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Gymnasium oder Lehre: Ist das eine wirklich besser als das andere?

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
21.08.2026
3 Min.

SCHUL CHECK. In dieser Kolumne beschäftigt sich unser Redakteur Simon Prinz mit Themen rund um Schule, Ausbildung und unseren Weg danach. Er erklärt aktuelle Entwicklungen verständlich und sagt, was er darüber denkt.

Der Kolumnist Simon Prinz über die Zukunft der Jugend. (Foto: Simon Prinz )

Wenn bei uns in der Schule über die Zeit nach der Matura gesprochen wird, geht es ziemlich oft um dieselben Fragen: Welches Studium interessiert dich? Welche Uni willst du besuchen? Vielleicht noch ein Auslandsjahr. Eine Lehre kommt in solchen Gesprächen deutlich seltener vor.

Das ist an einem Gymnasium vielleicht nicht überraschend. Trotzdem finde ich den Unterschied interessant. Wer studieren will, gilt schnell als ehrgeizig. Wer lieber mit 15 oder 16 eine Lehre beginnt und Elektriker, Installateur oder Mechatroniker werden möchte, muss seine Entscheidung teilweise viel stärker erklären.

Gerade diese Woche ist daraus auch eine politische Diskussion geworden. Die FPÖ Niederösterreich fordert eine neue fünfjährige Gewerbe- und Handwerksmittelschule. Dort sollen handwerklich und technisch begabte Jugendliche stärker gefördert werden, Praxis soll einen großen Teil des Unterrichts ausmachen und Schulen sollen eng mit Unternehmen zusammenarbeiten. Zunächst sind Pilotprojekte angedacht. 

Über den konkreten Vorschlag kann man streiten. Eine Frage dahinter finde ich aber ziemlich berechtigt: Warum fördern wir sportliche, musikalische oder sprachliche Talente selbstverständlich in der Schule, während handwerkliches Talent oft erst später richtig sichtbar wird?

Immer weniger Lehrlinge

Die Zahlen machen die Diskussion aktueller. Ende 2025 gab es in Österreich 102.878 Lehrlinge. Ein Jahr zuvor waren es noch 106.452. Innerhalb eines Jahres sank ihre Zahl damit um 3,4 Prozent. In Niederösterreich waren es 16.421 Lehrlinge, 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. 

Dabei ist die Lehre für Österreichs Wirtschaft alles andere als nebensächlich. 25.168 Betriebe bildeten Ende 2025 Lehrlinge aus. Besonders viele arbeiteten im Bereich Gewerbe und Handwerk: Dort waren es 43.965. 

Das sind Zehntausende Jugendliche, die einen völlig anderen Ausbildungsweg wählen als ich und viele meiner Schulkollegen.

Warum gilt das Gymnasium als der sichere Weg?

Ich glaube, ein Teil des Problems beginnt schon viel früher. Mit zehn Jahren entscheiden Eltern und Kinder, welche Schule als Nächstes kommt. Später geht es wieder um Oberstufe, HTL, HAK, Lehre oder andere Wege.

Dabei entsteht schnell eine Rangordnung im Kopf. Gymnasium und Studium stehen weit oben. Eine Lehre wirkt dagegen bei manchen wie die Alternative, wenn Schule nicht funktioniert hat.

Ich finde dieses Bild ziemlich überholt.

Jemand kann schlecht darin sein, für eine Schularbeit seitenweise Stoff auswendig zu lernen, und gleichzeitig ein hervorragender Techniker sein. Ein anderer sitzt vielleicht gerne stundenlang über Mathematikaufgaben und wäre in einer Werkstatt völlig verloren. Warum sollte eines davon automatisch mehr wert sein?

Brauchen wir dafür eine neue Schule?

Ob ausgerechnet eine neue fünfjährige Gewerbe- und Handwerksmittelschule die Lösung ist, kann ich nicht beurteilen. Bevor eine weitere Schulform geschaffen wird, müsste klar sein, wie sie sich von bestehenden Angeboten unterscheidet und ob Jugendliche sie tatsächlich besuchen wollen.

Die Grundidee dahinter gefällt mir aber: handwerkliche Fähigkeiten früher ernst nehmen.

Schule misst Leistung noch immer sehr stark über Schularbeiten, Tests, Referate und Noten. Wer gut schreiben, rechnen und lernen kann, bekommt ständig Rückmeldung über seine Fähigkeiten. Wer mit 13 unglaublich geschickt eine Maschine zerlegen, Holz bearbeiten oder technische Probleme lösen kann, hat im normalen Schulalltag deutlich weniger Möglichkeiten, damit aufzufallen.

Vielleicht müssen wir deshalb gar nicht jeden Jugendlichen möglichst lange im selben System halten. Wir sollten früher zeigen, wie viele unterschiedliche Wege es gibt und was sie wert sind.

Wenn mich heute jemand fragt, was ich nach der Schule machen möchte, klingt „studieren“ völlig normal.

Vielleicht haben wir beim Thema Lehre erst dann wirklich etwas verändert, wenn „Elektriker werden“ genauso wenig Erklärung braucht. 



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