Überraschenderweise vor allem die Jugend. Gut die Hälfte der österreichischen Bevölkerung fastet, und gut 29 Prozent der Jungen sogar sehr streng. Besonders auf Alkohol wird gerne verzichtet, ob beim Dry January oder in der christlichen Fastenzeit. Auch Zucker ist als Gegenstand des Verzichtes sehr beliebt, wohingegen Fleisch und Social Media eher weniger im Vordergrund stehen. Man sieht, was der Jugend wichtig ist.
Aber warum?
Auch die Gründe sind interessant: die körperliche Gesundheit steht im Fokus. Danach kommen Selbstdisziplin, finanzielle Gründe und der Klimaschutz. Religiöse Gründe werden zwar eher selten angegeben, obwohl unsere Kultur des Fastens größtenteils daher rührt. Zwar gab es früher bestimmt andere Gründe, aber populär wurde es erst durch die christliche Kirche, besonders die katholische.
Die Scheinheiligkeit der Kirche
Für die Kirche macht es aber gar nicht wirklich Sinn, zu fasten. Denn nirgendwo in der Bibel steht, dass man es tun soll. Katholikinnen und Katholiken nehmen die Passionszeit Christi als Gelegenheit, Buße zu tun, aber warum ziehen sie so merkwürdige Schlussfolgerungen? Es basiert doch nur auf Überlieferungen aus dem 4. Jahrhundert, die eigene Seele durch Nachahmung des Leben Christi in der Wüste zu reinigen.
Das kann nicht durch Banalitäten wie den einfachen Verzicht auf Fleisch oder Süßes für vierzig Tage erlangt werden, sondern durch Gebet, Reue und die Umstellung unseres Lebens. Dennoch unterstützt die Kirche es stark, insbesondere die katholische, als Vortäuschung von Reinheit. Wasser predigen, Wein trinken, schonmal von diesem Sprichwort gehört? Wahrscheinlich kommt es aus der Fastenzeit, in der Pfarrer sich nicht an ihre eigenen Regeln halten.
Der gesundheitliche Sinn, oder der Mangel daran.
Warum werden die vierzig Tage vor Ostern als Anlass genutzt, etwas Gutes für den eigenen Körper zu tun? Es würde um einiges mehr Sinn machen, einfach das Leben umzustellen. Denn die Fastenzeit ist zu kurz, um mit einfachem Verzicht Positives zu erzielen. Sie ist nur eine Entschuldigung für einen Mangel an Durchhaltevermögen. Warum sollte ein kleiner Urlaub von ungesunden Dingen unseren Körper reparieren?
Wir sollten immer gesund leben. Und das bedeutet nicht, immer nur Salat zu essen, aber eine ausgewogene Ernährung ist doch wohl nicht zu viel verlangt, oder? Weißen Reis durch Vollkornreis ersetzen, einen Beilagensalat essen und vielleicht Nudeln mal weglassen, von raffiniertem Zucker, übermäßigem Konsum materieller Dinge und Suchtmitteln ganz zu schweigen.
Ein Schock für den Körper
Es kann sogar schlecht sein, die Ernährung kurzfristig umzustellen, da es ein Schock für unseren Körper ist, ein Sprung ins kalte Wasser und dann wieder in den Vulkan, wenn die Fastenzeit aus ist. Im Allgemeinen kann Fasten schlecht für unsere Körper sein, vor allem, wenn man sich nicht vorher damit beschäftigt hat. Wie viele Leute haben schon ihre Gesundheit durch unüberlegtes, vielleicht sogar erzwungenes Fasten beeinträchtigt? Nicht jeder Körper kann Fasten gut verarbeiten, egal, ob Social Media uns in diesem Glauben lassen möchte oder nicht.
Fasten wird nicht unsere Rettung sein. Vielleicht kann es Vorteile geben, aber im Allgemeinen ist es eher eine mickrige Entschuldigung, unsere ungesunden Gewohnheiten genauso zu lassen, wie sie am bequemsten für uns sind.
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