Schon früh habe ich gemerkt, wie sehr mich ständiger Zeitdruck und organisatorische Pflichten belasten. Aufgaben, die eigentlich nur nebenbei anfallen sollten, nehmen viel Raum ein und rauben auf Dauer Kraft. Während meiner eigenen Schulzeit und später in Praktika konnte ich immer wieder beobachten, wie Lehrkräfte von einem Termin zum nächsten hetzen: gerade noch am Kopierer, dann ein Elterngespräch, und schon wartet in der nächsten Stunde eine Klasse ungeduldig. Selbst Pausen, die eigentlich der Erholung dienen sollten, werden für Aufsicht oder kurzfristige Vertretungen genutzt.
Große Verantwortung
Der Lehrerberuf ist mit großer Verantwortung verbunden, bringt jedoch auch eine dauerhafte Belastung mit sich. In Österreich herrscht derzeit Lehrermangel, was den Beruf objektiv betrachtet attraktiv macht. Ein sicherer Arbeitsplatz, gute Anstellungschancen und eine Ausbildung, die heute kürzer dauert als früher, sprechen auf den ersten Blick dafür.
Trotzdem reicht diese Sicherheit für mich persönlich nicht aus, um mich für einen Beruf zu entscheiden, der mich innerlich nicht erfüllt. Ein sicherer Arbeitsplatz ist zweifellos wichtig, doch er hat für mich nur dann Wert, wenn sich auch langfristig Wohlbefinden einstellt.
Erfolg und Misserfolg
Besonders schwer fällt mir der Gedanke, Verantwortung für Noten zu übernehmen und damit über Erfolg oder Misserfolg anderer mitzuentscheiden. Ich erinnere mich noch gut an Mitschülerinnen und Mitschüler, die nach Schularbeiten mit gesenktem Blick vor dem Lehrerzimmer standen oder wegen einer einzigen Note ein Schuljahr wiederholen mussten. Lernen sollte für mich Entwicklung und Motivation bedeuten, nicht in erster Linie Bewertung und Leistungsdruck.
Dabei ist mir wichtig zu betonen, dass ich mit diesen Überlegungen niemanden angreifen oder den Lehrerberuf abwerten möchte. Im Gegenteil: Ich habe großen Respekt vor allen, die diese Verantwortung übernehmen, auch dann ruhig bleiben, wenn eine Klasse laut ist, Eltern kritisch nachfragen oder der Arbeitstag länger dauert als geplant. Meine Entscheidung beruht ausschließlich auf meinen persönlichen Vorstellungen davon, wie ich arbeiten und leben möchte.
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