Vor ein paar Tagen bin ich in meinem Zimmer mit dem Knie gegen meinen Schreibtischsessel gestoßen. Es tat nicht besonders weh, trotzdem sagte ich sofort: „Entschuldigung.“ Erst eine Sekunde später merkte ich, dass ich mich gerade bei einem Sessel entschuldigt hatte.
Seitdem achte ich darauf, wie oft Menschen mit Gegenständen sprechen. Meine Mutter sagt manchmal „Na komm schon“ zur Kaffeemaschine, wenn sie nicht sofort funktioniert. Ein Freund von mir beschimpft seinen Drucker, als würde dieser absichtlich kurz vor einer Abgabe kein Papier mehr ausdrucken. Wenn jemandem ein Glas aus der Hand rutscht, höre ich manchmal ein erschrockenes „Nein!“, als könnten wir das Glas noch davon überzeugen, nicht auf dem Boden zu fallen.
Warum wir mit Dinge reden
Eigentlich ist das seltsam. Wir wissen natürlich, dass ein Sessel keine Entschuldigung erwartet und dass ein Drucker nicht beleidigt ist. Trotzdem behandeln wir Dinge für einen kurzen Moment wie Lebewesen. Vielleicht liegt es daran, dass wir ständig versuchen, einen Grund für das zu finden, was passiert. Es ist angenehmer zu denken, dass der Drucker stur ist, als zu akzeptieren, dass technische Geräte manchmal einfach nicht funktionieren.
Vielleicht sprechen wir aber auch mit Dingen, weil wir unsere Reaktionen nicht schnell genug stoppen können. Wer es gewohnt ist, sich zu entschuldigen, wenn er jemanden anrempelt, sagt eben auch „Entschuldigung“, wenn diesmal nur ein Möbelstück im Weg steht. Die Höflichkeit ist dann schneller als der Verstand.
Seit meiner Beobachtung finde ich solche Momente nicht mehr nur komisch. Sie zeigen auch, wie schwer es uns fällt, vollkommen allein zu sein. Sobald niemand da ist, machen wir eben die Kaffeemaschine, den Computer oder den Sessel zu unserem Gesprächspartner. Und manchmal sind Gegenstände sogar ziemlich geduldige Zuhörer. Sie antworten nicht, widersprechen nicht und erzählen niemandem weiter, was man ihnen gesagt hat.
Trotzdem hoffe ich, dass mein Sessel meine Entschuldigung angenommen hat. Schließlich war es eigentlich eher seine Schuld.
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