Der US-Amerikaner Ian Macomber sorgt für Wirbel. Dem früheren Skilehrer gehört die Social-Media-Seite „Slalom Tokyo Drift“, die tagtäglich Videos und Clips zu den tragischsten und gleichzeitig verrücktesten Skiunfällen hochlädt und in den Captions eine Verbindung zum Alltag vieler Menschen herstellt.
Seine Seite ist mittlerweile so bekannt, dass laut seinen eigenen Angaben jeder mit FIS-Rennlizenz seinen Content kennt. Fast schon eine Gesamtweltcupkugel, oder doch eher ein Armutszeugnis?
Drama bringt hohe Quoten
Das Konzept der Seite „Slalom Tokyo Drift“ besteht darin, dass Macomber Videos und Clips von dramatischen oder lustigen Skiunfällen zugeschickt bekommt und diese anschließend auf seinem Account veröffentlicht. Natürlich nur solche, die ihn selbst zum Schmunzeln bringen, denn sein Feed soll nicht zu „morbid“ sein.
Doch das war nicht immer so: Sein Hype auf Instagram begann erst mit seinem Facebook-Account, den er fünf Jahre lang täglich mit Blogs füllte und sich dadurch bereits eine große Community aufbaute.
Er selbst bestätigt in seinem Interview, dass er durch seine Videos unter anderem auf das immense Verletzungsrisiko im Skisport aufmerksam macht. Neuerdings vertreibt er sogar Merchandise-Artikel, die US-Athleten sowie Reha-Patienten zugutekommen sollen. Geld sei ihm völlig egal, er wolle lediglich etwas Gutes tun, sagt Macomber.
Einerseits wird sich also über Videos und Clips lustig gemacht, andererseits soll das Ganze laut Macomber auch der Traumabewältigung dienen, wie er aus eigenen Erfahrungen berichtet.
Damit sind wir bereits bei der ersten Debatte, die mit einem solchen Meme-Account einhergeht: Viele Menschen senden ein Video ein, das sie im ersten Moment als lustig oder sogar einzigartig empfinden. Wenig später sehen sie aber erst, welche Folgen das haben kann. Mobbing und Ausgrenzung sind hier vorprogrammiert. Daher stellt sich die Frage, ob es durch seine Merchandise-Artikel und die Unterstützung von Skisportlern gerechtfertigt ist, sich gezielt über Unfälle und tragische Verletzungen lustig zu machen.
Bewirkt dies nicht genau das Gegenteil und belächelt dramatische Stürze, anstatt auf das Verletzungsrisiko aufmerksam zu machen? Eine vernünftige Idee wäre, gezielt durch passende Bildunterschriften und respektvolle Analysen auf das Thema Verletzungen im Sport aufmerksam zu machen, wie es beispielsweise der offizielle Weltcup-Account von FIS Alpine umsetzt.
Die hohe Followerzahl spricht allerdings für den Account: Über 175.000 Menschen verfolgen tagtäglich Macombers Content und sind offenbar überzeugt davon, dass dahinter eine gute Sache steckt.
Doch genau das sollte ein Indiz dafür sein, dass sich unsere Gesellschaft zunehmend am Leid anderer erfreut. Sind wir uns nicht alle einig, dass Spaß nicht über Vernunft und Ernsthaftigkeit gestellt werden sollte? Einfacher ist es sicher, die Augen vor der Realität zu verschließen. Dennoch sollte man dieses Problem nicht einfach in den Wind schlagen, sondern ernsthaft darüber nachdenken, ob das Leid anderer tatsächlich als Unterhaltung durchgeht.
Sein Account öffnet nicht nur einen schmalen Grat zwischen Humor und Geschmacklosigkeit, sondern motiviert auch immer mehr Accounts zu ähnlichen Taktiken, denn diese bringen garantiert viele Klicks.
Kommentare