Ein Video geht noch.. und noch eines.. und noch eines..

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TOP 50 Autorin
Volontärin · BRG Kufstein
26.08.2026
3 Min.

Nur noch ein Video. Dann noch eines. Und plötzlich ist eine Stunde vorbei. Für viele Jugendliche ist dieses Szenario ganz normal. Das Handy liegt beim Frühstück neben dem Teller, während der Hausübung auf dem Tisch und abends neben dem Bett. Eine kurze Nachricht auf WhatsApp, ein paar TikToks oder ein Blick auf Instagram gehören für viele ganz selbstverständlich zum Alltag. Doch warum fällt es uns eigentlich so schwer, das Handy einfach wegzulegen?

Peiff aufs Handy! Ich geh lieber auf den Berg (Foto: Hanna Michlmayr)

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie stark soziale Medien inzwischen zum Alltag Jugendlicher gehören: Laut dem Jugend-Internet-Monitor 2026 nutzen in Österreich 82 Prozent der 11- bis 17-Jährigen WhatsApp, 76 Prozent YouTube, 65 Prozent Snapchat sowie jeweils 64 Prozent TikTok und Instagram. Die Studie wird jährlich von Saferinternet.at durchgeführt und basiert auf einer repräsentativen Befragung österreichischer Jugendlicher.

Das Problem ist also nicht, dass Jugendliche überhaupt soziale Medien nutzen. Es beginnt dort, wo aus freiwilliger Nutzung ein Gefühl von Kontrollverlust wird.

„Ich wollte eigentlich nur kurz schauen“

Genau das kennen viele Jugendliche: Man öffnet TikTok, weil man kurz abschalten möchte. Nach einigen Minuten merkt man, dass man längst länger dort ist als geplant. Danach warten noch die Hausübung, das Lernen für die Schularbeit oder das Schlafengehen.

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt, dass dieses Verhalten nicht nur ein subjektives Gefühl ist. Für ihren Bericht wurden Daten von fast 280.000 Jugendlichen aus 44 Ländern und Regionen ausgewertet. Zwischen 2018 und 2022 stieg der Anteil jener Jugendlichen, die Anzeichen einer problematischen Social-Media-Nutzung zeigten, von 7 auf 11 Prozent. Problematisch bedeutet dabei unter anderem, dass die Betroffenen Schwierigkeiten haben, ihre Nutzung zu kontrollieren und dadurch negative Folgen entstehen.

Besonders interessant: Die WHO kommt nicht zu dem Schluss, dass Social Media grundsätzlich schlecht für Jugendliche ist. Soziale Netzwerke können Freundschaften stärken, Unterhaltung bieten und Jugendlichen ermöglichen, sich mit anderen über ihre Interessen auszutauschen. Entscheidend ist vielmehr, wie und wie intensiv sie genutzt werden.

Der Vergleich mit anderen

Ein weiterer Punkt ist der ständige Vergleich. Auf Instagram oder TikTok sieht man scheinbar ständig Menschen mit perfekten Körpern, tollen Urlauben, neuen Kleidern, Partys oder einem aufregenden Leben. Das Problem dabei: Social Media zeigt meistens nicht den Alltag, sondern eine ausgewählte Version davon.

Eine Jugendliche könnte beispielsweise nach einem anstrengenden Schultag nach Hause kommen und sich auf TikTok zehn Videos von Menschen ansehen, die scheinbar ständig Spaß haben. Obwohl sie rational weiß, dass diese Videos nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben anderer zeigen, kann trotzdem der Gedanke entstehen: „Warum ist mein Leben nicht so?“

Gerade für Jugendliche kann das belastend sein, weil sich in dieser Lebensphase die eigene Identität und das Selbstbild noch stark entwickeln. Die WHO weist ebenfalls auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern hin: 13 Prozent der befragten Mädchen zeigten Anzeichen problematischer Social-Media-Nutzung, bei Burschen waren es 9 Prozent.

Aber ist das Handy wirklich der Feind?

Ganz so einfach ist es nicht. Stell dir vor, ein Freund zieht in eine andere Stadt. Ohne WhatsApp, Snapchat oder Instagram wäre es deutlich schwieriger, regelmäßig Kontakt zu halten. Auch für Jugendliche können soziale Medien ein wichtiger Treffpunkt sein. Man verschickt Fotos, organisiert Treffen, tauscht sich über die Schule aus oder findet Menschen mit denselben Interessen.

Auch deshalb wäre ein komplettes Verbot wahrscheinlich keine Lösung. Viel wichtiger ist die Frage, ob Jugendliche lernen, bewusst mit diesen Plattformen umzugehen.

Das wird auch in Österreich immer wichtiger. Der Jugend-Internet-Monitor 2026 zeigt nicht nur, dass soziale Netzwerke weiterhin stark genutzt werden. Gleichzeitig verändert sich die digitale Welt ständig: Künstliche Intelligenz wie ChatGPT wird für Jugendliche ebenfalls immer bedeutender.

Damit wächst eine Generation heran, die nicht nur lernen muss, wie sie digitale Medien benutzt, sondern auch, wann sie sie besser nicht benutzt.

Vielleicht wäre deshalb eine einfache Frage vor dem nächsten Öffnen von TikTok gar nicht so schlecht:

„Will ich gerade wirklich etwas anschauen, oder mache ich es einfach, weil ich es gewohnt bin?“ Denn vielleicht liegt die größte Herausforderung der digitalen Welt nicht darin, das Handy aus der Hand zu legen.

Sondern darin, überhaupt zu merken, wann man es eigentlich in der Hand hat.

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