Ich musste dieses Jahr leider diese Erfahrung machen und egal, wie ich versucht habe dagegenzuwirken, alles trieb meine Kollegen nur noch mehr dazu, es mir noch schwerer zu machen. Ich hatte alles durch: Ich habe die Kommentare ignoriert, ich habe die Person konfrontiert, ich habe mir Unterstützung von anderen Kollegen und Kolleginnen geholt. Aber das Allerschlimmste, was ich machen konnte: Ich habe es meinem Klassenvorstand gemeldet.
Versteht mich nicht falsch, natürlich bin ich ihm unendlich dankbar dafür, dass er sich meine Probleme angehört hat und nicht nur den betreffenden Personen, sondern allen Kollegen klargemacht hat, dass so ein Verhalten nicht tolerierbar ist. Doch leider kam das bei manchen Kollegen nicht an. Im Gegenteil, die Konfrontation der Kollegen hat vor allem für mich alles nur schlimmer gemacht.
Die Folgen einer Meldung
Vor der Konfrontation waren es „nur“ die typischen Sprüche: Ich hätte gute Noten, weil ich mit dem Professor geschlafen hätte, oder wenn ich Kritik geäußert habe, sei ich zickig, weil ich meine Periode hätte. Klar, alles respektlose Kommentare, aber was mich nach der Konfrontation erwartete, hätte ich niemals gedacht.
Nicht nur machten die Kollegen sich darüber lustig, plötzlich wurde darüber geredet, für wie viel Geld ich meinen Kollegen „einen blasen würde“. Ein Kollege sagte mir, dass er abends auf mich masturbieren würde, und dass man mir bei solchen Kommentaren auf den Rücken oder auf die Schulter fassen müsse, ist natürlich selbstverständlich.
Sobald man solche Personen konfrontiert, bekommt man statt Verständnis nur Sätze wie „Stell dich nicht so an“ oder „Ich habe nur deinen Rücken berührt“. Solche wiederkehrenden Situationen haben dazu geführt, dass ich wochenlang nicht in die Schule gehen wollte, dass ich, sobald ich nur in der Nähe des Gebäudes war, extreme Übelkeit bekam, dass mein Herz gerast hat und dass ich nachts nicht mehr einschlafen konnte. Nach meinen Erfahrungen und den Gesprächen, die ich mit anderen geführt habe, betrifft das nicht nur mich.
Das eigentliche Problem
Natürlich sind viele Schulen bereits dabei, den technischen Bereich für junge Frauen attraktiver zu gestalten, aber die Attraktivität ist leider meistens nicht das Problem. Auch an meiner Schule wird daran gearbeitet. Wir haben sogar eine Gemeinschaft, bei der sich die Mädchen aktiv vernetzen können und sich abteilungsübergreifend regelmäßig treffen. Es werden auch regelmäßig Workshops für Mädchen gehalten, wie man mit solch einem Verhalten von Kollegen umgeht. Nur ändert das Wissen darüber, wie ich damit umgehe, nichts daran, wie meine Kollegen sich mir gegenüber verhalten.
Natürlich sollte man auch mit den Betroffenen reden und versuchen, ihnen zu helfen, aber es macht keinen Sinn, wenn man das Problem nicht an der Quelle bekämpft. Es muss nicht einmal ein Vortrag oder irgendetwas Kostspieliges sein, aber bei wiederholten sexistischen Kommentaren und übergriffigen Verhalten wäre es das Minimum, dass solche Personen endlich einmal Konsequenzen erfahren.
Bei einem Vorfall lasse ich mir noch einreden, dass ein Gespräch sinnvoll ist, aber bei wiederkehrendem sexistischem Verhalten reicht ein Gespräch zumindest in meiner Situation nicht aus, sondern erschwert den Betroffenen den Alltag in der Schule. Dabei geht es nicht darum, dass jede Situation sofort mit den härtesten Konsequenzen bestraft werden muss. Gespräche können ein wichtiger erster Schritt sein. Aber wenn ein Verhalten wiederholt auftritt und trotz Gesprächen keine Veränderung eintritt, muss es auch weitere Maßnahmen geben.
Wenn Schulen wirklich mehr Frauen für technische Bereiche begeistern wollen, reicht es nicht aus, Mädchen zu ermutigen, sich durchzusetzen und mit schwierigen Situationen umzugehen. Es muss genauso daran gearbeitet werden, ein Umfeld zu schaffen, in dem respektloses Verhalten nicht normalisiert wird und in der betroffene Personen darauf vertrauen können, dass eine Meldung nicht alles schlimmer macht.
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