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Heute kaufen, später bezahlen? Lasst euch nicht zu schnell verlocken

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
09.08.2026
4 Min.

Beim Onlineshopping wirken vier kleine Raten oft weniger abschreckend als ein großer Gesamtpreis. Mein Freund Alex erzählt, warum „Buy now, pay later“ gerade für junge Menschen verlockend sein kann und wo die Gefahr liegt, den Überblick zu verlieren.

Erst bestellen, später bezahlen: Gerade junge Menschen lassen sich zu schnell verführen. (Foto: shutterstock)

„Wenn dort viermal 20 Euro steht, wirken 80 Euro im ersten Moment einfach nach weniger.“ Diesen Satz sagt mir Alex, als wir über Geld und Onlineshopping sprechen. Alex ist 18, ein Freund von mir aus dem Fußballverein und ehemaliger Schüler des Sacré Coeur Wien. Vor einiger Zeit hat er selbst einen Gaming- oder Freizeitartikel auf Raten gekauft. Statt den gesamten Betrag auf einmal zu bezahlen, entschied er sich für mehrere kleinere Raten.

Probleme bekam er dadurch keine. Die vereinbarten Beträge konnte er bezahlen und für ihn war die Sache damit erledigt. Trotzdem ist ihm etwas von diesem Einkauf besonders in Erinnerung geblieben: die Darstellung des Preises.

Natürlich wusste Alex beim Kauf, dass viermal 20 Euro am Ende genauso 80 Euro sind. Trotzdem fühlte es sich für ihn beim Bestellen anders an. „Ich würde damit keine Sachen kaufen, die ich mir grundsätzlich nicht leisten kann. Aber wenn ich weiß, dass bald wieder Geld kommt, finde ich später zahlen schon praktisch“, sagt er.

Damit beschreibt Alex ziemlich gut, warum eine unscheinbare Auswahl an der Online-Kassa inzwischen auch Wissenschaftler beschäftigt.

Erst kaufen, später ans Geld denken

Das Prinzip heißt „Buy now, pay later“, kurz BNPL. Statt einen Einkauf beim Bestellen vollständig zu bezahlen, wird die Zahlung verschoben oder auf mehrere Raten verteilt. Anbieter wie Klarna haben dieses Modell in vielen Onlineshops etabliert.

Gerade bei uns jungen Erwachsenen ist es verbreitet. Eine österreichische Umfrage im Auftrag der bank99 aus dem Jahr 2026 ergab, dass 60 Prozent der befragten 18- bis 29-Jährigen „Buy now, pay later“ nutzen. 39 Prozent tun dies mindestens einmal pro Quartal.

Interessanter ist eine andere Zahl: Knapp vier von zehn Befragten glauben, durch die Möglichkeit des späteren Bezahlens mehr auszugeben als ursprünglich geplant.

Das heißt natürlich nicht, dass jeder Ratenkauf automatisch ein finanzielles Problem verursacht. Alex ist dafür selbst das Gegenbeispiel. Er hat gekauft, seine Raten bezahlt und keine Schwierigkeiten bekommen.

Seine Erfahrung wirft aber eine andere Frage auf: Warum wirken viermal 20 Euro überhaupt anders als 80 Euro?

Kleine Rate, gleicher Preis

Beim klassischen Einkauf ist der Moment ziemlich eindeutig. Ein Pullover kostet 80 Euro, wir bezahlen 80 Euro und das Geld ist weg.

Online lässt sich derselbe Betrag anders präsentieren. Statt des gesamten Preises sehen wir beispielsweise vier kleinere Zahlungen. Mathematisch ändert sich nichts. Für unser Gefühl beim Einkaufen offenbar schon.

Alex kennt diesen Effekt, obwohl sein eigener Ratenkauf problemlos verlief. Gleichzeitig sieht er selbst die Grenze des Systems. „Gefährlich wird es für mich, wenn man mehrere Sachen gleichzeitig so kauft. Dann verliert man irgendwann den Überblick, was noch offen ist.“

Denn ein einzelner Betrag von 20 oder 25 Euro wirkt überschaubar. Kommen mehrere Bestellungen zusammen, sieht die Rechnung anders aus. Dann laufen möglicherweise zur selben Zeit Raten für Kleidung, Elektronik oder andere Einkäufe. Jeder einzelne Betrag bleibt klein, die Summe nicht unbedingt.

Wann sind Schulden eigentlich Schulden?

Diese Frage beschäftigt inzwischen auch Forschende der Wirtschaftsuniversität Wien. Dort wird untersucht, wie junge Erwachsene Verschuldung wahrnehmen und welchen Einfluss neue Finanzierungsmöglichkeiten wie „Buy now, pay later“ darauf haben.

Das ist besonders interessant, weil wir bei Schulden oft an etwas anderes denken: an einen großen Bankkredit etwa, an ein überzogenes Konto oder an jemanden, der Rechnungen nicht mehr bezahlen kann. Eine kleine offene Rate beim Onlineshopping fühlt sich dagegen möglicherweise eher wie eine Zahlungsmethode an.

Dabei zeigen Daten aus einem Forschungsprojekt mit 1.967 Jugendlichen am Übergang zur Volljährigkeit, wie früh das Thema Schulden bereits eine Rolle spielt. Rund zwei Drittel der Befragten hatten schon einmal Schulden. Zwölf Prozent hatten Erfahrungen mit verspäteten Zahlungen oder Ratenkäufen, zehn Prozent mit Schulden innerhalb der eigenen Familie.

Eine offene Rechnung bedeutet trotzdem noch lange nicht, dass jemand überschuldet ist. Entscheidend ist unter anderem, ob die Verpflichtungen bezahlt werden können und ob der Überblick erhalten bleibt.

Bei Alex war das der Fall.

Warum warten, wenn ich es heute haben kann?

Gerade für uns ist das Angebot verlockend. Wir sehen neue Schuhe, Kopfhörer, Kleidung oder etwas fürs Gaming und müssen nicht unbedingt warten, bis der gesamte Kaufpreis auf einmal ins Budget passt.

Darin steckt auch der eigentliche Reiz des Systems. Das Produkt kommt jetzt. Ein Teil des Geldes geht später.

Alex findet daran nicht grundsätzlich etwas falsch. Wenn er weiß, dass er das Geld haben wird, hält er die Möglichkeit für praktisch. Kaufen würde er auf diese Weise aber nichts, was er sich grundsätzlich nicht leisten könnte.

Diese Grenze klingt einfach. Im Alltag muss sie jeder selbst ziehen.

Denn beim Onlinekauf fehlt etwas, das wir beim Bezahlen mit Bargeld noch unmittelbar erleben. Wer an der Kassa einen 100-Euro-Schein hergibt, hat danach keinen 100-Euro-Schein mehr in der Hand. Beim späteren Bezahlen bleibt das Geld zunächst auf dem Konto. Die Bestellung ist trotzdem schon unterwegs.

Viermal 20

Alex hat seinen Einkauf längst bezahlt. Keine Mahnung, kein Inkasso, keine Geschichte von einem Jugendlichen, der wegen eines Gaming-Artikels in eine Schuldenfalle geraten ist.

Eigentlich ist gerade das interessant.

„Buy now, pay later“ muss nicht spektakulär schiefgehen, um unseren Umgang mit Geld zu verändern. Bei Alex hat alles funktioniert. Trotzdem erinnert er sich noch daran, wie der Preis auf ihn wirkte.

80 Euro standen da nicht einfach als 80 Euro.

Da standen viermal 20.

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