An einem warmen Junitag bemerkte ich, dass Alba, eine meiner Seidenhennen, gluckig wurde. Das heißt, sie saß auf ein paar ihrer Eier, um sie auszubrüten. Würden bald kleine Seidenhühnerküken schlüpfen?
Unsere Hoffnung wurde enttäuscht, denn die Eier schienen unbefruchtet zu sein. Alba saß in ihrem Nest trotzdem geduldig weiter auf ihnen. Meine Eltern, ihr Freund Ferry, ein Hühnerexperte, und ich überlegten gemeinsam, was wir tun konnten.
Schließlich baten wir unsere Nachbarin Resi, die ebenfalls Hühner hatte, um sechs frisch gelegte befruchtete ganz normale Eier. In einer isolierten Tasche und eingewickelt in wärmende Tücher holten wir sie ab. Alba akzeptierte die sechs warmen Eier und brütete prompt weiter.
Ein Zeichen für Leben
Nach etwa zehn Tagen durchleuchteten wir die Eier, um zu sehen was los war. Ferry hatte mir erklärt, wie das geht: Mit einer starken Taschenlampe bei Finsternis das Ei anstrahlen. Eine größere dunkle Stelle wäre dann ein Zeichen für Leben, hatte er gesagt, und tatsächlich entdeckten wir bei einem der Eier so eine Stelle.
Das Küken ließ sich allerdings Zeit. Nach 21 Tagen sollte es eigentlich die Eierschale von innen durchbrechen, doch es verspätete sich um drei Tage. Am dritten Juli schließlich kam ein Piepsen aus dem Nest. Als ich genauer hinsah, bemerkte ich ein Loch in dem befruchteten Ei, aus dem es deutlich vernehmbar herauspiepste.
Rasch holte ich meine Mutter. Ich wollte dem Küken auf seinem Weg in die Welt helfen, doch sie hielt mich davon ab. Das Küken hätte an seinem Schnäbelchen einen Eizahn, mit dem es die Eischale selbst öffnen könne, erklärte sie mir. Nach dem Schlüpfen würde sich dieser Zahn wieder zurückbilden.
Entzückendes Flaum-Knäuel
Am frühen nächsten Morgen lief ich eilig zum Stall und da war es: Unser Küken, am 4. Juli, geschlüpft, mit supergroßen Füßchen und graugelblich geschecktem Flaum. Ein entzückendes Knäuel, das ich behutsam in Händen hielt.
Alba akzeptierte es: Fortan kümmerten sich zwei weiße Seidenhühner, Alba und Franziska, um das Küken, das sich als immer hungrig und äußerst mobil erwies.
Alba war eine besonders fürsorgliche Mutter und Franziska eine geduldige, aufmerksame Tante. Beide wärmten das Küken liebevoll und folgten ihm überall hin. Davon erzähle ich euch beim nächsten Mal gerne mehr.
Hier einige Tipps, wie ihr Seidenhennen beim Brüten unterstützen könnt:
- Seidenhühner wollen meist einmal jährlich ihrem ausgeprägten Bruttrieb folgen. Sie sind zuverlässige Glucken, sodass eine Naturbrut unkompliziert mit ihnen gelingen kann. Doch um zu testen, ob es funktionieren wird, empfiehlt es sich, den Hennen einige Eier aus Gips ins Nest zu legen. Wenn sie daraufhin zwei bis drei Tage im Nest bleiben, passt alles.
- Das Nest regelmäßig kontrollieren, da Seidenhühner gerne in Gruppen brüten. Dafür sorgen, dass sich eine Henne um das Gelege kümmert, um Streit zu vermeiden.
- Für ausreichend Ruhe und Beschattung sorgen, damit die Glucke nicht gestört wird.
- Während der mindestens 21 Tage Brutzeit für ausreichend Wasser und Futter sorgen. Es soll in der Nähe stehen, aber nicht direkt im oder am Nest. Die Glucke steht ein Mal am Tag auf, um zu Fressen und ihren Kot zu entleeren. Dies ist sogar recht viel, da sie nur einmal am Tag ihre Ausscheidung absetzen und zur Gefiederpflege ins Sandbad anschließend gehen.
- Ein gutes Klima im Nest herstellen. Seidenhühner bevorzugen einen trockenen Stall. Ab dem 18. Tag macht es Sinn, die Eier mit ein wenig Wasser zu besprühen, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Ab dieser Zeit ist es ratsam, dass Futter auf Kükenstarter oder Legekorn (beides im Handel erhältlich) umzustellen, um die Glucke zu stärken.
- Ab dem 21. Tag kann es zum Schlupf kommen. Dabei gilt es, Ruhe zu bewahren und die Henne weiterhin nicht zu stören. Sobald die Küken geschlüpft sind, sollten Futter und Wasser in flachen Behältern bereitstehen.
- Noch ein kleiner Extratipp: die ersten eingelegten Eier markieren, damit die danach gelegten Eier erkennbar sind und entfernt werden können. Ebenso Parasitenkontrolle im Augen behalten, da Milben die Glucke schwächen können. Das Nest soll gemütlich, dunkel und am Boden sein, oder im Hühnerstall im Nestbereich.
Seidenhühner sind die exzellentesten und liebevollsten Mütter, die es gibt. Ohne Probleme können sie auch Küken anderer Rassen führen.
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