Es war an einem Mittwoch-Nachmittag. Ich stieg wieder bei meinem üblichen Straßenbahn am Reumannplatz ein, nachdem ich das eine Produkt im Libro nicht finden konnte. Ich ging all den Weg ganz bis zum Ende des Waggons. Bei manchen Straßenbahnen gibt es dort Sitzplätze und bei manchen nur eine gelbe Anlehnstange.
Mit jeder Station wurde die Straßenbahn leerer und leerer, bis in meiner Abteilung nur noch 2 bis 3 Fahrgäste waren. Es gab keinen Grund, da ganz hinten auf der Anlehnstange zu sitzen und mein Rücken an das Fenster zu lehnen, da es dutzende von freien Sitzplätzen gab, aber das war ich, das war angenehm für mich. Also saß ich dort und spielte mein Puzzle-Spiel auf mein Handy. Ich fühlte, wie die Straßenbahn die typische lange Abbiegung machte, alles dasselbe wie am Tag davor. Ganz normal!
Aus den Lautsprechern tönte es Raxstraße, nur noch ein paar Stationen bis ich aussteige, doch etwas passierte, eine ganz kleine Sache. Die anderen zwei Leute, die sich an den Haltegriffen anhielten und redeten, bekamen bestimmt nicht mit, was das eine junge Mädchen da getan hatte.
Ein Mädchen, in meinem Alter vielleicht, kam schnell gerannt und konnte die Straßenbahn in der letzten Minute einholen. Hinter ihr gab eine alte Dame ihr Bestes, die Straßenbahn einzuholen. Sie erreichte die Türe und drückte den Knopf, aber die Türen gingen nicht auf.
Schadenfreude in der Straßenbahn
Auf der anderen Seite der Türe stand das Mädchen, das es noch geschafft hatte, und lachte die alte Frau aus, obwohl sie ihr helfen hätte können, indem sie die Türe für sie offen gehalten hätte. Als die Frau noch verzweifelt versuchte die Türen zu öffnen, indem sie den Knopf mehrmals drückte, verspottete das Mädchen sie, indem sie ebenfalls grindend den Knopf drückte.
Die Straßenbahn fuhr auf jeden Fall los und ich sah das Gesicht der alten Frau. Ihre Augen waren auf das Mädchen in der Straßenbahn gerichtet, voller Enttäuschung. Das Mädchen grinste einfach weiter und winkte der alten Frau vergnügt zu. Dann beschäftigte sie sich amüsiert mit ihrem Handy.
Als das alles passierte, stand ich mit weit offenem Mund da und schaute das Mädchen mit großene und schockierten Augen an. Sie sah so schön und süß aus, doch was sie getan hatte, zeigte mir das Gegenteil von ihrem Aussehen.
Ich fragte mich: "Warum? Warum hatte sie das getan? Kannte sie die Frau? Gab es einen Grund dafür? Machte sie das immer?"
Ich schaute im Waggon herum, ob irgendjemand anderer es auch mitbekommen hatte. Die zwei Personen an den Haltegriffen unterhielten sich weiterhin ungerührt. Oder vielleicht hatten sie es auch gesehen, sich aber entschieden, die Sache nicht zu hinterfragen.
Wir näherten uns der nächsten Station. Es sah so aus, als ob das Mädchen da aussteigen würde. Es waren schon 6 Minuten vergangen, und in diesen 6 Minuten hatte ich schon eine ganze Argumentation und Fragen in meinem Kopf vorbereitet. Die Frage: "Warum hast du das getan?" lag mir auf der Spitze meiner Zunge, doch die Wörter kamen nicht raus.
Warum?
Jetzt stellte ich mitr die Frage selbst, aber ich wusste keine Antwort. Vielleicht, weil es ohnedies zu spät dafür war? Oder weil ich das Gefühl hatte, sie würde es eh nicht jucken? Ich wusste es nicht, und schon bevor ich sogar das Flüstern eines Wortes rausbringen konnte, stieg das Mädchen aus.
Ich saß träge da. Für einen Moment ließ ich meine Schultern sinken, als hätte ich sie unbewusst gespannt, für diese Fragen, die ich dann nicht stellte. Eine Fut von Emotionen überschwemmte mich, ein Mix aus Enttäuschung und Frustration, um genau zu sein.
Ich starrte leer zur Türe, wo vor zehn Minuten und dreißig Sekunden etwas Trauriges geschehen war. "Warum?" Stimme und Mut für diese Frage hatten mir gefehlt.
Es ist ironisch, wie in mir eine große Unruhe tobte, wobei das Leben aber keine Rücksicht darauf nahm und einfach weiterging, bis ich schließlich an meiner Station aussteigen und meinen Weg nach Hause nehmen musste.
Was ursprünglich eine Befragung war, die ich für eine anderes Mädchen im Kopf vorbereitet hatte, wurde schließlich zu einer Befragung über mich selbst und meinen eigenen Charakter.
Kommentare