„Spring jetzt!“, ruft einer meiner Freunde lachend vom Wasser aus. Ich stehe oben auf einem dicken Ast, spüre die raue Rinde unter meinen Füßen und schaue auf das türkisblaue Wasser unter mir. Für einen kurzen Moment wird alles ruhig. Ich hole tief Luft, stoße mich ab und lasse los. Der Wind rauscht an mir vorbei, bevor ich mit einem lauten Platschen im Wasser lande. Als ich wieder auftauche, höre ich schon das Lachen meiner Freunde. In solchen Momenten wird mir jedes Mal klar, warum ich dieses Hobby so liebe.
Jeder Ausflug beginnt mit der Suche
Auch wenn wir manchmal von Felsen, manchmal von Bäumen oder mit einem Rope-Swing ins Wasser springen, nennen wir unser Hobby einfach Klippenspringen. Diese Abwechslung macht jeden Ausflug besonders. Meistens wissen wir schon, welche Seen oder Flüsse wir besuchen wollen. Trotzdem halten wir unterwegs immer wieder Ausschau nach neuen Spots. Man weiß nie, welche geheimen Ecken man noch so entdeckt.
Schon die Ankunft gehört für mich dazu. Die Rucksäcke landen im Gras, Handtücher werden ausgebreitet und irgendjemand springt als Erstes zur Abkühlung ins Wasser. Gemeinsam schauen wir uns die Stelle an, prüfen die Wassertiefe und überlegen, von wo aus gesprungen werden kann. Erst wenn wir sicher sind, dass alles passt, springt überhaupt jemand.
„Ich schaue lieber einmal zu viel nach als einmal zu wenig“, erzählt mein Freund Simon. „Wenn ich kein gutes Gefühl habe, lasse ich den Sprung lieber aus.“
Auch bei uns springt nicht jeder von derselben Höhe. Manche probieren lieber kleinere Sprünge aus, andere wagen sich weiter nach oben.
„Mir reicht manchmal schon der Rope-Swing“, sagt mein Bruder Levi lachend. „Hauptsache, wir verbringen gemeinsam einen coolen Tag am Wasser.“
Mein Lieblingsspot
Mein Lieblingsspot liegt am Wörthersee in Reifnitz. Klippen gibt es dort zwar keine, dafür aber hohe Bäume, von denen wir ins Wasser springen können. Zwischen den Ästen hängen Rope-Swings, die wir immer wieder erneuern. Wenn ein Seil schon alt ist oder eine Sprosse morsch geworden ist, bringen wir gemeinsam neue an. Irgendwie gehört das schon genauso dazu wie das Springen selbst.
Das Wasser dort ist an sonnigen Tagen unglaublich türkisblau. Wenn die Sonne darauf scheint, sieht es fast aus wie am Meer. Oft bleiben wir bis zum Abend. Dann wird der Himmel langsam orange und rosa, die Sonne verschwindet hinter den Bergen und der Wörthersee wird ganz ruhig. Wenn wir dort bis zum Sonnenuntergang bleiben, möchte eigentlich niemand von uns als Erster nach Hause fahren.
Schon auf der Heimfahrt beginnt das nächste Abenteuer
Auf der Heimfahrt im Auto reden wir fast immer schon über den nächsten Ausflug. Wir erzählen uns, welche Sprünge heute am meisten Spaß gemacht haben, welche am beeindruckendsten waren und was wir beim nächsten Mal ausprobieren möchten. Oft zeigt dann noch jemand ein Video von einem Sprung, den er auf Social Media gesehen hat. Gemeinsam überlegen wir, ob wir etwas Ähnliches irgendwann an einem passenden und sicheren Spot ausprobieren könnten. Diese Gespräche gehören für mich genauso zu unserem Hobby wie der Sprung selbst.
Sicherheit geht vor
Für meine Eltern klingt das Ganze trotzdem ziemlich riskant.
„Passt einfach auf euch auf“, sagt meine Mama jedes Mal, bevor wir losfahren. „Ich weiß, dass euch das Spaß macht, aber ihr müsst trotzdem vernünftig bleiben.“
Ich kann ihre Sorge gut verstehen. Deshalb springen wir nie einfach drauflos. Wir prüfen jede Stelle sorgfältig, achten aufeinander und niemand wird dazu überredet mitzumachen. Wer sich an einem Sprung nicht wohlfühlt, schaut einfach zu. Gleichzeitig motivieren wir uns gegenseitig, auch einmal etwas Neues auszuprobieren, aber nur, wenn sich jeder dabei sicher fühlt.
Mehr als nur ein Sprung
Für mich geht es beim Klippenspringen nicht nur um den Moment in der Luft. Es geht um den ganzen Tag. Gemeinsam draußen sein, stundenlang im Wasser bleiben, lachen, neue Ideen sammeln und Erinnerungen schaffen.
Als wir am Abend nach Hause fahren, sind wir müde und die Haare noch nass. Trotzdem überlegen wir schon wieder, welchen Spot wir als Nächstes besuchen wollen. Vielleicht ist das der Grund, warum dieses Hobby für mich zum Sommer dazugehört. Es geht nicht darum, möglichst hoch oder spektakulär zu springen. Es geht um gemeinsame Erlebnisse, Vertrauen, die Zeit mit Freunden und das Gefühl, den Sommer draußen am Wasser zu verbringen. Jeder Spot, jeder Sprung und jeder Sommertag bleibt auf seine eigene Art in Erinnerung.
Kommentare