In den alten Schulvideos auf Snapchat sind meine Freunde und ich noch viel jünger. Wir lachen, machen Blödsinn und halten Momente fest, die damals ganz selbstverständlich waren. Als ich mir die Aufnahmen vor wenigen Tagen wieder ansehe, merke ich, wie sehr mir diese Zeit fehlt. Ich rufe meine Freunde an und wir machen uns gleich etwas aus. Aus dem Anschauen der alten Videos wird so ein Anlass, uns wieder zu treffen.
Solche Aufnahmen gehören für mich zu den wertvollsten Dingen auf Snapchat. Ich nutze die App seit Jahren und kann dort viele Momente aus unserer gemeinsamen Schulzeit wiederfinden. Doch zwischen den Erinnerungen ist bei mir inzwischen auch eine andere Nachricht aufgetaucht: Mein Speicher reicht nicht aus. Wie viele Gigabyte die Videos belegen, sagt schließlich wenig darüber aus, was sie mir bedeuten.
99 Cent im Monat, aber nur vorerst
Inzwischen habe ich Snapchat+ abonniert. Dafür zahle ich im Rahmen eines Angebots 99 Cent pro Monat. Später wird es teurer, den anschließenden Preis habe ich allerdings nicht im Kopf. Bei mir zeigt sich ein Widerspruch: Ich finde, der Speicher für unsere Erinnerungen sollte kostenlos bleiben. Trotzdem habe ich ein Abo abgeschlossen.
Die Bezahlpläne sind keine neue Ankündigung dieses Septembers. Snap stellte sie am 26. September 2025 vor. Das Unternehmen begründete den Schritt damit, Aufnahmen langfristig speichern und die Funktion weiterentwickeln zu wollen. Kostenlos bleiben laut Snapchat bis zu fünf Gigabyte. Zusätzlichen Speicher gibt es etwa mit Snapchat+ oder über einen eigenen Speichertarif. Die Preise unterscheiden sich je nach Markt und Angebot.
Archiviert heißt etwas anderes als gelöscht
Wer im Netz nach den Regeln sucht, kann auf widersprüchliche Angaben stoßen. Auf der Verkaufsseite des Exportprogramms SnapRescue steht: „Snapchat löscht Erinnerungen ab dem 1. September 2026.“ Die aktuelle Snapchat-Hilfe widerspricht dieser Behauptung: „Snapchat löscht deine Memorys nicht automatisch, wenn du kein Upgrade vornimmst.“ Memorys nennt die Plattform ihre gespeicherten Fotos und Videos.
Ohne Upgrade beginnt die Archivierung nach den derzeitigen Regeln im Januar 2027. Sie betrifft Aufnahmen, die älter als ein Jahr sind und außerhalb der ältesten fünf Gigabyte liegen. Die Aufnahmen des letzten Jahres sowie die ältesten fünf Gigabyte bleiben zugänglich.
Archivierte Bilder und Videos bleiben gespeichert, erscheinen in der App jedoch nur als kleine Vorschaubilder. Wer sie dort öffnen, bearbeiten oder teilen möchte, braucht zusätzlichen Speicher. Als Alternative nennt Snapchat den Download für die Nutzung außerhalb der App. Betroffene sollen vorher einen Hinweis erhalten.
Für uns ist diese Unterscheidung wichtig: Die Warnung vor verschwundenen Videos erzeugt einen anderen Druck als die Entscheidung, für den gewohnten Zugriff in der App zu zahlen. Auch eine Aufnahme, die noch gespeichert ist, lässt sich hinter einer solchen Zugangsbeschränkung nur eingeschränkt nutzen.
Wir haben dort Jahre gesammelt
Snapchat gehört für viele zum Alltag. Im Jugend-Internet-Monitor 2026 von Saferinternet.at gaben 65 Prozent der Befragten an, die App zu nutzen. Das Institut für Jugendkulturforschung befragte dafür 500 Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren in Österreich.
Bei meinen Schulvideos lässt sich diese Entscheidung ohnehin schwer auf einen Preis pro Gigabyte reduzieren. Mich interessieren die Menschen in den Aufnahmen und die Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit. Für einen Anbieter ist Speicher eine Leistung, die er verkaufen kann. Für mich gehören diese Dateien zu meinem Leben. Wenn eine jahrelang kostenlose Funktion Geld kostet, betrifft das auch mein Vertrauen in die App, der ich solche Momente anvertraut habe.
Eine Kopie außerhalb der App
Ich habe Fotos und Videos auch in meiner Handygalerie gespeichert. Ob eure wichtigsten Aufnahmen außerhalb von Snapchat vorhanden sind, lässt sich am besten prüfen, bevor ihr über zusätzlichen Speicher entscheidet. Eine Datei sollte sich dort tatsächlich öffnen lassen. Eine weitere Kopie auf einem anderen Gerät oder Datenträger schützt außerdem vor dem Verlust des Handys.
Für den Export bietet Snapchat einen eigenen Weg an: In den Einstellungen lässt sich unter „Meine Daten“ die Option „Deine Memorys exportieren“ auswählen. Nach der Anfrage kommt eine E-Mail, sobald der Export bereitsteht. Über die heruntergeladene Datei und die darin enthaltene Übersicht können anschließend die Aufnahmen gespeichert werden. Bei umfangreichen Sammlungen kann die Bereitstellung mehrere Tage dauern. Ein zusätzlich gekauftes Exportprogramm ist für diesen offiziellen Weg keine Voraussetzung.
Die alten Schulvideos haben mich dazu gebracht, meine Freunde wieder anzurufen. Ob ich in ein paar Jahren noch für Snapchat+ zahle, ist offen.
Kommentare