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Frauen im Cockpit: Zwischen Vorurteilen und Fortschritt

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Volontärin · Don Bosco Schulen Vöcklabruck, HLW & BAfEP
11.02.2026
3 Min.

Nur wenige Frauen steuern weltweit Verkehrsflugzeuge. Dabei wächst der Bedarf an Pilotinnen. Der Weg ins Cockpit war lange von Vorurteilen und Hürden geprägt. Ein Blick auf mutige Pionierinnen, aktuelle Zahlen und die Frage, warum die Luftfahrtbranche heute mehr Frauen braucht als je zuvor.

Mehr Frauen im Cockpit wäre wünschenswert. (Foto: Pixabay, StockSnap)

„Das Flugzeug weiß nicht, ob Sie ein Mann oder eine Frau sind.“ Dieses bekannte Zitat stammt von Emily Howell Warner. Doch wer war diese Frau und was machte sie so besonders?

Emily Howell Warner – Pionierin der Luftfahrt

Emily Howell Warner (1939–2020) bewarb sich fünf Jahre lang erfolglos um eine Stelle als Pilotin, bis die Fluggesellschaft Frontier Airlines sie als Co-Pilotin für Boeing-737-Maschinen einstellte. Sie war 1973 die erste Pilotin, die für eine amerikanische Linienfluggesellschaft tätig war. Ein Beruf, den bis dahin nur Männer ausgeübt hatten. Doch wie gelang ihr dieser Weg?                                                    

Emily Warner erhielt mit 18 Jahren ihre Flugschülerlizenz und während sie als Sekretärin bei Clinton Aviation in Denver arbeitete, sammelte sie Flugstunden. Sie erlangte schließlich auch die Lizenzen zur Berufspilotin, Instrumentenflug, Mehrmotorenflugzeuge und Fluglehrerin. Zusätzlich arbeitete sie als Fluglehrerin und Prüferin der FAA, einer Luftfahrtbehörde. Dabei unterrichtete sie Männer, die sich zu Berufspiloten ausbilden ließen.

Amelie Melli Beese – Deutschlands erste Linienpilotin

Eine weitere mutige Pilotin war Amelie Melli Beese (1886–1925), die erste deutsche Linienpilotin, und zwar bereits 1911. Auch sie kämpfte mit vielen Vorurteilen, gab ihren Traum jedoch nicht auf und bewarb sich bei mehreren Flugschulen.

Viele Fluglehrer waren der Meinung, Frauen wären für diesen Beruf nicht geeignet, und sie besaßen auch keine Erfahrung mit Flugschülerinnen. Dennoch versuchte Beese es immer weiter, bis eine Flugschule sie aufnahm und zur Pilotin ausbildete, laut einem Bericht der ARD.

Doch bei ihrem zweiten Übungsflug setzte der Flugzeugmotor aus und Amelie Beese stürzte aus 20 Metern Höhe ab. Die Folgen waren ein gebrochener Knöchel und für ihren Fluglehrer ein vermeintlich weiterer Beweis, Frauen gehörten nicht ins Cockpit.

Der Durchbruch trotz Rückschlägen

Trotz schwieriger Umstände bestand sie am 13. September 1911 ihre Flugprüfung und erlangte als erste deutsche Frau eine Fluglizenz. Außerdem stellte sie einen neuen Weltrekord im Dauer- und Höhenflug für Frauen auf. Im darauffolgenden Jahr gründete sie ihre eigene Flugschule mit dem Namen ,,Melli Beese‘‘ in Berlin- Johannisthal.

Frauen im Cockpit heute

Doch wie sieht die aktuelle Lage aus? Es gibt weltweit wenige Berufe, in denen der Frauenanteil geringer ist als unter Verkehrspilot*innen. Weltweit sind ca. 5,8 Prozent der kommerziellen Pilot*innen, die zum Einsatz kommen, weiblich. Der Anteil in Deutschland beträgt 6,9 Prozent und an der Spitze befindet sich Indien mit 12,4 Prozent.

Ein Grund für diesen geringen Frauenanteil sind die traditionellen Rollenbilder. Frauen hatten es besonders schwer, sich in männlichen Bereichen durchzusetzen, weil die Gesellschaft die Geschlechterrollen bis vor Kurzem noch klar definierte, heißt es in einem Artikel von „Aero International“.

Der Fachkräftemangel als Chance

Durch den aktuellen Mangel an Pilot*innen kann es sich die Luftfahrtbranche jedoch kaum leisten, auf Frauen im Cockpit zu verzichten. Viele Piloten gehen in den Ruhestand und Fluglinien brauchen dringend Ersatz. Deshalb muss die Branche dringend mehr Frauen als Pilotinnen ausbilden. „Die Branche wird dadurch vielfältiger und zukunftssicher“, sagt Julia Harter, Ausbildungsleiterin der FFH Aviation Training, in einer Ausgabe von „Aero International“.

Aufgrund des Mangels an Pilot*innen versuchen viele Airlines, gezielt mehr Frauen auszubilden und sie fürs Fliegen zu begeistern. Auch die Aufstiegschancen unterscheiden sich dabei nicht. Nach der Ausbildung zur Co-Pilotin, auch First Officer genannt, besteht die Möglichkeit, zur Kapitänin aufzusteigen und später auch Ausbilder- oder Führungspositionen übernehmen.

Das Flugzeug weiß nicht, wer es fliegt. Doch es ist immer noch eine Besonderheit, wenn eine Frau im Cockpit sitzt. Diese Veränderung entscheidet sich nicht in der Luft, sondern am Boden.


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