Es ist Freitagabend und die Nachrichtengruppe unserer Klasse läuft heiß. „Was zieht ihr morgen an?“ Die Party steht vor der Tür und plötzlich beginnt die Suche nach dem perfekten Outfit. Einige von uns öffnen sofort TikTok, andere scrollen durch Onlineshops. Ein Hoodie für 15 Euro, ein neues Shirt für weniger als zehn Euro, dazu noch ein Rabattcode von einem Influencer. Wenige Minuten später ist die Bestellung abgeschickt.
Für uns fühlt sich dieser Moment ganz normal an. Kleidung war noch nie so schnell erreichbar wie heute. Gleichzeitig versucht die Politik inzwischen, die Folgen dieses Konsums einzudämmen. Seit dem 19. Juli dürfen große Unternehmen in der EU unverkaufte Kleidung nicht mehr einfach verbrennen oder auf Deponien entsorgen. Stattdessen müssen sie sie wiederverwenden, spenden oder recyceln. Die Europäische Kommission will so die Verschwendung von Textilien verringern. Schätzungen zufolge werden in Europa jedes Jahr 4 bis 9 Prozent der unverkauften Textilien vernichtet, noch bevor sie überhaupt getragen werden.
Doch auch wenn die neue Regel ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist, löst sie das eigentliche Problem nicht. Denn solange ständig neue Trends entstehen und Kleidung immer günstiger wird, produziert die Modeindustrie weiter riesige Mengen neuer Ware. Genau hier beginnt unsere Geschichte.
Unsere Kleidung verbraucht enorme Mengen an Ressourcen
Die Modeindustrie gehört weltweit zu den Branchen mit einer besonders großen Umweltbelastung. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) verursacht die Textilbranche rund 2 bis 8 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen.
Besonders problematisch ist der hohe Wasserverbrauch. Laut der Umweltorganisation WWF benötigt die Herstellung eines Baumwollshirts durchschnittlich etwa 2.700 Liter Wasser. Diese Menge entspricht ungefähr dem Trinkwasserbedarf eines Menschen für zweieinhalb Jahre.
Fast Fashion verstärkt dieses Problem. Unternehmen produzieren Kleidung in großen Mengen, verkaufen sie günstig und bringen ständig neue Kollektionen auf den Markt. Viele Kleidungsstücke tragen wir nur wenige Male, bevor sie im Schrank verschwinden oder im Müll landen.
„Wir müssen unsere Beziehung zu Kleidung verändern. Kleidung sollte länger genutzt, repariert und wiederverwendet werden“, sagt Ellen MacArthur von der Ellen MacArthur Foundation. Die Organisation setzt sich für eine Kreislaufwirtschaft ein, bei der Produkte möglichst lange genutzt werden.
Zwischen Trend und Verantwortung
Gerade für uns ist Fast Fashion ein schwieriges Thema. Auf Social Media sehen wir täglich neue Trends. Ein Outfit, das gestern noch beliebt war, wirkt heute vielleicht schon langweilig. Gleichzeitig wollen viele von uns nicht ständig darüber nachdenken, ob jeder Einkauf nachhaltigen Kriterien entspricht.
Martin, 17, aus Wien sieht das Thema eher entspannt: „Ich finde, Kleidung muss vor allem leistbar sein. Nicht jeder kann 100 Euro für ein T-Shirt ausgeben. Wenn ich ein cooles Teil günstig bekomme und es mir gefällt, kaufe ich es auch.“
Andere sehen die Entwicklung kritischer. Maximilian, 17, aus Wien sagt: „Mir ist schon bewusst, dass billige Kleidung oft Probleme verursacht. Ich versuche deshalb, weniger spontan zu kaufen und Sachen länger zu tragen. Man muss nicht jeden Trend sofort mitmachen.“
Auch Lena, 16, aus Wien beschäftigt sich mit ihrem Konsum: „Früher habe ich oft Dinge gekauft, weil sie gerade überall auf Social Media waren. Heute frage ich mich öfter, ob ich das Kleidungsstück wirklich brauche oder ob es nur ein kurzer Trend ist.“
Von der Fabrik bis zum Kleiderschrank
Der Weg eines Kleidungsstücks beginnt oft tausende Kilometer entfernt. Baumwolle wächst beispielsweise in Ländern wie Indien oder Pakistan. Danach verarbeiten Fabriken die Materialien zu Stoffen und fertigen Kleidungsstücken. Anschließend transportieren Unternehmen die Ware in Geschäfte oder direkt zu uns nach Hause.
Auch die Herstellung selbst belastet die Umwelt. Beim Färben von Stoffen gelangen häufig Chemikalien ins Wasser. Laut der Weltbank entstehen durch die Textilfärbung rund 20 Prozent der weltweiten industriellen Wasserverschmutzung.
Eine Studie der European Environment Agency aus dem Jahr 2022 zeigt, dass Menschen in Europa durchschnittlich rund 26 Kilogramm Textilien pro Jahr kaufen. Gleichzeitig werfen sie ungefähr 11 Kilogramm Kleidung jährlich weg.
Kleine Veränderungen können viel bewirken
Nachhaltiger mit Kleidung umzugehen bedeutet nicht, nie wieder etwas Neues zu kaufen. Entscheidend ist, bewusster mit unseren Sachen umzugehen. Wer Kleidung länger trägt, Secondhand kauft oder kaputte Teile repariert, verlängert ihre Lebensdauer.
Auch Unternehmen reagieren langsam auf die Kritik. Einige Marken setzen auf recycelte Materialien oder entwickeln neue Produktionsmethoden. Trotzdem bleibt die Menge an hergestellter Kleidung eine große Herausforderung.
„Der nachhaltigste Pullover ist der, den wir bereits besitzen“, sagt die Modeexpertin Kirsten Brodde von Greenpeace Deutschland.
Vielleicht beginnt die Veränderung nicht erst beim nächsten großen Verbot oder einer neuen Regel für Unternehmen. Sie beginnt in einem kleinen Moment vor unserem Kleiderschrank. Zwischen zehn verschiedenen Shirts, die wir schon besitzen, liegt vielleicht genau das eine, das wir morgen wieder tragen könnten. Und vielleicht ist das nicht langweilig, sondern ein Zeichen dafür, dass Mode auch anders funktionieren kann.
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