Gestern Abend wollte ich eigentlich nur kurz TikTok schauen, bevor ich schlafen gehe. Ich dachte mir: fünf Minuten, dann lege ich das Handy weg. Aus fünf Minuten wurden fast 40, weil immer wieder ein neues Video kam, das mich interessiert hat. Als ich schließlich auf die Uhr schaute, war ich überrascht, wie schnell die Zeit vergangen war. Genau solche Momente kenne ich gut, und sie haben mich dazu gebracht, mich genauer mit der Frage zu beschäftigen, warum wir manchmal einfach nicht aufhören können zu scrollen.
Warum kann Doomscrolling zum Problem werden?
Besonders schwierig finde ich es, wenn ich viele negative Nachrichten sehe. Eigentlich möchte ich nur kurz wissen, was passiert ist. Dann sehe ich aber noch eine Meldung und noch ein Video und scrolle immer weiter. Genau dieses ständige Konsumieren negativer Inhalte wird oft als Doomscrolling bezeichnet.
Forschungen zeigen, dass problematische Social-Media-Nutzung bei jungen Menschen mit verschiedenen Auswirkungen auf die Gesundheit zusammenhängen kann. Eine große Auswertung von 182 Studien mit mehr als 1,1 Millionen jungen Menschen untersuchte unter anderem den Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und psychischer Gesundheit. Dabei zeigte sich, dass problematische Nutzung unter anderem mit mehr psychischen Belastungen verbunden sein kann.
Was das im Alltag bedeutet, merkt man zum Beispiel an der Stimmung. Wenn man sehr viel Zeit damit verbringt, sich mit negativen Nachrichten, Vergleichen oder ständig neuen Reizen zu beschäftigen, kann das dazu führen, dass man sich gestresster oder schlechter fühlt. Social Media ist also nicht automatisch schlecht – entscheidend ist auch, wie man es nutzt und ob man noch selbst bestimmen kann, wann Schluss ist.
Ein weiterer Punkt ist der Schlaf. Eine Übersichtsarbeit über Jugendliche fand einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Smartphones und sozialen Medien und schlechterem Schlaf. Das kann im Alltag schnell auffallen: Wenn ich abends noch lange am Handy bin, wird aus „nur noch fünf Minuten“ plötzlich eine halbe Stunde oder mehr. Dadurch gehe ich später schlafen und bin am nächsten Morgen möglicherweise müder. Besonders ungünstig ist es, wenn das Handy direkt neben dem Bett liegt und man bei jeder Benachrichtigung wieder darauf schaut.
Was hilft mir persönlich?
Mir hilft es am meisten, das Handy nicht ständig in Reichweite zu haben. Wenn ich zum Beispiel für eine Arbeit lernen muss, lege ich es nicht neben mein Heft, sondern ein Stück weiter weg. Dadurch kann ich nicht automatisch danach greifen, sobald mir langweilig wird oder ich bei einer Aufgabe nicht weiterkomme. Wenn ich es wirklich brauche, kann ich natürlich hingehen und es holen – aber ich entscheide dann bewusst darüber.
Auch abends versuche ich, das Handy nicht direkt neben mein Bett zu legen. So ist die Versuchung kleiner, noch schnell TikTok oder Instagram zu öffnen. Dadurch merke ich eher, wann ich eigentlich müde bin und schlafen gehen sollte.
Ich finde deshalb nicht, dass wir komplett auf Handys oder Social Media verzichten müssen. Viel wichtiger ist, dass wir merken, wenn die Nutzung uns im Alltag stört, und dann bewusst Grenzen setzen. Für mich bedeutet das vor allem: Nicht der Feed soll entscheiden, wann ich aufhöre – sondern ich selbst.
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