Es war ein Kind im Königshaus,
in Kleidern hell wie Blütentau.
Es lief barfuß durchs hohe Gras,
wenn Sommergold auf Wiesen saß.
Das Haar floss mit dem Wind dahin,
der Stoff hob leicht sich an im Sinn
als wagte selbst die Luft nur sacht,
das Kind zu streifen in der Pracht.
Und wenn es lächelnd vor dir stand,
lag heller Tag auf jedem Land.
Man wusste kaum im Sonnenschein,
ob Licht vom Himmel oder von es sei.
So kostbar war das Königskind,
dass selbst die alten Bäume lind
die Äste tiefer sinken ließen,
als wollten sie es leis beschützen.
Die Spatzen sangen sanfter dort,
der Wind verlor sein raues Wort,
als wüsste selbst die stille Welt,
wie zart ein solches Leben hält.
Bald sollte es achtzehn Sommer zählen,
die goldne Krone erstmals wählen.
Schon lag im Saal das Feierkleid
aus Lindencreme und Seidenweiß bereit.
Da sah es einst ein junger Ritter,
sein Herz ward still und dann erschüttert.
Unter der Linde blieb er steh’n
und konnte kaum noch weitergeh’n.
Von da an kam er Tag um Tag
zur Wiese, wo das Königskind lag.
Er spielte dort dieselbe Weise,
ganz leise nur, ganz warm und leise.
Nicht Ruhm, nicht Gold begehrte er —
nur einen Blick, und nichts noch mehr.
Und manchmal hob das Kind den Blick,
und jeder Atem ward ihm Glück.
Doch an einem bleichen Junimorgen
trug selbst der Himmel stille Sorgen.
Der Ritter trat durchs Schlosstor ein,
doch nichts darin war licht noch fein.
Die Diener schwiegen auf den Gängen,
als würden selbst die Wände hängen.
Und als er vor dem Zimmer stand,
sah er den Krug am Bettesrand.
Das Wasser darin roch schon bitter,
seit Tagen stand es still und trüber.
Da wusste er, noch eh man sprach,
dass etwas Dunkles dort zerbrach.
Die Alten sagten seit den Jahren,
Lindenblüten könnten wahren
vor Fieberglut und heißem Schmerz,
sie lindern Atem, Schlaf und Herz.
So ritt der Ritter voller Hast
durch Wald und Wind und Regentast.
Mit zitternden und wunden Händen
begann er Blüten abzuwenden.
Hellgelb lagen sie im Licht,
wie Pollenstaub auf Milchglasschicht.
Ihr Duft hing süß an Haut und Kleid,
wie Hoffnung gegen Endlichkeit.
Doch als er kam ans Krankenbett,
war alles still und alles jetzt.
Das Königskind lag regungslos,
die schmalen Hände still im Schoß.
Die Lider ruhten sanft und bleich,
als schlafe es nur traumlos leicht.
Kein Atem hob die Decke mehr.
Der Raum erschien unendlich leer.
Da sank der Ritter auf den Stein.
Kein Ruf. Kein Weinen. Nur Allein.
Und über allem, warm und lind,
der Duft der Blüten — weich wie Wind.
Die Krone lag noch unberührt
dort, wo man sie zum Fest geführt.
So unendlich die Liebe des Ritters auch sei,
vor dem Schicksal blieb selbst sie zu klein.
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