Ein Beispiel aus dem Schulalltag: Bei einem Gruppenprojekt arbeiteten mehrere Schüler und Schülerinnen gemeinsam an Ideen, Recherchen und an einer Präsentation. Am Tag der Präsentation stand dann jedoch nur eine Person im Mittelpunkt. Diese Person stellte die Ergebnisse vor, bekam Lob und so auch am Ende die beste Benotung. Die Arbeit der anderen Schülerinnen und Schüler wurde kaum mehr berücksichtigt.
Das war ein sehr enttäuschender Moment für die anderen Beteiligten. Anstatt stolz auf das Erarbeitete zu sein, fühlten sie sich enttäuscht. Viele hatten Angst, etwas zu sagen, da sie keinen Ärger bekommen wollten. Doch genau dieses Schweigen stellt das Problem dar, wenn es um Ungerechtigkeit geht. Die Menschen spüren, dass etwas nicht richtig ist, fühlen sich aber gleichzeitig machtlos, etwas dagegen zu unternehmen.
Wer entscheidet, was fair ist?
Viele junge Menschen fragen sich: Wer entscheidet eigentlich, was fair ist? Wenn Erwachsene diese Entscheidungen treffen, bleibt oft die Frage offen, warum sie so entschieden haben. Es fehlt an einer klaren Erklärung, wieso etwas so entschieden wurde, wie es entschieden wurde. Wenn es mehr Transparenz und Zuhören gäbe, könnte sich einiges ändern. Ein offenes Gespräch darüber, wie Noten zustande kommen oder wie Leistungen bewertet werden, könnte helfen, Frust und Schüchternheit zu vermeiden.
Vertrauenslehrer*innen mit Anwaltsfunktion
In solch einer Situation wünschen sich die Betroffenen vor allem eines: ernst genommen zu werden. Die Unterstützung kann viele Formen annehmen, von Vertrauenslehrer*innen bis hin zu Beratung. Diese Unterstützung ist nicht dazu da, sofort rechtliche Schritte zu unternehmen, sondern um zu verstehen, welche Rechte man hat und wie man sie respektvoll einfordern kann.
Ungerechtigkeit gehört leider zum Alltag. Doch fair behandelt zu werden bedeutet nicht, immer recht zu bekommen. Es bedeutet, gehört zu werden , und die Chance zu haben, seine Sicht der Dinge zu erklären.
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