafür aber keine Werbung hat. Sein Geld verdient Spotify vor allem mit diesen Abos. Gehandelt wird die Aktie in New York, angegeben in US-Dollar, während die Firma ihre Zahlen in Euro meldet. Das Kürzel an der Börse lautet SPOT.

Riesig, aber lange ohne Gewinn

Über viele Jahre wuchs Spotify enorm, hatte immer mehr Nutzer, immer mehr Umsatz. Umsatz ist das ganze Geld, das eine Firma einnimmt. Trotzdem blieb am Ende fast nichts übrig, oft sogar ein Minus. Der Grund: Spotify muss einen großen Teil seiner Einnahmen an die Musikfirmen und Künstler weitergeben. So etwas nennt man an der Börse einen Wachstumswert. Eine Firma, die schnell größer wird, aber noch keinen echten Gewinn macht. Anlegerinnen und Anleger kauften die Aktie trotzdem, weil sie auf die Zukunft hofften.

Die Wende zum Gewinn

Seit Kurzem hat sich das Bild gedreht. Spotify verdient endlich richtig Geld. Im letzten Quartal, also in den drei Monaten bis Ende Juni 2026, machte die Firma rund eine halbe Milliarde Euro Gewinn. Ein Jahr davor stand an derselben Stelle noch ein Verlust von 86 Millionen Euro. Der operative Gewinn, das ist der Gewinn aus dem normalen Geschäft, stieg um fast zwei Drittel auf 655 Millionen Euro. Möglich wurde das durch mehrere Schritte: Spotify hat die Abo-Preise erhöht, spart bei den eigenen Kosten und baut neue Bereiche wie Hörbücher aus. Auch schlaue Technik hilft, zum Beispiel ein KI-DJ, der Musik passend zusammenstellt und die Leute länger bei der Stange hält.

Warum die Aktie trotzdem schwankt

Man könnte meinen, mit so guten Zahlen kennt die Aktie nur einen Weg: nach oben. Doch das stimmt nicht. Vor rund einem Jahr kostete die Aktie in der Spitze 785 US-Dollar. Im April 2026 fiel sie zeitweise auf etwa 437 Dollar. Und selbst nach den starken Zahlen Anfang August ging der Kurs nach unten, auf rund 474 Dollar. Der Grund ist immer derselbe: An der Börse zählt nicht, wie gut es einer Firma heute geht, sondern ob sie die hohen Erwartungen erfüllt. Weil die Nutzerzahlen zuletzt ein kleines bisschen unter den Erwartungen lagen, reagierten die Anleger enttäuscht, obwohl der Gewinn kräftig gestiegen war.

Was die Fachleute sagen

Trotz der Schwankungen sind die meisten Experten optimistisch. Laut dem Magazin Focus Money raten 34 von 43 Analysten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 548 Euro. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hob ihr Kursziel laut Investing.com sogar auf 640 Dollar an und rät weiter zum Kauf. Gleichzeitig gehen die Meinungen weit auseinander: Die Kursziele reichen von 414 bis 800 Dollar. Diese große Spanne zeigt, dass sich selbst Profis nicht einig sind, wie viel die Aktie wirklich wert ist. Kursziele sind eben keine Garantie, sondern nur Vermutungen, die auch falsch sein können.

Was ich daraus mitnehme

Erst beim Recherchieren für diesen Artikel wurde mir klar, warum ich nie wirklich überzeugt war: Mir fehlte einfach das Wachstumspotential. Die Firma war doch schon riesig, dachte ich, viel mehr Nutzer kann sie kaum noch dazugewinnen. Dass Spotify zu diesem Zeitpunkt aber noch gar keinen echten Gewinn machte, wusste ich davor gar nicht. Genau das war für mich die eigentliche Überraschung - ich hatte die ganze Zeit auf die falsche Zahl geschaut. Für mich war lange klar: viele Nutzer heißt gute Aktie. Genau dieser Denkfehler zeigt, warum es sich lohnt, hinter die Apps zu schauen, die wir jeden Tag öffnen.

Zurück zum Bus

Und so öffne ich auch nächstes Jahr wieder mein Wrapped, für 777 Millionen Menschen weltweit machen das ähnlich viele. Ob die Aktie von hier aus weiter steigt oder wieder fällt, weiß niemand mit Sicherheit. Sicher ist nur, dass die Zahl der Hörer allein nichts über den Kurs verrät.

Vielleicht schaue ich mir mein nächstes Wrapped wieder im Bus an. Nur werde ich diesmal nicht nur auf den meistgehörten Song schauen, sondern auch kurz daran denken, was hinter der App eigentlich steckt.



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