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Ein Spiel dem Freund leihen? Bald Geschichte

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
30.08.2026
4 Min.

Ab Januar 2028 stellt Sony die Produktion neuer PlayStation-Spiele auf Disc ein. Die PS6 kommt wohl ganz ohne Laufwerk. Xbox steuert in dieselbe Richtung, verpackt sie aber freundlicher. Die offene Frage: Was heißt "ein Spiel kaufen" dann noch?

Ab 2028 produziert Sony keine neuen PlayStation-Discs mehr, die PS6 kommt wohl ohne Laufwerk - Xbox geht denselben Weg, nur mit sanfterer Verpackung. (Foto: Kasra Askari)

Ein Spiel durchgezockt, dem Freund in die Hand gedrückt, danach auf Willhaben weiterverkauft. Jahrzehntelang war das normal. Bald geht das nicht mehr.

Am 1. Juli kündigte Sony im PlayStation Blog an: Ab Januar 2028 produziert der Konzern keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc. Neue Titel gibt es dann nur als Download oder als "Code in der Box" - eine Verpackung im Regal, in der statt einer Disc nur ein Download-Code steckt.

Sonys Schnitt

Schon gekaufte und ältere Spiele bleiben auf Geräten mit Laufwerk weiter spielbar. Betroffen sind nur neue Titel ab 2028.

Sony begründet den Schritt mit dem veränderten Kaufverhalten. Digitale Verkäufe hätten die Disc längst überholt. Dazu spart der Konzern Produktion, Logistik und Plastik.

Finanzchefin Lin Tao bestätigte den Kurs beim Geschäftsbericht im August. Ein Zurück gibt es nicht.

Für die PS6, die vielen Gerüchten zufolge Ende 2027 kommt, heißt das: wahrscheinlich kein fest verbautes Laufwerk mehr, höchstens ein externes als Zubehör.

Wie schnell der Wandel geht, zeigt GTA 6. In der Ladenverpackung des Spiels steckt keine Disc, sondern ein Download-Code.

Ibrahim Turak, 17, Schüler aus Wien, kauft am liebsten physisch. "Wenn ich ein Spiel wirklich mag, find ich's schon cooler, wenn die Disc bei mir im Regal steht. Digital ist halt bequemer, aber irgendwie fühlt sich das nicht gleich an", erzählt Ibrahim.

"Gekauft" heißt nicht "besitzen"

Kurz nach der Ankündigung verschickte Sony eine Mail an alle Spieler. Der Inhalt: Im PS Store gekaufte Spiele sind kein Eigentum, sondern eine Lizenz.

Der Unterschied ist im Alltag spürbar. Eine Disc lässt sich verleihen, verschenken, weiterverkaufen. Eine digitale Lizenz bleibt am Konto hängen.

Der Gebrauchtmarkt lebt vom Weitergeben. Auf Willhaben wechseln gebrauchte Spiele täglich den Besitzer, der Wiener Laden VideoGamePalace kauft ganze Sammlungen an. Ein gebrauchtes Disc-Spiel kostet weniger als ein neues und bringt beim Weiterverkauf wieder Geld. Eine gelöschte digitale Lizenz bringt nichts.

Ibrahim macht es so. "Gebrauchte Spiele kauf ich ziemlich oft über Willhaben oder tausch sie mit Freunden. Wenn ich weiß, dass ich ein Spiel nach dem Durchspielen eh nicht mehr angreif, verkauf ich's meistens wieder. Dann kriegst du zumindest noch ein bisschen Geld zurück."

Die britische Händlervereinigung ERA kritisiert Sony scharf. Die Ankündigung sei "ein Triumph der Bequemlichkeit über die Wahlfreiheit der Verbraucher", so ERA-Chefin Kim Bayley in einem Statement. Millionen Menschen entschieden sich bewusst für eine physische Kopie, weil sie echten Besitz schätzten.

Und Xbox?

Auf den ersten Blick wirkt Microsoft als Gegenpol. Auf den zweiten kaum.

Xbox hat ein "Disc-to-Digital"-Programm gestartet, für Insider ab 31. August 2026. Wer eine Disc einlegt und das Spiel startet, wandelt sie in eine digitale Lizenz um. Die Disc funktioniert weiter.

Der Clou laut einem Bericht von play3: Diese Lizenz lässt sich anders als sonst übertragen, also verkaufen oder verschenken. Das Prinzip erinnert an Nintendos Game-Key-Cards.

"Unser Ziel ist es, dass diese Bibliotheken problemlos mit den Spielern in die Zukunft wandern", so Jason Ronald, Vice President of Next Generation bei Xbox, in einem Xbox-Wire-Beitrag.

Klingt freundlich. Trotzdem ist die Richtung dieselbe. Die kommende Xbox, im Umlauf unter dem Namen Helix, soll ein Hybrid aus PC und Konsole werden - und wohl ohne Laufwerk. Das Umwandel-Programm wirkt wie die Vorbereitung darauf.

Bequemlichkeit gegen Wahlfreiheit

Für viele Spieler ist digital längst Alltag. Kein Aufstehen, kein Discwechsel, sofort loslegen. Downloads sind oft schneller verfügbar, im Sale manchmal günstiger, und ein zerkratztes Spiel gibt es nicht.

Dagegen steht die andere Seite. Wer eine Sammlung aufbaut, will sie behalten und irgendwann weitergeben. Wer schlechtes Internet hat, lädt ein 100-Gigabyte-Spiel nur schwer herunter. Und wer knapp bei Kasse ist, kauft gebraucht oder tauscht mit Freunden.

Ibrahim sieht vor allem die Abhängigkeit. "Dass es vielleicht irgendwann gar keine Discs mehr gibt, find ich schon schade. Gerade bei älteren Spielen ist es cool, wenn man die einfach aus dem Regal nehmen und einlegen kann. Bei einem digitalen Spiel bist du halt komplett vom Store abhängig."

Beide Sichtweisen sind berechtigt. Die Entscheidung darüber treffen jetzt aber die Konzerne.

Und dann?

Der Freund fragt nach dem Spiel, das gerade durch ist. Bei einer Disc heißt die Antwort: nimm mit. Bei einer Lizenz am eigenen Konto bleibt nur ein Achselzucken.

Ibrahim Turak bringt die Zwickmühle auf den Punkt. "Für mich ist schon wichtig, dass ich das Spiel irgendwie wirklich besitze. Wenn ich nur eine Lizenz hab und irgendwann der Store das Spiel nicht mehr anbietet, ist das halt was anderes. Trotzdem kauf ich auch digitale Spiele, wenn sie deutlich billiger sind."



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