„Nur kurz TikTok öffnen“, denke ich, als ich mich aufs Bett setze. Fünf Minuten, nicht mehr. Ein Video, dann noch eines, dann ein Meme, das mich zum Lachen bringt. Ich wische weiter, ohne darüber nachzudenken. Als ich wieder auf die Uhr sehe, ist aus den fünf Minuten plötzlich eine halbe Stunde geworden — und ich frage mich, wie das so schnell passieren konnte.
Doomscrolling bedeutet, dass man immer weiter durch negative Nachrichten, Posts oder Videos scrollt, obwohl es einem eigentlich nicht guttut. Der Begriff setzt sich aus „doom“ (Unheil, schlechte Nachrichten) und „scrolling“ (durch Inhalte wischen) zusammen. Man bleibt in einem Strudel aus schlechten Informationen hängen und hört nicht mehr auf, weiterzulesen. Oft merken wir gar nicht, wie viel Zeit vergeht, weil wir von einem Beitrag zum nächsten gezogen wird.
Besonders Jugendliche erleben Doomscrolling, wenn sie sich gestresst, unsicher oder überfordert fühlen. Negative Inhalte wirken dann wie ein Magnet: Wir scrollen weiter, um „mehr zu wissen“, hofft auf etwas Positives oder will verstehen, was gerade passiert. Doch je länger man weiterscrollt, desto schlechter fühlt man sich. Doomscrolling kann Angst verstärken, den Schlaf stören und dafür sorgen, dass man sich emotional ausgelaugt fühlt. Deshalb ist es wichtig, bewusst Pausen zu machen und das Handy auch mal wegzulegen.
Warum wir hängen, bleiben
Doomscrolling fühlt sich an wie Sog. Wir wissen, dass wir eigentlich schon lange aufhören sollten, aber irgendetwas hält einen fest. Vielleicht ist es eine wichtige Nachricht. Vielleicht auch nur ein Video oder ein besonders lustiges Meme. Doch genau dieses „Vielleicht“ verhindert, dass wir entkommen. Doch warum passiert das überhaupt? Die Antwort ist ganz einfach: Social Media ist so gebaut, dass man hängen bleibt.
Wenn man TikTok‑Videos anschaut, reagiert das Gehirn sofort auf die schnellen Bilder, Sounds und Überraschungen. Dabei wird Dopamin ausgeschüttet – ein Glückshormon, das uns kurzzeitig motiviert und neugierig macht. Jeder kleine Dopamin‑Kick sorgt dafür, dass wir weiterwischen, weil das Gehirn hofft, gleich wieder belohnt zu werden. Genau dieser Mechanismus macht es so schwer aufzuhören: Selbst wenn die Inhalte negativ oder stressig sind, bleibt der Dopamin‑Effekt bestehen und zieht uns immer tiefer in den Scroll‑Sog hinein.
Wenn Scrolling zum Problem wird
Was sich im ersten Moment zwar gut anhört, hat aber auch seine Schattenseiten. Nicht nur Hausaufgaben werden vernachlässigt, auch Freunde und sogar Schlaf. Aber wir merken es erst wenn es bereits zu spät ist. Wenn wir um 21 Uhr unsere Hausaufgaben erledigen oder Freunde fragen, wieso das gestrige Treffen ausblieb. Außerdem sorgt der Drang ständig online zu sein für immensen Druck. Schließlich können wir doch nicht verpassen, wenn unser Lieblings-Influencer sein neues Video hochlädt. Und was noch viel schlimmer wäre, wenn wir einen neuen Trend verpassen würden.
Verzerrtes Körperbild
Meiner Meinung nach, ist jedoch nicht die Bildschirmzeit oder der Schlafmangel, der damit einhergeht, das größte Problem, sondern das verzerrte Körperbild, das uns durch Social Media vermittelt wird. Die meisten Influencer benutzen Filter, um besonders schön auszusehen. Diese makellosen Körper, die nicht der Realität entsprechen lösen bei vielen Jugendlichen, vor allem Mädchen, Unsicherheiten aus, die schlussendlich sogar zu Essstörungen führen können.
Wie wir dem Sog entkommen
Aber geht es auch anders, ohne gleich komplett oldschool zu leben? Die Antwort lautet: „JA“. Nur weil du nicht den halben Tag am Handy verbringst, heißt das nicht, dass du wie im Mittelalter lebst. Du kannst dir zum Beispiel klare Handyzeiten setzen oder Push-Benachrichtigungen ausschalten, die dich immer wieder zurück ins Handy ziehen. Des Weiteren ist es unabdingbar, dass die Eltern besonders großes Augenmerk auf den Medien Konsum von jüngeren Kindern legen und so dafür sorgen, dass sie nicht zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen.
Schon mal „Handyfasten“ ausprobiert? Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um deine Social Media Nutzung zu reflektieren. Wer es schafft, zwei bis drei Wochen komplett auf Social Media zu verzichten, wird überrascht sein, wie viel Freizeit plötzlich dazugewonnen wird.
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