Ein junger Mann steht an der Bushaltestelle. Er trägt einen dunklen Kapuzenpullover, der Rucksack hängt schief über seiner Schulter. Er blickt die Straße entlang und blinzelt leicht, als wolle er sich vergewissern, ob der Bus wirklich kommt.
In der Ferne taucht der Bus auf. Noch klein, noch weit entfernt. Trotzdem macht der Mann sofort zwei schnelle Schritte nach vorne. Er bleibt stehen. Er wartet. Dann macht er wieder einen Schritt.
Ich beobachte ihn und denke: Er weiß, dass es nichts bringt. Und trotzdem tut er es. Sein Körper reagiert schneller als sein Verstand, als könnte er das Warten verkürzen, wenn er sich nur genug bewegt.
Bewegung als Ausdruck der Ungeduld
An der Supermarktkasse:
Vor mir steht eine Frau mit einer einzigen Flasche Wasser. Sie hält sie mit beiden Händen fest und dreht sie immer wieder langsam. Das Etikett kennt sie wahrscheinlich längst auswendig. Es ist ruhig. Nur das Piepen des Scanners ist zu hören.
Sie schaut kurz nach hinten, dann wieder nach vorne. Ihre Schultern wirken angespannt. Ich merke plötzlich, wie ich selbst unruhig werde. Ich verlagere mein Gewicht, schaue auf das Band, dann wieder weg. Es ist nur ein kurzer Moment, und trotzdem fühlt er sich länger an, als er ist.
An der Ampel:
An der Ampel stehen mehrere Menschen nebeneinander. Die Straße ist leer. Ein Mann im Anzug tippt mit dem Fuß auf den Boden, immer schneller. Eine Frau schaut mehrmals nach links und rechts. Ein Jugendlicher wischt über sein Handy, stoppt, wischt wieder.
Niemand steht einfach nur da. Ich stehe mittendrin und merke: Ich bewege mich auch leicht, ohne dass ich es bewusst will.
Warten als Herausforderung für die Geduld
Was das über uns sagt:
Diese Situationen wirken klein, fast belanglos. Aber sie haben etwas gemeinsam. In allen passiert eigentlich nichts, und genau das scheint schwer auszuhalten zu sein.
Studien zeigen, dass Menschen besonders ungeduldig werden, wenn das Ende einer Wartezeit in Sicht ist, zum Beispiel, wenn der Bus gleich kommt oder die Ampel bald umschaltet. Genau dann steigt die innere Unruhe am stärksten.
Gleichzeitig verbringen Menschen mehrere Stunden täglich am Smartphone, bei Jugendlichen im Schnitt mehr als drei Stunden pro Tag. Diese ständige Ablenkung sorgt dafür, dass Menschen kaum noch gewohnt sind, einfach nichts zu tun.
Vielleicht erklären genau diese beiden Dinge die kleinen Bewegungen, die ich beobachte. Menschen warten nicht mehr einfach. Sie überbrücken das Warten. Sie lenken sich ab.
Die Bedeutung von Ablenkung beim Warten
Und vielleicht zeigen diese Momente etwas Grundsätzliches: Menschen haben verlernt, still zu sein, selbst für ein paar Sekunden.
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