Kultur Oberösterreich Meinung

Faktencheck der Lebensmittelagentur: Sind Influencer die besseren Ernährungsberater?

Kein Profil-Bild gefunden.
105
1
TOP 25 Autorin
Volontärin · borg Linz
1 Kommentar
20.07.2026
3 Min.

Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) veröffentlichte einen Faktencheck zu Ernährungstipps auf TikTok, Instagram und YouTube. Die Expertinnen und Experten wollten wissen, welche Ratschläge tatsächlich stimmen und welche eher Mythen sind. Das wirft eine besonders spannende Frage auf: Warum vertrauen gerade wir Jugendliche Influencern mehr als echten Ernährungsfachleuten?

Viele TikTok- und Instagram-Tipps für gesunde Ernährung sind unrealistisch oder sogar schädlich, ergab eine Überprüfung ducrh Experten. (Foto: Shutterstock)

Wenn ich durch TikTok scrolle, dauert es meistens keine fünf Minuten, bis mir jemand erklärt, was ich essen sollte. Mal ist Hafermilch plötzlich ungesund, dann soll Weißbrot der größte Fehler überhaupt sein und am nächsten Tag heißt es wieder genau das Gegenteil. Ehrlich gesagt weiß man irgendwann gar nicht mehr, was man eigentlich noch glauben soll.

Dass die AGES genau jetzt einen Faktencheck veröffentlicht hat, zeigt, wie groß dieses Problem inzwischen geworden ist. Untersucht wurden unter anderem Versprechen zu Proteinfasten, Nahrungsergänzungsmitteln, Entgiftungskuren und Darmreinigungen. Viele Inhalte auf Social Media klingen überzeugend, halten einer wissenschaftlichen Überprüfung aber nicht immer stand.

Zwischen Smoothie Bowls und Millionen Reichweite

Vor allem Jugendliche lassen sich davon leicht beeinflussen. Schließlich verbringen viele jeden Tag mehrere Stunden auf Social Media. Wenn man ständig dieselben Ernährungstipps sieht, beginnt man irgendwann zu glauben, dass sie stimmen müssen. Dabei vergisst man schnell, dass Reichweite nichts über Fachwissen aussagt.

Gesund oder einfach nur gut verkauft?

Natürlich gibt es Influencer, die sich intensiv mit Ernährung beschäftigen oder sogar eine entsprechende Ausbildung haben. Ihre Inhalte können motivieren und Menschen helfen, bewusster zu essen. Das Problem ist nur, dass man als Zuschauer oft gar nicht erkennt, wer tatsächlich qualifiziert ist und wer einfach überzeugend vor der Kamera spricht.

Ich ertappe mich selbst manchmal dabei, dass ich denke: Wenn das so viele liken, dann wird schon etwas dran sein. Erst später fällt mir auf, dass hinter vielen Empfehlungen Werbung steckt. Proteinpulver, Nahrungsergänzungsmittel oder Detox Produkte werden als unverzichtbar dargestellt. Oft steckt dahinter aber eine Kooperation mit einer Marke. Das muss nicht automatisch schlecht sein. Trotzdem sollte man sich fragen, ob ein Produkt wirklich empfohlen wird, weil es sinnvoll ist oder weil dafür bezahlt wurde.

Wenn Vergleiche krank machen können

Besonders kritisch wird es dann, wenn Influencer unrealistische Schönheitsideale vermitteln. Perfekte Körper, makellose Haut und scheinbar gesunde Ernährung wirken auf den ersten Blick inspirierend. Für viele Jugendliche entsteht dadurch aber Druck. Manche beginnen Kalorien zu zählen, verzichten auf ganze Lebensmittel oder entwickeln ein schlechtes Gewissen, sobald sie etwas Süßes essen.

Ich glaube, fast jeder kennt dieses Gefühl. Man sieht ein Video und denkt sich kurz, dass man sich eigentlich auch gesünder ernähren oder mehr Sport machen sollte. Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Problematisch wird es erst dann, wenn man ständig das Gefühl hat, nie gut genug zu sein.

Gesunde Ernährung sollte eigentlich Freude machen und nicht ständig mit Verzicht verbunden sein. Genau das geht auf Social Media manchmal verloren. Dort zählt oft das perfekte Bild und nicht das, was langfristig gut für den Körper ist.

Was wir wirklich brauchen

Der aktuelle Faktencheck der AGES macht deutlich, wie wichtig es ist, Informationen zu hinterfragen. Influencer können inspirieren. Sie können neue Rezepte zeigen oder Menschen motivieren, sich mehr mit ihrer Ernährung auseinanderzusetzen. Sie sollten aber keine Ärztinnen, Diätologinnen oder Ernährungswissenschafterinnen ersetzen.

Gerade in einer Zeit, in der Informationen überall verfügbar sind, wird kritisches Denken immer wichtiger. Nicht jeder virale Tipp ist automatisch richtig und nicht jede Person mit vielen Followern ist auch eine Expertin. Es lohnt sich, Informationen zu hinterfragen und verschiedene Quellen miteinander zu vergleichen.

Ich finde, Social Media kann eine tolle Inspirationsquelle sein. Ich habe dort selbst schon einfache Rezepte entdeckt oder Ideen gefunden, die ich ausprobiert habe. Trotzdem würde ich meine Gesundheit niemals ausschließlich von einem kurzen Video abhängig machen.

Influencer sind für viele längst mehr als nur Unterhaltung. Sie prägen Meinungen, Trends und auch unser Essverhalten. Das bringt Chancen mit sich, aber eben auch Verantwortung. Der aktuelle Faktencheck zeigt, dass Likes keine wissenschaftlichen Belege ersetzen. Am Ende sollte nicht die Person mit den meisten Followern entscheiden, was gesund ist, sondern fundiertes Wissen. Ein schönes Video kann motivieren. Unsere Gesundheit sollte sich aber nicht nach dem nächsten Trend richten.




Kommentare