Das Jahr 2026 startete sportlich gesehen mit der Vierschanzentournee, einem der größten Highlights des Skisprungwinters. Die jährliche Vorfreude auf dieses Event gilt allerdings immer nur den männlichen Athleten, denn zum aktuellen Zeitpunkt gibt es dieses bedeutende Event ausschließlich für Männer. Seit 2021 bietet der weltweite Skiverband FIS den Frauen die „2 Nights Tour“ als Entschädigung an, doch kann ein neu und wohl auch lieblos erfundenes Event die Differenz zu einem derart historischen verkleinern?
Warum ist es für Frauen deutlich schwieriger als für Männer, im Sport erfolgreich zu sein? Geringere Bezahlung, weniger Medienpräsenz und vor allem weniger Anerkennung, all das sind Faktoren, die es Frauen erschweren, gleiche Akzeptanz zu erlangen. Dazu kommen noch der weibliche Zyklus und die körperlichen Folgen von Schwangerschaft und Geburt. Ist gleiche Leistung also für Frauen viel weniger wert?
Der lange Weg zur Anerkennung
„Die Nachteile des Frauensports sind zum Großteil historisch bedingt“, sagt Nina Nesimovic, Kapitänin der österreichischen Frauen-Volleyballnationalmannschaft, in einem Gespräch mit der Redaktion.
Frauen waren nicht immer zu Sportbewerben zugelassen. Vor dem 20. Jahrhundert schien es, als gäbe es keinen Frauensport. Frauen durften bei keinerlei Bewerben antreten, das änderte sich erst in den 1920er-Jahren. Zu diesem Zeitpunkt gewann der Frauensport an Popularität und Frauen begannen sich für ihre Teilnahme an Wettkämpfen einzusetzen.
Einen weiteren Entwicklungsschub gab es dann in den 1960er-Jahren: Die ersten Sportverbände interessierten sich für Frauen und in den USA entstand die erste Frauen-Fußballnationalmannschaft. Doch gleichberechtigt war die Situation für Frauen auch da noch nicht. So meldete sich Kathrine Switzer für den Boston-Marathon 1967 – Frauen waren noch nicht zugelassen – unter dem Namen K. Switzer an, und vorerst schöpfte niemand Verdacht. Doch während des Rennens fiel dem Renndirektor Jock Semple auf, wie sie, eine Frau, mit offizieller Startnummer am Wettkampf teilnahm. Er versuchte ihr diese abzureißen, was ihm allerdings nicht gelang. Somit absolvierte Switzer als erste Frau einen Marathon mit einer Zeit von 4:20 Stunden.
Weniger gesehen, weniger gezahlt
„Wir leisten die gleiche Arbeit, investieren genauso viel Zeit und trainieren hart, dementsprechend möchte ich auch wertgeschätzt werden und das Gehalt bekommen, das ich verdiene, unabhängig von meinem Geschlecht“, sagt Nina Nesimovic weiter. Der sogenannte Gender-Pay-Gap, der den Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern darstellen soll, ist in annähernd allen Sportarten wiederzufinden. Ein durchschnittlich erfolgreicher männlicher Athlet verdient mindestens 15 Prozent mehr als die erfolgreichsten Athletinnen.
Mit ein Grund dafür ist die deutlich geringere Medienpräsenz im Frauensport. Nesimovic ist sich dieses Problems bewusst: „Es ist schade, dass der Frauensport dermaßen untergeht. Wir haben so viele talentierte Mädchen, doch die Öffentlichkeit kennt kaum welche.“ Eine genauere Betrachtung verdeutlicht, für jeden männlichen „Young Star“, beispielsweise im Fußball, lässt sich in den Medien die Aussage finden, wie erfolgreich er für sein Alter sei. Doch wann gab es zuletzt ein weibliches Supertalent?
Es beginnt schon bei der Übertragung der Events. Der ORF, Österreichs bekanntester Sender, muss festlegen, was genau er in ORF 1 überträgt. Auf ein Event aus dem Frauensport fällt die Entscheidung selten. Wer beispielsweise den Frauenskisprungweltcup verfolgen möchte, muss dies meistens in der Mediathek tun. Die Fernsehzuschauer*innen finden die Übertragung also nur, wenn sie konkret danach suchen. Das verringert wiederum die Zuschaueranzahl deutlich. Die Übertragung des Männerbewerbs ist hingegen immer auf ORF 1 zu finden. Dies wirkt sich auf die Sponsoren und Werbepartnerfirmen, die eine der Haupteinnahmequellen für Sportler*innen und auch Veranstalter*innen darstellen, aus. Durch die geringere Zuschaueranzahl erwarten sich Sponsoren auch weniger Wirksamkeit, was sie davon abhält, in den Frauensport zu investieren.
Frauen bekommen weniger Preisgeld
Ein deutliches Beispiel ist der Vergleich zwischen Jacqueline Seifriedsberger und Michael Hayböck, zwei oberösterreichische Skisprungidole. Beide gleich alt, beide annähernd gleich erfolgreich, eigentlich gleiche Voraussetzungen, oder etwa doch nicht? Die großen Unterschiede in Hinsicht auf Gehalt und öffentliche Wahrnehmung sind eindeutig. Durch die ähnlichen Erfolge sollte auch das Preisgeld vergleichbar sein, doch das ist nicht der Fall. Wie die offizielle FIS-Homepage verrät, bekommt ein Springer 13.962 Euro für einen Weltcupsieg, wohingegen eine Springerin nur ein Drittel davon erhält. Der Veranstalter eines Männerbewerbs muss ein Preisgeld von 92.476 Euro stellen, das sich dann auf die besten 30 Springer aufteilt.
Bei einem Frauenbewerb hingegen liegt es bei nur 32.467 Euro, was einem Drittel des Preisgeldes der Männer entspricht. Ein Vergleich der Fernsehzuschauerzahlen zeigt den nächsten großen Unterschied. Während ein Männerbewerb durch eine Übertragung des ORF Spitzenwerte von mehr als einer Million Zuschauer*innen erreicht, schafft ein Bewerb der Frauen statistisch nur 120.000 Zuschauer*innen.
All das zeigt den Aufholbedarf in vielen Bereichen der Gendergerechtigkeit im Sport. Doch einige Verbesserungen sind in Aussicht, so soll ab der Saison 2026/27 eine identische Vierschanzentournee für Frauen und Männer kommen. Ein nächster Schritt in Richtung Gleichberechtigung, viele weitere mögen folgen.
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