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"Geh lieber in die Küche!": Warum ich am Ende das Spiel abgebrochen habe

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Volontärin · HLA Baden
05.01.2026
2 Min.

Neulich beim Gaming haben mich Jungs so beleidigt, dass ich mich völlig machtlos fühlte. Kommentare über meine Stimme und Sprüche über mein Geschlecht trafen mich mitten ins Herz.

Ich bin sauer auf Buben, die nicht sehen, was Mädchen drauf haben. (Foto: pixabay/Kyraxys)

Neulich beim Gaming ist etwas passiert, das mich bis heute beschäftigt. Ich hatte mich auf das Spiel gefreut: Kopfhörer auf, Mikro an, alles bereit. Plötzlich wurde es still, nachdem ich im Voice-Chat etwas gesagt hatte.

Dann kamen die Kommentare: Erst ein Lachen, dann Sprüche über meine Stimme, schließlich Beleidigungen. Einer meinte, ich solle „lieber in die Küche gehen“, ein anderer sagte: „Frauen können sowieso nicht spielen.“ In diesem Moment wurde mir heiß, und ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte.

Frauenhass im Internet

Ich versuchte, mich weiter aufs Spiel zu konzentrieren, aber egal, was ich machte, es war falsch. Wenn ich einen Fehler machte, schrie jemand mich an. Wenn ich etwas gut erledigte, ignorierten andere meine Leistung oder zogen sie ins Lächerliche. Ich fühlte mich extrem unfair behandelt, weil sie mich nicht als Spielerin sahen, sondern nur als „die Frau im Team“. Innerlich war ich traurig und wütend zugleich. Ich schämte mich, obwohl ich nichts falsch gemacht hatte. Am meisten schmerzte, dass niemand eingriff. Alle ließen es laufen, als wäre es normal.

Am Ende verließ ich das Spiel, obwohl ich eigentlich bleiben wollte. Dieses Gefühl, ausgeschlossen zu werden, nur weil ich eine Frau bin, bleibt im Kopf. Ich hätte mir gewünscht, dass jemand sagt: „Hör auf damit, das geht zu weit.“ Klare Unterstützung hätte mir gezeigt, dass Beleidigungen nicht akzeptabel sind. In solchen Momenten wünschte ich mir jemanden, der für mich einsteht, sei es ein Mitspieler, ein Moderator oder im schlimmsten Fall eine Anwältin oder ein Anwalt.

Nicht, um Ärger zu machen, sondern um zu zeigen, dass respektloses Verhalten nicht okay ist. Diese Erfahrung hat mir deutlich gezeigt, dass Ungerechtigkeit auch online sehr real ist. Respekt sollte überall gelten, auch beim Gaming. Ich wünsche mir, ernst genommen zu werden und mich nicht zurückziehen zu müssen, nur weil andere unfair handeln.

Neue Zeit

Wir leben in einer neuen Zeit, in der Frauen längst nicht mehr „nur“ in der Küche stehen. Frauen sind heute sichtbar in vielen Bereichen: in der Gaming-Welt, in der Technik, in der Kunst und in Führungsrollen. Alte Sprüche und Rollenbilder passen nicht mehr in diese Welt. Heute zählen Respekt, Können und Fairness, egal, ob offline oder online.



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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch den Österreichischen Rechtsanwaltskammertag.

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