Fünfmal versuche ich, dieselbe leere Pfandflasche zurückzugeben. Im Supermarkt nimmt sie der Automat an und gibt einen Gutschein aus. Auch an der Tankstelle funktioniert die Rückgabe. Dort erhalte ich die 25 Cent bar an der Kassa. Bei der Bäckerei, dem kleinen Geschäft und dem Imbiss bleibt die Flasche bei mir.
Die Begründungen fallen kurz aus. In der Bäckerei und im Imbiss werde diese Flasche nicht zurückgenommen. Das kleine Geschäft erklärt die Ablehnung konkreter: Die Flasche gehöre nicht zum angebotenen Sortiment. Am Ende meiner Erhebung stehen zwei erfolgreiche Rückgaben und drei Ablehnungen.
Das wirkt zunächst widersprüchlich. Schließlich befindet sich auf der Flasche gut sichtbar das österreichische Pfandlogo. Dieses Zeichen bedeutet allerdings nicht, dass wir das Gebinde an jeder beliebigen Verkaufsstelle abgeben können.
Verkaufen verpflichtet zur Rücknahme
Seit Jänner 2025 werden in Österreich 25 Cent Pfand auf gekennzeichnete Einwegflaschen und Dosen aus Kunststoff oder Metall eingehoben. Wer solche Getränke an Konsumentinnen und Konsumenten verkauft, muss grundsätzlich auch Verpackungen zurücknehmen und den Pfandbetrag auszahlen. Das kann über einen Automaten oder von Hand erfolgen.
Für kleine Verkaufsstellen mit manueller Rücknahme gilt eine wichtige Einschränkung. Sie müssen nur Verpackungen annehmen, die ihrem eigenen Angebot bei Material und Füllmenge entsprechen. Verkauft ein kleines Geschäft beispielsweise ausschließlich Halbliterdosen, muss es nicht automatisch eine Einliter-Kunststoffflasche zurücknehmen. Auch die verlangte Stückzahl darf sich auf eine Menge beschränken, die dort normalerweise gekauft wird.
Damit kann die Ablehnung beim kleinen Geschäft zulässig gewesen sein. Ob auch Bäckerei und Imbiss die Flasche hätten annehmen müssen, hängt davon ab, welche Getränke sie zum Mitnehmen verkaufen und ob Material sowie Füllmenge übereinstimmen. Allein aus der Ablehnung lässt sich deshalb kein Gesetzesverstoß ableiten. Für Kundinnen und Kunden bleibt die Regel dennoch schwer durchschaubar.
1,4 Milliarden Rückgaben
Im ersten Jahr wurden in Österreich rund 1,4 Milliarden Pfandflaschen und -dosen zurückgegeben. Nach Angaben von Recycling Pfand Österreich entsprach das 2025 einer Sammelquote von 81,5 Prozent. Insgesamt kamen in diesem Jahr rund zwei Milliarden Pfandgebinde auf den Markt. Für die Rückgabe standen über 6.400 Automaten bereit.
Die große Mehrheit der Gebinde gelangte damit zurück in den Kreislauf. Meine fünf Versuche zeigen jedoch, warum viele von uns dafür lieber gleich zum Supermarkt gehen. Dort prüft der Automat den Barcode und stellt einen Bon aus. Bei kleinen Verkaufsstellen müssen wir dagegen wissen, welche Verpackungsarten sie selbst anbieten.
Elias, 17, war bereits an einem Automaten gescheitert, kannte den Grund aber nicht. „Beim Supermarkt auf jeden Fall. Bei kleineren Geschäften oder einer Tankstelle wäre ich mir nicht sicher“, sagt er über mögliche Rückgabestellen. Für eine einzelne Flasche würde er nach einer Ablehnung nicht weiterziehen. „Wenn ich mehrere Flaschen hätte und es um ein paar Euro geht, schon.“
Bei zehn Flaschen liegen immerhin 2,50 Euro Pfand im Sackerl. Bei 20 Flaschen sind es fünf Euro. Eine einzelne Ablehnung erscheint damit klein, mehrere nicht zurückgebrachte Gebinde kosten uns spürbar Geld.
Verständliches Pfand, komplizierte Rückgabe
Auch Alex, 17, ging bisher davon aus, dass Geschäfte mit Pfandflaschen diese grundsätzlich zurücknehmen. „Das Pfand selbst ist verständlich. Schwieriger finde ich zu wissen, welches Geschäft welche Flasche zurücknehmen muss.“ Für 25 Cent würde er keine weitere Verkaufsstelle aufsuchen.
Johannes, 17, würde eine abgelehnte Flasche behalten und beim nächsten Supermarkt zurückgeben. „Ich hätte aber gedacht, dass jede Pfandflasche überall zurückgegeben werden kann“, sagt er. Damit beschreibt er genau den Irrtum, der auch hinter meiner Erhebung steht: Das Logo bestätigt den Pfandwert der Verpackung, garantiert aber keine Annahme an jeder Kassa.
Das System soll dafür sorgen, dass leere Flaschen und Dosen gesammelt und wieder zu neuen Getränkeverpackungen verarbeitet werden. Die hohe Rückgabezahl aus dem ersten Jahr zeigt, dass dieser Grundgedanke ankommt. Die Regeln für kleine Verkaufsstellen folgen einer praktischen Überlegung: Eine Bäckerei oder ein Imbiss kann nicht dieselben Mengen und Verpackungsarten lagern wie ein großer Supermarkt.
Für uns bleibt die einfachste Lösung deshalb der Pfandautomat. Dort endet die Rückgabe meist nach wenigen Sekunden mit einem Gutschein. Bei meiner Flasche klappt das sofort. An drei anderen Stellen steht zwar weiterhin 25 Cent auf dem Etikett. Das Geld bleibt dort trotzdem in der Flasche.
Kommentare