21 von 25 Laptops ließen sich bei meiner Kontrolle über USB-C laden. Dafür besuchte ich MediaMarkt, Hartlauer, electronic4you, Cyberport und E-Tec. Besonders auffällig war ein MacBook Pro. Es kann über seine USB-C-Anschlüsse geladen werden, benötigt je nach Größe und Ausstattung jedoch deutlich mehr Leistung als ein Smartphone. Der Stecker sieht gleich aus, doch beim Netzteil können zwischen einem Handy und einem leistungsstarken Laptop über 100 Watt Unterschied liegen.
Genau hier beginnt die Verwirrung. Wer einen USB-C-Anschluss sieht, könnte annehmen, jedes vorhandene Kabel und Netzteil funktioniere gleich gut. Bei vier der 25 kontrollierten Laptops war USB-C zwar vorhanden, der Anschluss diente aber nicht zum Laden. Daraus folgt noch kein Gesetzesverstoß: Die neue Regel gilt für Laptops, die seit dem 28. April 2026 neu auf den EU-Markt gebracht werden. Geräte, die schon davor auf dem Markt waren, dürfen weiterhin verkauft werden.
Ein Anschluss, verschiedene Leistungen
Elias, 17, kannte die neue Regel für Laptops noch nicht. „Ich wusste, dass das bei Handys vereinheitlicht wurde, aber bei Laptops nicht“, sagt er. Von einem einheitlichen Anschluss erwartet er auch ein einheitliches Ladeerlebnis: „Wenn überall derselbe Anschluss drauf ist, würde ich automatisch denken, dass ich auch dasselbe Ladegerät verwenden kann.“
Ganz so einfach ist es nicht. USB-C beschreibt zunächst die Form des Steckers. Wie viel Strom ein Netzteil und ein Kabel übertragen können, hängt von ihrer technischen Ausstattung ab. Für Geräte mit einer Ladeleistung von über 15 Watt schreibt die EU-Regel USB Power Delivery vor. Dabei handeln Gerät und Netzteil aus, welche Leistung übertragen wird.
Ein zu schwaches Netzteil beschädigt einen kompatiblen Laptop deshalb normalerweise nicht. Es kann jedoch sehr langsam laden oder bei starker Nutzung weniger Energie liefern, als der Laptop gleichzeitig verbraucht. Apple weist etwa darauf hin, dass ein MacBook bei zu geringer Leistung einen langsamen Ladevorgang anzeigen kann. Für aktuelle MacBook-Pro-Modelle empfiehlt das Unternehmen abhängig von Größe und Ausführung Netzteile mit unterschiedlichen Leistungen. USB-C bedeutet hier also: Der Anschluss passt. Es bedeutet nicht automatisch, dass jedes Netzteil gleich schnell lädt.
„Dann würde ich wahrscheinlich erst einmal denken, dass das Kabel oder der Laptop kaputt ist“, sagt Elias über ein zu schwaches Netzteil. Seine Reaktion zeigt, warum die Wattangabe wichtig wird. Wer einen Laptop kauft, muss künftig nicht nur auf den Anschluss schauen, sondern auch darauf, wie viel Leistung das Gerät mindestens benötigt.
Was auf der Verpackung stehen muss
Die EU-Regel soll uns ermöglichen, vorhandene Ladegeräte für unterschiedliche Geräte weiterzuverwenden. Neue betroffene Laptops müssen über einen zugänglichen USB-C-Ladeanschluss verfügen. Hersteller müssen außerdem angeben, welche Mindestleistung zum Laden benötigt wird und welche Leistung für die höchste Ladegeschwindigkeit erforderlich ist. Ein Symbol auf der Verpackung informiert darüber, ob ein Netzteil enthalten ist.
Alex, 17, sieht darin einen Vorteil, aber auch ein neues Problem. „Der gemeinsame Stecker ist praktisch. Für normale Käufer ist aber schwer verständlich, warum zwei USB-C-Netzteile gleich aussehen und trotzdem nicht dasselbe können.“ Er würde einen Laptop ohne beigelegtes Netzteil kaufen, wenn klar angegeben ist, welche Leistung notwendig ist und sein vorhandenes Netzteil ausreicht.
Hersteller dürfen Laptops sowohl mit als auch ohne Ladegerät anbieten. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen wählen können, ob sie ein neues Netzteil brauchen. Das kann Elektroschrott reduzieren. Für uns bringt diese Wahl jedoch nur dann etwas, wenn die Angaben im Geschäft verständlich sind. Sonst sparen wir zwar ein zusätzliches Netzteil, merken zu Hause aber, dass das vorhandene Gerät zu schwach ist.
Vier Geräte passen noch nicht ins Versprechen
Die vier Laptops aus meiner Erhebung, die trotz USB-C-Anschluss nicht darüber geladen werden konnten, zeigen eine Übergangsphase. In den Geschäften stehen neue Modelle neben Geräten, die bereits vor dem Stichtag auf den Markt gebracht wurden. Anhand des Anschlusses allein lässt sich deshalb nicht erkennen, ob ein Laptop unter die neue Vorschrift fällt.
Meine Kontrolle in fünf Geschäften ist keine repräsentative Untersuchung des gesamten österreichischen Marktes. Sie zeigt aber, was uns beim Kauf begegnet: Bei einer deutlichen Mehrheit war USB-C-Laden möglich, einzelne Geräte durchbrachen diese Erwartung. Gleichzeitig reichte die Information „USB-C vorhanden“ nicht aus, um die passende Ladeleistung zu kennen.
Johannes, 17, hätte einen Laptop mit seinem vorhandenen Netzteil einfach ausprobiert. „Ich hätte ehrlich gesagt nicht gewusst, dass derselbe Anschluss unterschiedliche Wattzahlen haben kann.“ Ein Laptop ohne beigepacktes Netzteil wäre für ihn bei einem hohen Kaufpreis zunächst ungewohnt. Besitzt er bereits ein passendes, hält er ein weiteres aber für unnötig.
Genau darin liegt der Nutzen der neuen Regel: Wir können Ladegeräte länger verwenden und müssen auf Reisen im besten Fall weniger Netzteile einpacken. Vor dem Kauf bleiben trotzdem zwei Fragen entscheidend: Lässt sich der Laptop wirklich über USB-C laden, und wie viele Watt braucht er? Der Stecker liefert darauf nur die halbe Antwort.
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