Heute wird die Sonne zur Sichel: Was du beachten musst

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
12.08.2026
4 Min.

Heute Abend schiebt sich über Österreich ein dunkler Bogen in die Sonne. Kurz vor ihrem Untergang bleibt nur eine leuchtende Sichel, während Häuser, Straßen und Gesichter ihr gewohntes Licht verlieren. Wer diesen Moment sehen will, braucht freie Sicht nach Westen und einen Schutz, der keinen Fehler verzeiht.

Wenn die Sonne heute Abend zur schmalen Sichel wird, entscheidet ein einziger falscher Blick darüber, ob aus dem seltenen Schauspiel eine Gefahr wird. (Foto: pixabay)

In Wien werden heute rund 89 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt. Es ist die stärkste Verfinsterung der Sonne in der Stadt seit 1999. Um 19.22 Uhr beginnt sich der Mond vor die Sonne zu schieben. Um 20.13 Uhr erreicht die Finsternis ihren Höhepunkt, eine Minute später geht die Sonne unter. Dann hängt nur noch ein schmaler, greller Rand über dem westlichen Horizont.

Felix, 17, ein ehemaliger Mitschüler von mir, wartet schon lange auf diesen Moment. Seine Finsternisbrille liegt bereits bereit. „Ich verfolge astronomische Ereignisse eigentlich immer mit und freue mich schon sehr auf heute Abend. Eine passende Schutzbrille habe ich bereits vorbereitet“, erzählt er. Wenn er sie aufsetzt, verschwindet die Welt hinter der schwarzen Folie. Übrig bleibt die Sonne, klein wie eine Münze, in die sich langsam ein dunkler Rand schiebt.

Maxi, 17, hat erst durch eine Meldung auf seinem Smartphone von der Finsternis erfahren. „Ich habe erst spontan davon erfahren. Normalerweise beschäftige ich mich nicht mit solchen Dingen. Das wird die erste Sonnenfinsternis, die ich bewusst erlebe“, erzählt er. Was am Morgen noch zwischen Nachrichten und Benachrichtigungen auf seinem Display stand, wird am Abend als schmale Sichel über den Dächern hängen.

Erst eine Kerbe, dann eine Sichel

Zu Beginn berührt der Mond den rechten Rand der Sonne. Zuerst fehlt nur ein kleines Stück. Wer einige Minuten auf den Boden schaut und danach wieder durch die Schutzfolie blickt, sieht eine größere Kerbe. Der Mond scheint die helle Scheibe langsam aufzuessen.

Währenddessen sinkt die Sonne zwischen Dächer, Bäume und Hügel. Hauswände verlieren ihre warmen Farben, Schatten werden länger und Gesichter wirken blasser. Der Himmel bleibt hell, doch die Umgebung wird spürbar dunkler. Auf Balkonen und an offenen Fenstern wandert der Blick immer wieder nach Westen, während die leuchtende Fläche am Himmel kleiner wird.

Das Planetarium Wien nennt freie Sicht zum westlichen Horizont als entscheidend. Schon eine Häuserzeile kann den letzten und stärksten Moment verschlucken. Ein offenes Feld, ein Ufer oder eine Anhöhe eignet sich deshalb besser als ein Innenhof. Wer erst zum Höhepunkt einen Platz sucht, könnte am Ende nur ein Dach statt der Sichel sehen.

Die Brille kommt vor dem Blick

Wer die Finsternis sehen will, sollte vor 19.22 Uhr am Beobachtungsplatz sein. Dort bleiben wir stehen und setzen erst dann die Brille auf. Durch die fast schwarze Folie erkennen wir Stufen, Fahrräder und Autos kaum.

Die Finsternisbrille sollte der Norm ISO 12312-2 entsprechen und keine Kratzer, Risse oder Löcher haben. Vor dem Blick schauen wir auf den Boden, setzen die Brille auf und heben erst danach den Kopf. Beim Abnehmen senken wir zuerst den Blick und nehmen anschließend die Brille ab. Diese Reihenfolge dauert nur Sekunden, schützt aber vor einem unbedachten direkten Blick.

Eine normale Sonnenbrille reicht niemals. Auch CDs, dunkles Glas, Rettungsdecken oder selbst gebaute Filter machen den Blick nicht sicher. In Österreich gibt es keine totale Phase. Selbst wenn nur noch eine dünne Sichel leuchtet, bleibt die Brille vor den Augen. Auch Wolken nehmen dem Sonnenlicht seine Gefahr nicht.

Die NASA warnt außerdem davor, mit einer Finsternisbrille durch Ferngläser, Teleskope oder Kameras zu schauen. Solche Geräte bündeln das Sonnenlicht und brauchen einen passenden Filter vor dem Objektiv. Fehlt er, bleiben sie in der Tasche.

Ohne Brille liegt die Sonne auf dem Boden

Wer keine sichere Brille hat, dreht der Sonne den Rücken zu und hält ein Küchensieb über ein weißes Blatt oder hellen Asphalt. Durch die Löcher fallen zuerst runde Lichtpunkte. Sobald sich der Mond vor die Sonne schiebt, fehlt jedem Punkt dieselbe Stelle. Bald liegen Dutzende kleine Sicheln zu unseren Füßen. Sie werden schmaler, während das Sieb in der Hand leicht zittert und die Lichtbilder über den Boden wandern.

Dasselbe geschieht unter einem Baum. Zwischen den Schatten zittern helle Bögen im Wind. Auf einmal zeichnet jedes kleine Loch zwischen den Blättern dieselbe Sonnensichel auf den Boden. Wir sehen die Finsternis, ohne einmal nach oben zu blicken.

Wenn die Sonne kurz nach 20 Uhr verschwindet, endet für Felix seine lange Vorfreude. Für Maxi endet ein Mittwoch, der erst wenige Stunden zuvor aufgehört hat, gewöhnlich zu sein. Die Brillen wandern wieder in die Taschen, die Lichtbögen verschwinden vom Boden und über Wien bleibt ein Himmel zurück, der für beide derselbe war, obwohl sie auf ganz unterschiedlichen Wegen zu ihm gefunden haben.


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