„Das macht 4,80 Euro.“ Meine Freundin hält ihre Karte ans Terminal. Ein kurzer Piepton, und schon ist der Einkauf bezahlt. Sie steckt die Karte wieder ein, nimmt ihren Kaffee und geht weiter. Kein Geldbeutel, kein Kleingeld, kein Moment, in dem sie sieht, wie viel Geld gerade ihre Hand verlässt.
Früher hätte sie einen Schein oder ein paar Münzen aus dem Geldbeutel genommen und dabei genau gesehen, was sie ausgibt. Heute dauert es zwei Sekunden: Karte hinhalten, Piepton, fertig.
Genau das passiert ihr immer wieder. Zwei Euro für einen Snack, drei Euro für etwas zu trinken und zwischendurch noch schnell etwas im Laden. Jeder einzelne Einkauf fühlt sich nach wenig an. Erst wenn sie später auf ihr Konto schaut, merkt sie: „Oh, das war jetzt doch mehr als gedacht.“ Aus vielen kleinen Beträgen ist plötzlich eine ziemlich große Summe geworden.
Vielleicht ist genau das der seltsame Effekt des kontaktlosen Bezahlens: Das Geld ist genauso schnell weg wie der Piepton – nur fühlt es sich nicht immer so an. Natürlich wird genauso viel Geld vom Konto abgebucht. Trotzdem fehlt der Moment, in dem sie das Geld tatsächlich aus der Hand gibt.
Kleine Einkäufe werden schnell viel
Das Problem sind oft nicht die großen Einkäufe, sondern die vielen kleinen. Zwei Euro hier, drei Euro dort. Jeder einzelne Betrag wirkt harmlos.
Meine Freundin erzählt, dass sie sich bei kleinen Einkäufen selten fragt, ob sie das Geld wirklich ausgeben möchte. Wenn sie Hunger hat, kauft sie sich einen Snack. Wenn sie unterwegs Durst bekommt, holt sie sich etwas zu trinken. Wenn sie im Geschäft etwas Interessantes sieht, ist die Karte schnell am Terminal.
Wenn solche Ausgaben jeden Tag dazukommen, entsteht am Ende eine überraschend große Summe. Gerade weil das Bezahlen so einfach ist, fällt die Entscheidung für einen spontanen Kauf leichter.
Auch Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Zahlungsart unser Ausgabeverhalten beeinflussen kann. Eine bekannte Studie aus dem Journal of Consumer Research zeigte, dass Menschen bei Kartenzahlungen eher bereit waren, mehr für einen Einkauf auszugeben als bei Barzahlung. Bargeld kann den Preis also unmittelbarer spürbar machen.
Bequemlichkeit hat ihren Preis
Kontaktloses Zahlen hat natürlich viele Vorteile. Niemand möchte an einer langen Schlange stehen und erst noch nach Münzen suchen. Mit Karte oder Handy geht der Bezahlvorgang schnell und unkompliziert.
Genau diese Geschwindigkeit kann aber auch zum Problem werden. Wenn das Bezahlen nur noch ein kurzer Handgriff ist, wird aus der Kaufentscheidung fast eine Nebensache. Besonders bei Dingen, die ursprünglich gar nicht geplant waren, kann das dazu führen, dass schneller Geld ausgegeben wird.
Meine Freundin merkt das vor allem dann, wenn sie am Ende der Woche auf ihr Konto schaut. Einzelne Einkäufe kann sie sich kaum noch ins Gedächtnis rufen. Trotzdem sind sie alle auf dem Konto zu sehen.
Was ist etwas eigentlich wert?
Dabei stellt sich auch die Frage, ob wir noch richtig einschätzen, was Dinge wert sind. Geld auf dem Konto fühlt sich für viele Menschen weniger greifbar an als Bargeld in der Hand.
Wenn meine Freundin einen 20-Euro-Schein ausgibt, sieht sie sofort, dass dieser Schein weg ist. Beim kontaktlosen Bezahlen sieht sie meistens erst später eine Zahl auf ihrem Konto, die kleiner geworden ist. Der Verlust fühlt sich dadurch weniger unmittelbar an.
Das bedeutet nicht, dass kontaktloses Bezahlen automatisch dazu führt, zu viel Geld auszugeben. Aber die fehlende sichtbare Verbindung zwischen Geld und Einkauf kann es leichter machen, bei kleinen Ausgaben den Überblick zu verlieren.
Bewusster bezahlen
Deshalb muss meine Freundin nicht auf Karte oder Handy verzichten. Viel wichtiger ist, dass sie ihre Ausgaben bewusst wahrnimmt. Ein regelmäßiger Blick auf das Konto oder ein festgelegtes Budget kann schon helfen.
Sie versucht inzwischen, sich vor allem bei kleinen Spontankäufen kurz zu fragen: Brauche ich das wirklich, oder kaufe ich es nur, weil das Bezahlen so einfach ist?
Am Ende ist es egal, ob mit Bargeld, Karte oder Handy bezahlt wird. Wichtig ist, dass die Bequemlichkeit nicht dazu führt, dass Käufe einfach nebenbei passieren.
Denn hinter jedem kurzen Piepton steckt echtes Geld. Und vielleicht sollten wir uns genau daran öfter erinnern.
Kommentare