Gesagt, gehört, vergessen: Können wir uns nicht mehr konzentrieren?

Kein Profil-Bild gefunden.
Volontärin · GRG10 Laaerberg Gymnasium
3 Kommentare
08.04.2026
2 Min.

Manchmal sind es die kleinen Dinge im Alltag, die einem plötzlich auffallen, ohne dass man genau weiß, warum. Wenn man genauer hinschaut, merkt man, wie viel eigentlich nebenbei passiert.

Die Gespräche mit meinen Freunden sind immer verwirrender und unfokussierter (Foto: Shutterstock)

Gespräche, die gleichzeitig stattfinden

In der Pause stehe ich oft mitten in einer kleinen Gruppe, und trotzdem hört kaum jemand wirklich zu. Lea erzählt gerade von ihrem Wochenende: „Ich war am See, es war total schön!“ Kaum hat sie den Satz beendet, wirft Jonas ein: „Habt ihr schon die Mathe-Hausaufgaben gesehen?“ Ich merke selbst, dass ich innerlich schon an etwas ganz anderes denke, statt richtig zuzuhören.

Während Lea noch etwas sagen will, unterbricht Tim sie: „Ach, gestern hat Herr Müller total komisch reagiert!“ Ich stehe mittendrin und merke, wie chaotisch das Gespräch wirkt, und trotzdem stört es niemanden. Jeder will nur kurz etwas sagen. Und wenn es für einen Moment ruhig wird, wirkt es fast ungewohnt. Als müsste sofort wieder jemand anfangen zu reden.

Dinge, die ich mir vornehme und dann vergesse

Ich nehme mir vor, nach der Schule meiner Freundin zu schreiben. Ich sage noch zu mir selbst: „Das mache ich gleich, sobald ich zuhause bin.“ Kaum habe ich mich hingesetzt, schaue ich erst aufs Handy, dann hole ich mir einen Snack. Der Gedanke an die Nachricht verschwindet einfach.

Stunden später fällt er mir wieder ein. Ich habe sie vergessen, obwohl es mir wirklich wichtig war. Jetzt ist es zu spät, um noch normal zu antworten. Es fühlt sich an, als hätte der Gedanke draußen existiert, aber drinnen, in meinem Zimmer, keine Bedeutung mehr gehabt.

Zwei Dinge gleichzeitig wollen

Heute früh beobachte ich meinen kleinen Bruder, der zwei Jahre alt ist. Er will gleichzeitig zwei völlig gegensätzliche Dinge und verzweifelt daran. Meine Mutter will meinen älteren Bruder in den Kindergarten bringen. Mein kleiner Bruder fängt sofort an zu weinen: „Ich will nicht, dass du gehst!“ Also schnell Schuhe an, Jacke an. Kaum sind wir bereit, sagt er plötzlich: „Ich will doch nicht mitkommen!“ Tränen fließen.

Selbst als alles vorbereitet ist, zögert er. Jede Entscheidung scheint falsch zu sein. Ich stehe daneben und merke: Es ist nicht die Situation, die ihn überfordert, sondern die Tatsache, dass er überhaupt wählen muss. Vielleicht gibt es für ihn noch kein „Ich entscheide mich jetzt“, sondern nur dieses Hin- und Hergerissen-Sein.

Zuhören fällt uns häufig schwer

Wenn ich genau hinschaue, merke ich etwas: Wir Menschen haben oft Schwierigkeiten, richtig zuzuhören, unsere Gedanken im Kopf zu behalten oder Entscheidungen zu treffen. In der Pause hört kaum jemand richtig zu. Wichtige Dinge vergesse ich manchmal einfach. Und selbst kleine Entscheidungen können schwierig sein.

Für mich heißt das: Ich will mehr darauf achten, anderen wirklich zuzuhören. Wichtige Dinge gleich erledigen, statt sie zu vergessen. Und bei Entscheidungen kurz innehalten, statt mich von Unsicherheit leiten zu lassen. So geht vieles einfacher.



Kommentare