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Gift fürs Herz: Wie Film und Literatur toxische Beziehungen für Frauen normalisieren

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Volontärin · Bundesgymnasium Vöcklabruck
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11.02.2026
3 Min.

Glamourös inszeniert, leidenschaftlich erzählt und oft als große Liebe verkauft: Film und Literatur prägen unser Bild von Beziehungen maßgeblich. Doch hinter vielen ikonischen Liebesgeschichten verbergen sich problematische Muster.

Der Kaktus symbolisiert die Gefühlslage der Menschen in einer toxischen Beziehung. (Foto: Omar:. Lopez-Rincon)

In Twilight steht der Liebe zwischen einem glitzernden Jungen und einem Mädchen weder sein Uropa-Alter noch seine Vorliebe für ihr Blut im Wege. In Fifty Shades Of Grey beunruhigt die unschuldige Studentin der spezielle Vertrag des undurchdringbaren Millionärs nicht, viel wichtiger ist die Frage: Warum sie? In After hat der „Bad Boy“ in seinen Beziehungen mit College-Mädchen mehrere Wutausbrüche, unter anderem schlägt er in eine Wand, weil er mit seinen Gefühlen nicht umzugehen weiß.

Diese Beispiele für Romantikfilme und -bücher haben vieles gemeinsam. Alle zeigen uns ein falsches Bild von Beziehungsdynamiken. Sie wurden vor mehr als zehn Jahren veröffentlicht, doch sie sind nach wie vor sehr beliebt. Vor allem durch ihre Verbreitung über Social Media.

Die Filme bzw. Lektüren, die wir konsumieren, beeinflussen uns mehr, als wir denken. Aus psychotherapeutischer Sicht erlangen Romantik-Werke aufgrund ihrer Emotionalität große Beliebtheit. Inhalte wie Nähe, Hoffnung und Zugehörigkeit kommen besonders bei Frauen gut an. Sie fühlen mit bei diesen Werken und identifizieren sich mit einem (meist weiblichen) Charakter. Das kann inspirieren und anregen. Zudem ist bei Frauen die Sehnsucht nach Romantik größer als bei Männern. Frauen sind daher die primäre Zielgruppe.

Viele Filme und Bücher reproduzieren das „Bad Boy“-Narrativ. Der „Bad Boy“ zeichnet sich durch Unfreundlichkeit aufgrund seiner vermeintlich komplexen Vergangenheit aus. Das Muster ist immer gleich. Eine Frau verliebt sich in ihn. Das anfängliche Desinteresse entwickelt sich zu einem Zustand, bei dem er nur zu ihr nett ist. Das stößt in ihrem Umfeld auf Unverständnis und sie muss ihre Beziehung permanent rechtfertigen. Das Narrativ verkauft dieses Verhalten als romantisch und die Frau fühlt sich einzigartig, weil sie seine „Retterin“ ist.

Die Frau zeichnet sich durch eine herzliche und teilweise etwas naive Persönlichkeit aus, wie Ava in Twisted Love oder Lorelai in Gilmore Girls. Oder sie ist „zu gut für diese Welt“ und sehr naiv, wie Tessa in After.

Ein weiteres Muster, welche Romantik-Werke oft zeichnen, ist die Eifersucht. Die weibliche Protagonistin hat andere (männliche) Freund*innen, ihrem Partner ist das ein Dorn im Auge. In Twilight beschädigt Edward Bellas Auto, damit diese nicht mehr ihren besten Freund Jakob besuchen kann. Christian Grey stellt einen Vertrag auf, der Ana verbietet, ihre Beziehung mit anderen zu besprechen.

Solche Verhaltensweisen führen zu Isolation. Die Protagonistin bespricht die Beziehung nicht mit ihren Freund*innen. Das könnte zu einer kritischen Selbstanalyse führen. Also vernachlässigt sie die sozialen Kontakte komplett. Fazit: Die Beziehung zum Bad Boy isoliert sie Stück für Stück von der Außenwelt. 

Die Annahme, Liebe sei das Ziel und der Weg dorthin hart, zeigt sich in Suicide Squad. Der Joker schockt Harley Quinns Gehirn, bindet sie an einen Stuhl und bringt sie dazu, sich in ein Fass voller toxischer Farbe fallen zu lassen, um ihre Liebe zu beweisen. Sie liebt ihn bedingungslos.

Fiktion und Realität auseinanderzuhalten, fällt Frauen besonders in missbräuchlichen Beziehungen oft schwer. Sie sind gefährdet, ihre Beziehung mit derartigen Filmen zu rechtfertigen. Sie wollen glauben, ihre Partner ändern sich irgendwann. Zu dieser Schlussfolgerung gelangt Emma-Marie Smith, eine britische Schriftstellerin, in ihrem Artikel „Movies Romanticize Abuse Against Women: What’s the Danger?“. Smith ist spezialisiert auf Missbrauch in Beziehungen und war selbst Opfer einer toxischen Beziehung.

Gerade durch Filme wie After und Twilight erkennen Frauen in missbräuchlichen Beziehungen die Warnsignale nicht. Besonders junge Frauen und Mädchen sind gefährdet. Sie wachsen mit einem falschen Rollenbild auf, das sie noch nicht hinterfragen.

Prinzipiell spricht nichts dagegen, sich diese Filme anzusehen oder diese Bücher zu lesen. Es ist jedoch wichtig, den Inhalt zu hinterfragen und kritisch zu betrachten.


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