Ich setze mich auf den Küchenstuhl, mein Smartphone liegt neben einer Schüssel. Jemand sagt etwas zu mir, ich nicke und antworte: „Ja.“ Dabei stochere ich mit der Gabel in meinem Essen herum. Mein Blick wandert immer wieder zum Display, das kurz aufleuchtet. Ich höre einzelne Worte, aber den ganzen Satz erfasse ich nicht. Draußen fahren Autos vorbei, irgendwo klappert Geschirr. Erst als mich jemand nach meiner Meinung fragt, merke ich, dass ich gar nicht richtig zugehört habe. Für einen Augenblick wird es still in meinem Kopf. Dann versuche ich, mich daran zu erinnern, worüber gesprochen wurde.
Zuhören, ohne wirklich da zu sein
Der Lehrer steht vorne am Pult und spricht. Seine Worte füllen den Raum gleichmäßig und ruhig. Ich sitze da, schaue nach vorne und halte den Stift bereit. In meinem Heft ist eine Seite aufgeschlagen, einige Worte stehen bereits darauf. Neben mir blättert jemand, irgendwo rutscht ein Stuhl. Ab und zu schreibe ich etwas auf, damit es so wirkt, als wäre ich ganz bei der Sache. Doch meine Gedanken sind ganz woanders. Ich denke an andere Dinge, an mein Handy nach dem Unterricht und an alles, was nichts mit dem Unterricht zu tun hat. Die Stimme des Lehrers wird für mich immer unwichtiger, obwohl er laut spricht. Plötzlich ruft er meinen Namen. Für einen Moment wird alles still, und ich versuche, wieder zu verstehen, worum es geht.
Ein kurzer Blick in den Spiegel
Ich gehe den Gang entlang und sehe einen Spiegel vor mir. Ohne stehen zu bleiben, werfe ich einen kurzen Blick hinein. Es ist nur ein Moment, kaum eine Sekunde. Ich sehe mein Gesicht, meine Haare, vielleicht sogar meinen Ausdruck – doch ich nehme es nicht wirklich wahr. Meine Schritte verlangsamen sich nicht. Hinter mir hört man Türen zufallen, Stimmen und Schritte. Erst später wird mir klar, dass ich zwar mein Spiegelbild gesehen habe, aber gar nicht darauf geachtet habe.
Dinge, die sofort wieder verschwinden
Ich liege auf meinem Bett und starre an die Decke. Plötzlich kommt mir ein Gedanke: Ich muss noch jemandem schreiben. Für einen kurzen Moment erscheint dieser Gedanke wichtig. Ich greife nach meinem Smartphone, entsperre es und öffne eine App. Doch statt zu schreiben, beginne ich zu scrollen und sehe mir Videos an. Minuten vergehen, ohne dass ich es bemerke. Erst viel später lege ich das Smartphone beiseite und erinnere mich wieder an den Gedanken von vorhin. Dann frage ich mich, warum ich es nicht gleich erledigt habe.
So habe ich in vielen kleinen Momenten bemerkt, dass ich zwar an einem Ort war, aber nicht wirklich anwesend. Seitdem fällt mir immer öfter auf, wenn meine Gedanken abschweifen, ohne dass ich es sofort merke.
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