Wirtschaft Österreich Meinung

Fit fürs Leben – aber ohne Finanzwissen?

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Volontärin · HLM HLW Krems
26.02.2026
2 Min.

Wir lernen in der Schule vieles fürs Leben, zumindest theoretisch. Doch wenn es um Steuern, Miete oder Geldanlage geht, fühlen sich viele Jugendliche plötzlich allein gelassen. Sollten Geld und Wirtschaft deshalb einen festen Platz im Stundenplan bekommen?

Wirtschaft und Finanzwissen prägen unsere Zukunft – trotzdem kommen sie im Schulalltag oft zu kurz. Sollte finanzielle Bildung deshalb einen festen Platz im Stundenplan bekommen? (Foto: Pixabay)

Ich bin 17 Jahre alt und stehe kurz vor dem Abschluss. In der Schule habe ich gelernt, Gedichte zu analysieren, chemische Formeln aufzustellen und komplexe Gleichungen zu lösen. Aber wie man eine Steuererklärung macht, was genau ein Kredit kostet oder worauf man bei einem Mietvertrag achten muss – darüber haben wir kaum gesprochen. Und ehrlich gesagt finde ich das problematisch.

Geld im Alltag junger Menschen

Geld begleitet uns ein Leben lang. Viele aus meiner Klasse arbeiten nebenbei, bestellen online oder zahlen ihre ersten Abos selbst. Trotzdem wissen die wenigsten genau, was passiert, wenn man Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlt oder wie schnell Schulden entstehen können. Prozentrechnung hatten wir zwar im Unterricht – aber niemand hat uns erklärt, was 12 Prozent Zinsen bei einem Dispokredit in der Realität bedeuten.

Unsicherheit bei Mahnungen und Schulden

Vor einiger Zeit hat mir ein Freund erzählt, dass er eine Mahnung bekommen hat, weil er eine Rechnung übersehen hatte. Er war unsicher, was das jetzt genau bedeutet: Kommen sofort zusätzliche Kosten dazu? Ist das schon ein richtiger Eintrag irgendwo? Ich habe gemerkt, dass ich ihm darauf keine klare Antwort geben konnte. In diesem Moment wurde mir bewusst, wie unvorbereitet wir eigentlich sind. Solche Situationen zeigen, wie wenig wir über alltägliche finanzielle Fragen wissen.

Bildung darf keine Glückssache sein

Ich merke auch, wie unterschiedlich das Wissen in meiner Klasse ist. Manche bekommen zuhause alles über Versicherungen, Steuern oder Sparen erklärt. Andere eben nicht. Schule sollte diese Unterschiede ausgleichen. Finanzielle Grundbildung darf keine Glückssache sein, abhängig davon, in welcher Familie man aufwächst.

Mehr Wirtschaftsunterricht – aber praxisnah

Natürlich ist unser Stundenplan voll. Aber wenn Schule uns auf das Leben vorbereiten soll, dann gehört Wirtschaft meiner Meinung nach unbedingt dazu. Nicht trocken mit endlosen Theorien, sondern praxisnah: Wie lese ich einen Vertrag? Was ist Inflation und warum betrifft sie mich?Gut vorbereitet in die Zukunft

Ich will später selbstständig Entscheidungen treffen können und verstehen, was mit meinem Geld passiert. Deshalb finde ich: Ja, wir brauchen mehr Unterricht zu Geld und Wirtschaft. Nicht, um alle zu Börsenprofis zu machen, sondern damit wir nicht unvorbereitet ins echte Leben starten.


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