CDU fliegt erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aus einem Landtag
Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt Anfang September verlor die Union rund 20 Prozentpunkte und kam auf knapp 18 Prozent. Die AfD gewann mit 43,8 Prozent haushoch. Gestern flog die CDU in Mecklenburg-Vorpommern mit lächerlichen 4,9 Prozent erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aus dem Landtag. Während die Konservativen 8,5 Prozent verloren, gewann die AfD auch hier und kam nach deutlichen Zuwächsen auf 38,2 Prozent.
In einer ersten Reaktion räumte Merz ein, dass die Bundespolitik und auch seine Person eine große Rolle für das schlechte Ergebnis gespielt hätten. Die Gründe dafür reichten laut ihm „aber weit über meine Person hinaus“. Die Ergebnisse bezeichnete der CDU-Chef als „Desaster“ und „tiefe Zäsur“. Trotzdem möchte er an seinem bisherigen Kurs festhalten.
Doch wer könnte Friedrich Merz als CDU-Chef und Bundeskanzler Deutschlands nachfolgen?
Nach den schlechten Wahlergebnissen wird über mögliche Alternativen zu Merz spekuliert. In den letzten Wochen machten dabei vor allem vier Namen die Runde: Markus Söder, Hendrik Wüst, Daniel Günther und Carsten Linnemann. Keiner von ihnen hat bislang öffentlich eine Kandidatur angekündigt. Und mit Söder hat einer der prominentesten Namen einen Wechsel ins Kanzleramt sogar ausdrücklich zurückgewiesen. Trotzdem lohnt ein genauerer Blick auf die möglichen Nachfolger.
Hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) das Zeug zum Kanzler?
Der gebürtige Nürnberger sitzt seit 1994 im Bayerischen Landtag. Seit dem 16. März 2018 ist er Bayerns Ministerpräsident und seit Jänner 2019 CSU-Chef. Bereits 2021 wollte er CDU/CSU-Kanzlerkandidat werden, damals setzte sich jedoch Armin Laschet durch. Auch 2024 wurde Söder als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt. Er unterstützte schließlich Friedrich Merz als gemeinsamen Kandidaten von CDU und CSU. Und jetzt?
Nach den schlechten Ergebnissen wird sowohl innerhalb als auch außerhalb der Unionsfraktion über Alternativen zu Merz spekuliert. Die Tagesschau nannte dabei unter anderem Söder. Als CSU-Chef hat er in Berlin schon jetzt ein nicht unwichtiges Wort mitzureden. Doch 2017 meinte er im Münchner Merkur: „Das Schönste an Berlin ist allerdings der Rückweg nach Bayern.“
In den letzten Monaten setzte Söder allerdings auf einen starken Imagewandel. Noch vor einem Jahr inszenierte er sich auf Social Media stark: Memes, zugespitzte Selbstinszenierung und Redenausschnitte kamen quasi täglich. Und ja, wer kennt ihn nicht? Den Hashtag #söderisst. Essenfotos und -videos, mal mehr, mal weniger ästhetisch. Um die bayerische Heimatverbundenheit zu demonstrieren? Perfekt! Doch für einen seriösen deutschen Bundeskanzler? Eher suboptimal. Auch sein Bart ist weg. Und immer häufiger tritt er mit Krawatte auf. Die Süddeutsche Zeitung beschrieb seinen Imagewechsel im August 2026 mit der Überschrift „Söder isst nicht mehr, und auf Reisen geht es ernsthaft zu“. Außerdem sei Schluss mit seiner „Spaßpolitik“. Wird Markus Söder also zum Kanzler vorbereitet?
Derzeit stellt sich Söder noch hinter Merz. Am 13. September sagte er zur Frage eines Kanzlersturzes: „Von der CSU auf keinen Fall.“ Merz sieht er weiterhin als den richtigen Kanzler, weil dieser zu den Reformen stehe.
Berlin oder Düsseldorf: Hendrik Wüst muss sich entscheiden
Auch Hendrik Wüst (CDU), seit 2021 Ministerpräsident von Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW), gilt als mögliche Alternative zu Merz. Wüst selbst wies einen sofortigen Wechsel in die deutsche Hauptstadt zwar zurück. Das Kanzleramt sei für ihn „derzeit keine Option“. Eine mögliche Kanzlerkandidatur zu einem späteren Zeitpunkt schloss der Politiker jedoch grundsätzlich nicht aus.
Doch es gibt ein Problem: Für den Ministerpräsidenten steht im April 2027 die wichtige Landtagswahl in NRW an. Er ist dort selbst Spitzenkandidat. Für einen Wechsel nach Berlin müsste der 51-Jährige also sowohl seine Arbeit als Ministerpräsident als auch den anstehenden Wahlkampf hinter sich lassen.
Heißt Deutschlands nächster Bundeskanzler Daniel Günther?
Daniel Günther (CDU) ist seit 2017 Ministerpräsident des nördlichsten Bundeslands Deutschlands, Schleswig-Holstein. Er zählt damit zu den dienstältesten CDU-Ministerpräsidenten und ist einer der bekanntesten Landespolitiker seiner Partei. Ob er in Berlin bald das Sagen hat? Naja. Auch über ihn wird spekuliert, doch er hält sich mit eigenen Ambitionen zurück.
Politisch steht Günther für einen vergleichsweise moderaten Kurs. Deshalb könnte seine Position für die Frage interessant sein, wie sich die Union künftig strategisch ausrichten will.
Oder doch mit Linnemann einen Mann direkt aus Berlin?
Carsten Linnemann (CDU) ist seit Juli 2026 deutscher Gesundheitsminister. Zuvor war er CDU-Generalsekretär. Linnemann spielt also bereits eine wichtige Rolle in der Führung der Bundes-CDU. Vor den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stellte sich der Politiker allerdings bewusst hinter Friedrich Merz. Er warb für Stabilität und die Fortführung des Reformkurses.
Stellt sich also bald die Frage: Bundespolitiker oder Landesfürst?
Vier Namen, aber (noch) keine Entscheidung
Derzeit heißt Deutschlands Bundeskanzler und CDU-Chef immer noch Friedrich Merz. Doch wie lange noch? Und wer übernimmt dann die Zügel unseres größten Nachbarlands? Bei allen Spekulationen muss eines klar bleiben: Es gibt (noch) keinen offiziellen Herausforderer.
Söder, Wüst, Günther und Linnemann sind Namen, die von Medien als mögliche Alternativen gehandelt werden. Keiner von ihnen hat bisher eine offizielle Kanzlerkandidatur angekündigt.
Für Merz bedeutet das: Trotz der Wahlschlappen ist seine Position weiterhin nicht automatisch in Gefahr. Die Union muss sich vielmehr mit der Frage beschäftigen, welchen politischen Kurs sie künftig einschlagen will. Ob dieser Kurs weiterhin von Friedrich Merz bestimmt wird oder irgendwann von einem der vier Namen? Oder vielleicht von einem ganz anderen? Das bleibt vorerst offen.
Kommentare
Aber cooler Schreibstil, bitte mehr davon ;)