In einer kleinen Werkstatt am Rand des Weihnachtsmarkts arbeitete Herr Riml, der Holzschnitzer. Dieses Jahr sollte auf der großen Tanne in der Stadtmitte ein besonderer Stern leuchten, ein Stern aus Holz, den er mit seinen eigenen, begabten Händen geschnitzt hatte. Als die Dorfbewohner jedoch am Morgen des 24. Dezember aufwachten, war er spurlos verschwunden.
Die ganze Stadt suchte verzweifelt danach, aber der Stern war wie vom Erdboden verschluckt. Am Nachmittag zog ein düsterer Nebel auf, und die Menschen wurden ungeduldig. „Ohne den Stern sieht unser Baum einsam und leer aus“, waren sie sich einig.
Emil, ein Junge aus der Nachbarschaft, wollte nicht aufgeben. Er liebte den Weihnachtsmarkt und den großen Baum. Also stapfte er allein los, um noch einmal alle Gassen abzusuchen. Er schaute in der Holzschnitzerei, hinter Häusern und sogar in Schneehaufen. Nichts.
Er wollte fast schon aufgeben, da bemerkte er ein helles, goldenes Funkeln zwischen zwei Tannenbäumen am Rand des Stadtplatzes. Er drängte sich durch die Zweige und da lag er: der geschnitzte Stern!
Doch etwas stimmte nicht. Der Stern leuchtete wie durch ein Wunder ganz von selbst, obwohl kein Licht in der Nähe war. Vorsichtig hob Emil ihn hoch. Das warme Glühen wurde stärker, als würde sich der Stern freuen, gefunden zu werden.
Als Emil ihn zurück zum Platz trug, lichtete sich plötzlich der Nebel. Die Menschen drehten sich überrascht um, als er mit dem leuchtenden Stern ankam. Gemeinsam befestigten sie ihn an der Spitze der großen Tanne.
Kaum hing er dort, ging ein goldenes Schimmern über den ganzen Markt. Die Lichterkette sprang an, obwohl niemand sie eingesteckt hatte, und der ganze Baum glühte wie ein riesiger Funke Wärme.
Die Leute schwiegen einen Moment, fasziniert von dem Licht. Dann begann jemand zu klatschen und bald klatschte die ganze Stadt.
Herr Riml legte Emil eine Hand auf die Schulter. „Ein Wunderstern braucht wohl jemanden mit einem guten Herzen“, sagte er leise.
Emil strahlte. Und der Stern, als hätte er es gehört, funkelte ein kleines bisschen heller.
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