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Gewalt gegen öffentliche Bedienstete um 20 Prozent gestiegen. Auch Lehrer sind betroffen

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
28.08.2026
4 Min.

Tätliche Angriffe auf öffentlich Bedienstete, darunter Lehrerinnen und Lehrer, sind um mehr als 20 Prozent gestiegen. Lehrkräfte klagen zudem über störendes Verhalten im Unterricht. Ich kenne aus meiner Schule keine körperlichen Angriffe, aber ich habe erlebt, wie rasch eine Diskussion laut werden kann.

In vielen Klassen bleibt es bei Streit und lauteren Diskussionen. Aktuelle Zahlen zeigen aber, dass Angriffe auf öffentlich Bedienstete zugenommen haben und auch Lehrkräfte betroffen sind. (Foto: shutterstock)

„Nein, hör auf, sei leise jetzt.“ Solche Sätze fallen bei uns manchmal, wenn eine Diskussion im Unterricht feststeckt. Ein Schüler will weiterreden, die Lehrkraft möchte das Thema beenden, beide Seiten werden gereizter. Manchmal wird auch ein Lehrer laut. Eine Tür knallt zu, wenn jemand hinausgeschickt wurde. Einmal flog ein Schwamm durch die Klasse, eher als Spaß. Körperlich angegriffen wurde bei uns bisher niemand.

Ich gehe auf eine katholische Privatschule. Meine Erfahrung ist deshalb nur ein Ausschnitt des österreichischen Schulalltags. Trotzdem kenne ich diese Momente, in denen eine normale Diskussion plötzlich unangenehm wird. Neue Zahlen zeigen, wie weit solche Konflikte an anderen Schulen und Arbeitsplätzen gehen können.

Über 20 Prozent mehr tätliche Angriffe

Laut aktuellen Zahlen der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau, kurz BVAEB, stieg die Zahl tätlicher Angriffe auf öffentlich Bedienstete 2025 um mehr als 20 Prozent. Zu den betroffenen Berufsgruppen gehören Polizistinnen und Polizisten, Zugpersonal und auch Lehrkräfte.

Bei dieser Zahl ist eine Einschränkung wichtig: Die veröffentlichten 20 Prozent beziehen sich auf die erfassten Berufsgruppen gemeinsam. Daraus lässt sich keine eigene Steigerungsrate ausschließlich für Lehrerinnen und Lehrer berechnen. Für Schulen gibt es aber weitere Daten.

Die meisten Lehrer erleben ihre Schule positiv

Wer nur Videos von Schulprügeleien auf X oder TikTok sieht, könnte leicht ein völlig anderes Bild bekommen.

Die OECD-Studie TALIS 2024 zeigt: 96 Prozent der Lehrkräfte in Österreich beschreiben das Verhältnis zwischen Lehrpersonal und Schülerinnen und Schülern grundsätzlich als gut.

Gleichzeitig haben die Belastungen zugenommen. Vier Prozent der österreichischen Lehrkräfte arbeiten laut den befragten Schulleitungen an Standorten, an denen Einschüchterungen oder Beleidigungen von Schulpersonal regelmäßig vorkommen.

Noch deutlicher zeigt sich das im Unterricht: 50 Prozent der Lehrkräfte fühlen sich inzwischen durch störendes Verhalten belastet. 2018 waren es 36 Prozent.

Das entspricht eher meiner eigenen Erfahrung. Die meisten Stunden laufen völlig normal. Dann gibt es diese eine Diskussion, bei der beide Seiten immer gereizter werden.

Wenn aus einer Diskussion ein Machtkampf wird

Bei uns beginnen solche Situationen oft mit Kleinigkeiten.

Ein Schüler redet weiter. Die Lehrkraft will den Unterricht fortsetzen. Der Schüler fühlt sich abgewürgt. Die Lehrkraft fühlt sich provoziert. Aus dem ursprünglichen Thema wird irgendwann eine Diskussion darüber, wer jetzt aufhören muss.

Manchmal wird dabei auch die Lehrkraft laut.

Konflikte im Klassenzimmer haben deshalb selten nur einen einzigen Moment. Es gibt eine Vorgeschichte, Reaktionen auf beiden Seiten und irgendwann eine Grenze.

Für mich wirkt freches Verhalten zunächst wie etwas, das über ein Gespräch mit der Lehrkraft, dem Klassenvorstand oder den Eltern geklärt werden kann. Beleidigungen, gefährliche Drohungen und körperliche Angriffe liegen auf einer völlig anderen Stufe.

Spätestens dort braucht eine Schule klare Konsequenzen.

2.440 Suspendierungen erzählen nur einen Teil

Im vergangenen Schuljahr wurden österreichweit 2.440 Schülerinnen und Schüler suspendiert. Ein Jahr zuvor waren es 2.187.

Die Zahl misst die Anwendung einer schulrechtlichen Maßnahme. Eine Suspendierung kann etwa nach körperlichen Übergriffen, schweren Drohungen oder Sachbeschädigungen ausgesprochen werden.

In Wien wurden 2025/26 insgesamt 831 Suspendierungen ausgesprochen. Körperliche Übergriffe, gefährliche Drohungen und verbale Übergriffe gehörten laut Bildungsdirektion zu den häufigsten Gründen. In 232 Fällen kam zusätzlich eine Anzeige dazu.

Trotzdem können wir aus den Suspendierungen keine Zahl für Angriffe auf Lehrkräfte herauslesen. Manche Konflikte richten sich gegen Mitschüler, andere gegen Personal oder Eigentum.

Dieser Unterschied ist wichtig, wenn wir über „Gewalt an Schulen“ sprechen.

Ab September soll eine Suspendierung anders ablaufen

Mit dem neuen Schuljahr verändert sich der Umgang mit Jugendlichen, die wegen einer akuten Gefährdungssituation vom Unterricht ausgeschlossen werden.

Ab September wird eine Suspendierungsbegleitung verpflichtend. Bei längeren Suspendierungen sieht das Gesetz einen individuellen Förderplan mit insgesamt acht bis 20 Stunden pro voller Woche vor.

Ein Teil davon besteht aus Unterricht. Dazu kommen psychosoziale Maßnahmen und Konfliktaufarbeitung.

Das ist ein wichtiger Gedanke: Wer nach einem schweren Vorfall einige Tage aus der Schule verschwindet, kommt irgendwann wieder zurück. Dann sitzen dieselben Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte erneut miteinander im Klassenraum.

Die eigentliche Arbeit beginnt deshalb oft nach der Eskalation.

Lehrkräfte sollen Unterstützung bekommen

Auch Prävention soll früher ansetzen.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr verwies zuletzt auf den Ausbau von Schulpsychologie und Sozialarbeit. Die Zahl der Vollzeitstellen in der Schulpsychologie stieg laut Ministerium seit 2023 von 189,5 auf 259,5. Zusätzlich gibt es Unterstützungsangebote für Lehrkräfte nach Konflikt- oder Krisensituationen.

Das erscheint mir sinnvoller, als jede laute Diskussion sofort als Gewaltproblem zu behandeln.

Bei uns an der Schule wäre ein körperlicher Angriff etwas völlig Außergewöhnliches. Hitzige Diskussionen kommen dagegen vor. Manche Lehrkräfte können anstrengend sein, manche Schülerinnen und Schüler ebenfalls. Manchmal verliert eine Seite die Geduld.

Gerade in diesem Bereich entscheidet sich, ob ein Streit wieder kleiner wird oder weiter eskaliert.

Was die Videos auf X nicht zeigen

Auf X sehe ich immer wieder Videos, in denen sich Schülerinnen und Schüler in Schulen prügeln. Solche Bilder bleiben hängen.

Mit meinem eigenen Schulalltag haben sie wenig gemeinsam.

Bei mir gab es lautere Diskussionen, zugeschlagene Türen und vielleicht einmal einen fliegenden Schwamm. Danach sitzt man trotzdem wieder zusammen in Mathematik, Deutsch oder Englisch.

Die Daten zeigen beides gleichzeitig: Österreichs Schulklima wird von einer sehr großen Mehrheit der Lehrkräfte positiv erlebt. Gleichzeitig gibt es Standorte und Situationen, an denen Konflikte viel weiter gehen.

Wenn bei uns das nächste Mal jemand sagt: „Nein, hör auf, sei leise jetzt“, wird die Diskussion wahrscheinlich irgendwann enden und der Unterricht weitergehen.

Die entscheidende Frage ist, wie Schulen dafür sorgen, dass dieser Satz auch in anderen Klassen das Lauteste bleibt.


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