Würde ich von heute auf morgen in eine leere Wohnung ziehen, ohne Einführung oder zusätzliche Informationen, wäre ich ziemlich verloren. Wie richte ich mich ein? Wie finde ich mich ganz alleine zurecht? Auf solche Situationen bereitet uns das Schulwissen kaum vor. Genau deshalb braucht es mehr Bildung in diesen Bereichen, besonders in der Schule, wo wir rund 75 Prozent unseres Tages verbringen.
Gerade jetzt, wo unsere Welt durch Aktien, Fonds und Finanzkrisen immer wieder schwankt, ist es wichtig, dass wir Heranwachsenden lernen, wie wir später mit unseren eigenen Finanzen umgehen. Wie gehe ich richtig mit einem Mietvertrag um? Worauf muss ich achten, wenn ich Strom, Wasser oder andere Versorgungen bezahle? Solche Themen werden in der Schule bisher zu oberflächlich behandelt. Es braucht einen tieferen Blick auf diese wichtigen Bereiche.
Weg mit Latein?
Immer wieder wird diskutiert, ob bekannte Fächer wie Latein durch wirtschaftliche Inhalte ersetzt werden sollten. Meiner Meinung nach ist das der falsche Ansatz. Wirtschaft und Geld sollten ab der 5. Schulstufe (1. Klasse Gymnasium) immer wieder beiläufig erklärt werden.
Natürlich kann niemand von Lehrerinnen und Lehrern erwarten, dass sie 10-jährigen Kindern alles über Mietverträge beibringen. Aber viele Kinder erhalten bereits Taschengeld, und genau hier ist es wichtig, den Umgang mit Geld zu lernen. Alles, was mit dem eigenen Geld zu tun hat, wirkt sich auf die Zukunft aus.
Eine Möglichkeit wäre ein „Nebenunterricht“, der einmal im Monat statt eines Nebenfaches wie Kunst stattfindet. Dieser Unterricht kann vielfältig gestaltet werden, zum Beispiel als Workshop oder Vortrag. In manchen Stunden könnten Schülerinnen und Schüler speziell angefertigte Verträge oder Dokumente bearbeiten und Aufgaben dazu lösen.
Fragen wie „Für was gibst du wie viel Geld aus?“ helfen, zu reflektieren, ob man sparsam und bewusst mit Geld umgeht und wo Verbesserungen möglich sind. Auch Einblicke in Nebenjobs am Wochenende oder Sommerjobs in den Ferien könnten jungen Menschen das Arbeitsleben früh näherbringen.
Einkommen mit Nebenjobs
Ich selbst habe zum Beispiel mit 13 Jahren erfahren, dass man ab 14 ein eigenes Einkommen durch Nebenjobs verdienen kann. Mit 14 habe ich direkt die Initiative ergriffen und angefangen zu kellnern. Auch hier ist es wichtig, sich vorher gut zu informieren: Wie hoch ist der Mindestlohn in bestimmten Jobs? Wie viele Stunden dürfen Jugendliche arbeiten? Solches Wissen wird in unseren Schulen viel zu sehr vernachlässigt.
Seien wir ehrlich: Wissen wir als Maturantinnen und Maturanten nach der Schule wirklich, wie man einen Mietvertrag korrekt liest, nur aus dem, was uns in der Schule beigebracht wurde? Wohl eher nicht. Also: Lasst uns das ändern! Für eine bessere Zukunft – für uns und die kommenden Generationen.
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