Das Pack öffnet sich, Licht zieht über den Bildschirm. Statt Mbappés Goldkarte erscheint ein anderer Spieler; die eingesetzten FC Points, also die mit echtem Geld erhältliche Spielwährung, sind weg.
Am 25. September erscheint FC 27, früher FIFA, als erster Teil der Reihe mit einer PEGI-16-Einstufung. Eine neue PEGI-Regel macht die bezahlten Zufallspacks in Ultimate Team für die höhere Einstufung verantwortlich. Das orange Zeichen gilt für das gesamte Spiel, obwohl die bezahlten Zufallspacks nur in diesem einen Modus vorkommen.
„Ich bin mit FIFA aufgewachsen und spiele es, seit ich sechs bin, mit meinem Bruder oder Freunden“, erzählt Siddarth, 17, aus meiner alten Klasse. „Es macht für mich keinen Sinn, das ganze Spiel ab 16 zu beschränken.“
160 Euro und fünf Punktepakete
Die Standardversion kostet bei PlayStation 79,99 Euro. Die Ultimate Plus Edition kostet 159,99 Euro und ist nur bis 31. August erhältlich. Wer sie vorbestellt, darf ab 18. September spielen, eine Woche vor dem regulären Start.
Dazu kommen bis zu 10.000 FC Points. EA teilt sie in fünf Pakete: Beim ersten Einstieg springt der Punktestand auf 2.000. Vier weitere Pakete mit jeweils 2.000 Punkten folgen monatlich.
Unter den angebotenen Kartenpacks stehen Prozentwerte für mögliche Kartenarten, aber kein Spielername. Wer ein Pack auswählt, kennt die Wahrscheinlichkeiten, aber nicht das Ergebnis. Der Kauf ist bereits abgeschlossen, wenn die Animation beginnt und sich zeigt, welcher Fußballer darin steckt.
Packs können auch erspielt werden. Für PEGI entscheidend sind die bezahlten Zufallsobjekte: Euro werden zu FC Points, die Punkte zu einem Pack und das Pack zu einer zufälligen Karte.
Zwei Schachteln, 13 Altersjahre
PEGI stellte die neuen Kriterien im März vor. Seit Juni erhalten neu eingereichte Spiele mit „bezahlten Zufallsobjekten“ PEGI 16. PEGI 18 ist für Social-Casino-Spiele vorgesehen, die typische Casinospiele nachahmen.
PEGI-Direktor Dirk Bosmans erklärt, die neuen Alterszeichen sollten „das gesamte Spielerlebnis besser widerspiegeln“.
FC 26 behält seine alte Einstufung. Im Regal kann deshalb bald die grüne Drei des Vorgängers direkt neben der orangefarbenen 16 von FC 27 stehen. Auf beiden Schachteln sind Fußballer zu sehen. Den Unterschied verursacht das Menü abseits des Rasens.
Was 1.155 Jugendliche über Lootboxen zeigen
Eine Studie von David Zendle, Rachel Meyer und Harriet Over untersuchte 1.155 Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren. Hohe Ausgaben für Lootboxen traten häufiger gemeinsam mit problematischem Glücksspielverhalten auf.
Welche Seite den Zusammenhang auslöst, blieb offen. Lootbox-Forscher David Zendle sagte bei einer Anhörung der US-Handelsbehörde FTC: „Wir wissen nicht, ob Lootboxen problematisches Glücksspiel antreiben oder Menschen mit Glücksspielproblemen einfach dazu neigen, mehr auszugeben“ (aus dem Englischen übersetzt).
Julian, 17, aus meiner Parallelklasse, würde nur Ultimate Team beschränken. „Auch ich bin mit FIFA aufgewachsen. Das normale Spiel sollte für alle zugänglich bleiben“, sagt er. „In Ultimate Team kauft man Packs und weiß vorher nicht, was darin steckt. Das ist quasi wie Glücksspiel. Deshalb würde ich nur diesen Modus ab 16 einstufen.“
Ein eigenes Alterszeichen für Ultimate Team gibt es nicht. Die orange 16 steht auf dem gesamten Spiel.
Wenn die Schachtel an der Kassa liegen bleibt
Ein 15-Jähriger legt FC 27 in einem Wiener Geschäft auf die Kassa. Die Verkäuferin sieht vorne die orange 16. Nach § 10 des Wiener Jugendschutzgesetzes darf sie ihm das Spiel nicht verkaufen. Die Schachtel wandert zurück ins Regal.
In einem anderen Bundesland kann dieselbe Zahl anders wirken. Laut Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von digitalen Spielen hat jedes Bundesland ein eigenes Jugendschutzgesetz. PEGI 16 schafft daher kein österreichweites Spielverbot.
Beim Download gibt es weder Schachtel noch Verkäuferin. Konto und Jugendschutzeinstellungen können das Spiel anhand der Altersfreigabe sperren und Ausgaben begrenzen. Das funktioniert nur, wenn sie entsprechend eingerichtet sind.
Mbappé steckt nicht im ersten Pack. Wie viele öffnen wir noch, bevor wir aufhören, auf ihn zu hoffen?
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