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Frauen in Afghanistan arbeiten heimlich, um zu überleben

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Volontärin · Auhofschule
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12.02.2026
4 Min.

In einer Wohnung in Kabul räumt Maryam Hefte vom Teppich auf. Die Zwanzigjährige unterrichtet Mathematik und Englisch für Mädchen, deren schulische Laufbahn abrupt endete. Das Klassenzimmer ist kaum größer als eine Abstellkammer, dennoch unterrichtet sie dort weiter. Leise Stimmen, zugezogene Vorhänge, Unterricht in kleinen Gruppen. Eine Entdeckung ihrer Arbeit ist jederzeit möglich, doch sie hat keine Wahl.

Hinter dem Blick steckt Realität, die kaum jemand sieht. Frauen in Afghanistan arbeiten oft im Verborgenen, ohne Rechte, ohne Schutz, ohne Stimme. (Foto: Army Amber)

Sie backen Brot, nähen Kleidung und unterrichten Kinder: Frauen in Afghanistan arbeiten heimlich, um zu überleben.

In einer Wohnung in Kabul räumt Maryam Hefte vom Teppich auf. Die Zwanzigjährige unterrichtet Mathematik und Englisch für Mädchen, deren schulische Laufbahn abrupt endete. Das Klassenzimmer ist kaum größer als eine Abstellkammer, dennoch unterrichtet sie dort weiter. Leise Stimmen, zugezogene Vorhänge, Unterricht in kleinen Gruppen. Eine Entdeckung ihrer Arbeit ist jederzeit möglich, doch sie hat keine Wahl. Den kleinen Mädchen ist Bildung wichtig und für Maryam ist das die einzige Möglichkeit, um zu überleben. Sie erhält kleine Beiträge der Familien, manchmal nur Lebensmittel. Ihre Geschichte erschien 2023 in einem Bericht eines US-Magazins über geheime Lernräume in Kabul.

In einem anderen Stadtteil sitzt eine 47-jährige Frau im Halbdunkel an einer Nähmaschine. Sie fertigt Kleider und bestickt Stoffe für Händler, die ihre Ware heimlich abholen. Öffentlichkeit vermeidet sie. Einkommen entsteht trotzdem. „Im Geheimen zu arbeiten ist gefährlich, aber nichts zu tun ist schlimmer“, sagt die 47-Jährige. So sind Frauen in Afghanistan gezwungen, im Verborgenen zu arbeiten, um ihre Familien zu versorgen.

Diese Frauen sind jedoch keine Einzelfälle. Frauen machen 49 % der afghanischen Bevölkerung aus, doch ihre Lebensrealität ist von Unterdrückung geprägt. Tausende von Frauen kämpfen täglich, um wirtschaftlich zu überleben. Vier Jahre nach der Rückeroberung der afghanischen Hauptstadt Kabul durch die Taliban am 15. August 2021 warnen internationale Menschenrechtsorganisationen vor den sich zunehmend verschlechternden Lebensbedingungen für Frauen und Mädchen in Afghanistan. Die Taliban verbieten Frauen, das Haus ohne männliche Begleitung zu verlassen. Sie untersagen ihnen, in der Öffentlichkeit zu sprechen. Außerdem zwingen sie Frauen, sich außerhalb des Hauses vollständig zu bedecken. Darüber hinaus verweigern die Taliban Frauen jedes Recht auf Bildung und Arbeit. Der Bildungs- und Arbeitssektor in Afghanistan schließt mehr als 80 % der Frauen und Mädchen aus. Menschenrechtsorganisationen berichten zudem von zunehmender Gewalt gegen Frauen und extremer Armut, die besonders Frauen und Kinder betrifft. Rund 90 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, wobei Frauen besonders betroffen sind. Es drohen schwerste Strafen bei der Entdeckung heimlicher Arbeit. Berichte sprechen dabei von Misshandlungen, Vergewaltigungen und sogar Todesstrafen.

Durch das offizielle Arbeitsverbot für Frauen verlieren viele Familien ihr Einkommen. Somit stellt sich die Frage, wie die Frauen ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllen sollen. Trotz des bestehenden Arbeitsverbots finden Frauen und Mädchen Wege, um ein Einkommen für die Familie zu erzielen. Sie stellen Brot für ihre Nachbarn her, fertigen Kleidung an und unterrichten Kinder privat. Auch kreative Arbeiten führen sie aus, und zwar das Bemalen von Händen mit Henna für Hochzeiten. Dabei müssen sie stets Entdeckung fürchten, was schwere Konsequenzen hätte. Sie müssten mit harten Strafen rechnen und ihr gesamtes familiäres Umfeld wäre gefährdet.

Dennoch setzen Frauen ihre Arbeit fort, da es keine Alternativen gibt. Ebenfalls problematisch ist der psychische Druck, der auf den Frauen lastet. Sie tragen die Verantwortung für den Haushalt, die Kinder und das Einkommen, und das alles ohne soziale Absicherung oder rechtlichen Schutz.

Studien der 2010 gegründeten Organisation der Vereinten Nationen für die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung von Frauen und Mädchen weltweit, UN Women, zufolge hängen viele afghanische Haushalte vom Einkommen der Frauen ab. Die Mehrheit der Frauen arbeitet von zu Hause aus und verdient ihr Geld somit auf illegale Weise. Diese Form der Arbeit bietet jedoch keine Sicherheit. Für alleinerziehende Mütter bedeutet diese Situation dauerhafte finanzielle Instabilität. Laut dem Bericht erzielen Frauen kein stabiles monatliches Einkommen, das für das Überleben ihrer Familien ausreichen könnte.

Obwohl ihre Tätigkeiten unsichtbar sind, nimmt ihre wirtschaftliche Bedeutung mit jeder neuen Einschränkung zu. Auch ihre Familien, für die sie arbeiten, spielen eine Rolle. In den meisten Fällen bereiten die Frauen zu Hause die Speisen zu oder nähen Kleidung, die ihre Männer auf den Märkten verkaufen.

Sediqa Mushtaq, eine erfolgreiche Geschäftsfrau in Afghanistan, sagte, sie und andere Geschäftsfrauen waren nach der Machtübernahme der Taliban zunächst gezwungen, zu Hause zu bleiben. Zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, wie sich die neuen Taliban-Vorschriften auf Frauen im Privatsektor auswirken würden. Die bereits bestehenden Netzwerke zerfielen innerhalb kürzester Zeit und berufliche Perspektiven kamen abhanden.

Hilfsorganisationen wie Amnesty International sind bemüht, auf die Realität afghanischer Frauen aufmerksam zu machen. „Das Arbeitsverbot raubt den afghanischen Frauen ihre Rechte, aber nicht ihren Willen“, sagt eine Sprecherin der Organisation. Amnesty International setzt sich für den Schutz informeller Arbeit ein und fordert mehr Aufmerksamkeit in den internationalen Medien.

Die Risiken sind hoch. Nach wie vor sind die Familien zunehmend von der unsichtbaren Arbeit abhängig. Ohne diese verbotene Arbeit geraten zahlreiche Haushalte in existenzielle Not. Vor allem Kinder sind davon betroffen, denn das fehlende Einkommen führt zu mangelhafter Ernährung und eingeschränkten Bildungschancen.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul verkünden die Taliban weiterhin neue Verbote für Frauen und Mädchen. Ihre Arbeit bleibt verborgen, ist jedoch für zahlreiche Haushalte lebensnotwendig. Daher darf die internationale Gemeinschaft nicht wegsehen, sondern muss den Stimmen afghanischer Frauen zuhören.






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