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Ein paar Ideen zum Wirtschaftsunterricht für Minister Christoph Wiederkehr

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
23.07.2026
4 Min.

Wirtschaft soll als eigenes Schulfach kommen – darüber wird derzeit viel diskutiert. Doch wie müsste moderner Wirtschaftsunterricht aussehen, damit er Jugendlichen wirklich etwas bringt? Ideen dafür gibt es viele: von Unternehmern und Finanz-Influencern im Klassenzimmer bis hin zu Schülerfirmen und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

 

Wie sollte moderner Wirtschaftsunterricht aussehen? Unternehmer, Finanz-Influencer und praktische Projekte könnten den Unterricht lebensnäher und spannender machen. (Foto: APA-Images / APA / HANS KLAUS TECHT )


Thomas Kehl sitzt ausnahmsweise nicht vor seiner Kamera, sondern vor einer Klasse. Der Gründer des YouTube-Kanals „Finanzfluss“, der es auf mehr als eine Million Follower gebracht hat, erklärt, warum Geduld an der Börse oft wichtiger ist als der nächste Geheimtipp. Niemand in der Klasse schaut heimlich aufs Handy. Alle lauschen gebannt, denn Kehl weiß, wie er sein Publikum fesselt. So zumindest stelle ich mir eine Unterrichtsstunde mit ihm vor.

Was soll das sein, Wirtschaftsunterricht?

Alle reden vom Wirtschaftsunterricht, allen voran Bildungsminister Christoph Wiederkehr, und das zu Recht. Die Welt, die auf uns wartet, bietet keine festen Dauerjobs und kein verlässliches Rentensystem mehr. Wir Schülerinnen und Schüler haben kapiert, dass wir uns mit Geld auskennen müssen, um in ihr zu bestehen. Doch wie soll dieser Unterricht eigentlich aussehen? 

Einer meiner Vorschläge: Holen wir doch einfach Influencer wie Kehl in die Schulen, und schon sind wir mit Begeisterung mitten in einer Materie, die wir eben noch für staubtrocken gehalten haben. Immerhin haben Influencer von Berufs wegen die Gabe, komplizierte Sachverhalte einfach zu erklären. Die Lehrerinnen und Lehrer werden deshalb nicht überflüssig. Nach einer Influencer-Stunde liefern sie Arbeitsblätter zu den jeweiligen Inhalten oder analysieren mit uns das Gehörte. Und falls so ein Influencer zu teuer kommt, können die Schilen auch mit ihren Videos arbeiten.

Starke Unternehmer

Das gleiche wie für Influencer gilt auch für Unternehmer. Wie geht unternehmerischer Erfolg? Welches Wissen braucht es in einer Bäckerei, um Kunden zufrieden zu stellen? Wie schafft es ein niedergelassenes Sportgeschäft, online Kunden zu gewinnen? Wie lässt sich in Österreich ein Start-up finanzieren? Der erfolgreiche Gründer Florian Gschwandtner könnte erzählen, welche Entscheidungen die Lauf-App "Runtastic" groß gemacht haben. Der Waldviertler Johannes Gutmann könnte erklären, warum "Sonnentor" auf Qualität statt auf den niedrigsten Preis gesetzt hat. Investor Michael Altrichter könnte mehrere Geschäftsideen vorstellen und uns fragen, in welche wir investieren würden. 

All das lässt sich erzählen wie kleine Abenteuergeschichten und die Authentizität erledigt den Rest. Ich wette, dabei würden mehr neue Unternehmer als durch die besten Schulbücher über Firmengründungen entstehen. Die Schulbücher braucht es dann auch, aber zuerst müssen die Emotion, das Echte und das Unmittelbare kommen, das Persönliche.

Besonders spannend fände ich übrigens eine Stunde, in der Unternehmer nicht über ihren größten Erfolg sprechen, sondern über ihren größten Fehler. Warum ist ein Produkt gefloppt? Warum hat eine Geschäftsidee nicht funktioniert? Aus solchen Geschichten lernen wir vielleicht mehr als aus jeder Erfolgsgeschichte.

Eine Schülerfirma statt der nächsten Schularbeit

Parallel dazu könnten wir Schülerfirma gründen. Ich denke dabei nicht an ein Rollenspiel. Wir sollten dafür ein echtes Budget bekommen. Wir entwickeln eine Idee, kalkulieren Kosten, legen Preise fest, gestalten Werbung und versuchen, Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Vielleicht verkauft eine Klasse nachhaltige Schulartikel. Eine andere organisiert einen Fahrradservice oder entwickelt eine App für den Schulalltag. Entscheidend wäre nicht die schönste Präsentation, sondern die Frage, ob Menschen das betreffende Produkt tatsächlich haben wollen.

Scheitert eine Idee, wäre das kein Grund für eine schlechte Note im Zeugnis. Im Gegenteil: Dann analysieren wir gemeinsam, woran es gelegen hat. War der Preis zu hoch? Hat niemand das Angebot gebraucht? Haben wir die falsche Zielgruppe angesprochen? So arbeiten erfolgreiche Unternehmen ja wohl jeden Tag. Warum sollten wir das nicht schon in der Schule erleben?

KI als Mitarbeiter 

Auch Künstliche Intelligenz gehört für mich in einen modernen Wirtschaftsunterricht. Eine Klasse entwickelt eine Geschäftsidee und gibt sie einer KI. Innerhalb weniger Sekunden erstellt sie einen Businessplan, schlägt Preise vor und entwickelt eine Marketingstrategie. Danach beginnt unsere eigentliche Arbeit: Wir prüfen die Vorschläge.

Hat die KI wichtige Kosten vergessen? Ist die Zielgruppe realistisch? Würde dieses Produkt tatsächlich jemand kaufen? Welche Annahmen klingen überzeugend, halten aber keiner genaueren Prüfung stand? So lernen wir auch gleich einiges über Künstliche Intelligenz. 

Andere Länder zeigen, wie Wirtschaft praktisch wird

Österreich muss Wirtschaftsunterricht nicht komplett neu erfinden. Andere Länder zeigen bereits, welche Ideen funktionieren. In Baden-Württemberg lernen Schülerinnen und Schüler im Fach „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung“, wie Wirtschaft mit ihrem Alltag zusammenhängt. Sie vergleichen Verträge, planen Haushaltsbudgets und beschäftigen sich mit beruflichen Entscheidungen. Diese Themen gehören auch in den österreichischen Wirtschaftsunterricht. Wer die Schule verlässt, sollte wissen, worauf es bei einem Handyvertrag, einer Versicherung oder einem ersten Arbeitsvertrag ankommt.

England geht einen anderen Weg. Im Fach "Business Studies" entwickeln Jugendliche eigene Geschäftsideen, schreiben Businesspläne und präsentieren sie vor einer Jury. Eine Idee, die eine hochkarätige Jury überzeugt, ist wahrscheinlich fast schon markttauglich.

Estland verbindet Wirtschaft mit Digitalisierung. Schülerinnen und Schüler entwickeln dort digitale Projekte und beschäftigen sich damit, wie Technologie Unternehmen verändert. Diese Verbindung zwischen Wirtschaft und Zukunft passt zu einer Arbeitswelt, in der künstliche Intelligenz und digitale Geschäftsmodelle immer wichtiger werden.

Analyse des Gehaltszettel 

Was ebenfalls im Wirtschaftsunterricht passieren muss, ist die Analyse eines Gehaltszettels. 2.000 Euro brutto, aber bloß 1.600 netto. Warum bleibt so wenig übrig? Wofür zahlen wir Sozialversicherung? Wie funktioniert die Lohnsteuer? Warum verliert Geld durch Inflation an Wert? Was passiert mit einem Kredit, wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöht? Was ist die Europäische Zentralbank überhaupt? 

Noten passen in so einen Unterricht eigentlich nicht. Schließlich geht es nicht bloß um ein Fach, in dem sich alles Nötige im Zweifelsfall einfach anlernen lässt, sondern um Grundfertigkeiten zur Bewältigung einer erfolgreichen Zukunft. Statt Noten schlage ich deshalb einen Wirtschaftsführerschein vor. Der ist für unser ganzes weitere Leben wahrscheinlich ein wichtigeres Papier als ein Maturazeugnis. 







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