Kauft ihr manchmal auf Pump, ohne es überhaupt zu merken? Ab November macht die EU genau das ein Stück schwerer, mit einer neuen Regel für "Später zahlen"-Buttons. Ich finde das gut so. Du weißt schon, was ich meine.
"Das zahl ich einfach nächste Woche." Das hat mein bester Freund gesagt, nachdem er sich gerade Sneaker um 150 Euro bestellt hat. Sein Taschengeld kommt aber erst in sieben Tagen.
Er klickt auf "Später zahlen", mitten in der U-Bahn, auf dem Heimweg von der Schule. Was er noch nicht weiß: Diese Rechnung wird ihn am Ende einiges mehr kosten als 150 Euro. In dem Moment denkt er nicht ans Bezahlen, er denkt ans Bestellen. Deshalb sage ich es klar: Finger weg von "Später zahlen".
Warum ich das für gefährlich halte
Hinter dem Button steckt meistens eine Firma wie Klarna, ein schwedisches Unternehmen, über das man in vielen Online-Shops bezahlen kann. Man bekommt die Ware sofort, die Zahlung kommt erst 30 Tage später oder in Raten.
Rechtlich ist das ein Kredit, man leiht sich Geld. Angefühlt hat es sich bei meinem Freund trotzdem wie ein normaler Einkauf. Und genau dieses Gefühl ist für mich der eigentliche Trick daran: Weil kein Konto sofort leerer wird, wirkt der Kauf wie geschenkt.
Das habe ich in der U-Bahn live gesehen: Mein Freund bestellt, obwohl er weiß, dass sein Taschengeld erst in einer Woche kommt. "Geht schon", sagt er dazu meistens. Bis es eben nicht mehr geht.
Wenn aus einem Klick Schulden werden
Wird eine Rechnung nicht bezahlt, kommt zuerst eine Erinnerung, dann eine Mahnung mit Extra-Gebühr. Im schlimmsten Fall folgt ein Inkasso-Büro, das die Schulden eintreibt, meist mit noch höheren Kosten.
Aus einem kleinen Kauf werden so schnell echte Schulden. Auf TikTok ist daraus sogar ein eigener Trend geworden: Unter #klarnaschulden zeigen junge Leute offen ihre offenen Rechnungen. Die Influencerin Leari Cheri hat auf diese Weise rund 22.000 Euro Schulden öffentlich gemacht. "Viele wissen einfach nicht, wie schnell das gehen kann", sagt sie in einer Puls4-Doku.
Wenn ich das lese, denke ich sofort an meinen Freund. Bei ihm ist es (noch) keine Inkasso-Rechnung, aber die Logik dahinter kenne ich aus erster Reihe: Ein Kauf fühlt sich harmlos an, bis mehrere davon gleichzeitig offen sind.
Nicht alle sehen es wie ich
Ich weiß, dass ich damit nicht allen aus der Seele spreche. Raphael Grünberger, 19, Student, nutzt "Später zahlen" bewusst und kontrolliert: "Ich schaue immer in die App und zahle meistens sogar früher zurück. Ich finde ihn praktisch, wenn man verantwortungsvoll damit umgeht. Man darf halt nicht vergessen, dass man das Geld trotzdem zahlen muss." Für ihn ist der Button ein Werkzeug.
Melisa Özdemir, 18, Schülerin am Sacré Coeur Wien, hat dagegen schon die Kehrseite gespürt: "Einmal hatte ich mehrere Bestellungen gleichzeitig offen und musste echt nachschauen, was ich überhaupt noch zahlen muss." Nach einer vergessenen Rechnung und einer Mahnung zahlt sie heute lieber sofort.
Beide sind sich bei einem Punkt einig, auch wenn sie unterschiedlich damit umgehen: "Wenn man das Geld nicht sofort zahlen muss, denkt man viel weniger darüber nach, ob man den Einkauf wirklich braucht", sagt Özdemir.
Genau da liegt für mich der Unterschied zwischen Raphael und meinem Freund: Es braucht Selbstdisziplin, damit aus "praktisch" nicht "gefährlich" wird. Und diese Disziplin traue ich mit 16, 17 oder 18 nicht automatisch jedem zu, mir selbst eingeschlossen.
Warum die neuen Regeln zu spät kommen
Immerhin hat die Politik das Problem erkannt. Wegen einer neuen EU-Regel muss künftig vor jedem "Später zahlen"-Kauf geprüft werden, ob sich die Person das überhaupt leisten kann, sogar schon bei Beträgen unter 200 Euro. Auch die Infos zum Kredit sollen klarer werden, die Werbung strenger geregelt. Österreich hat laut der EU-Vorgabe bis 20. November 2026 Zeit, das umzusetzen.
Für mich ist das ein richtiger Schritt, aber ein zu kleiner. Bis dahin bleibt der Button so einfach wie bisher, und mein Freund bestellt weiter, bevor sein Taschengeld überhaupt da ist. Eine Prüfung an der Kasse ändert nichts an dem Gefühl, das den ganzen Trick ausmacht: dass sich geliehenes Geld nicht wie Schulden anfühlt.
Was ich daraus mitnehme
Ein paar Dinge kann man trotzdem selbst tun. Wer "Später zahlen" nutzt, sollte es nur tun, wenn das Geld sicher in ein paar Wochen da ist, und niemals mehrere solche Käufe gleichzeitig laufen lassen. Wer schon Schulden hat, sollte nicht auf die nächste Mahnung warten. In jedem Bundesland gibt es eine kostenlose Schuldenberatung, unabhängig davon, wie hoch der Betrag ist.
Ich selbst werde den Button trotzdem nicht anklicken. Ich sehe bei meinem besten Freund live, wie leicht man sich selbst davon überzeugt, dass es "schon irgendwie geht". Vielleicht sitzen wir schon bald wieder in der U-Bahn, und er bestellt weiter, klickt weiter, sagt wieder "das zahl ich einfach nächste Woche". Nur weiß ich inzwischen: Diese Woche kommt später, als er denkt.
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